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Kurze Vergnügen

Twitter ist inzwischen überall. Das Gezwitscher ist mainstream: die Tagesschau berichtet, die Grünen schicken gerade Updates von ihrem Parteitag in Dortmund, Spiegel-Online verbreitet seine Nachrichten über den Micro-Blogging-Dienst, NDR’s N-Joy kommuniziert mit den Hörern u.v.m. Herzstück ist und bleibt aber der Mensch hinter den Kurznachrichten, die sich Tweets nennen, seine Interessen, Infos und sein Humor oder Wortwitz. Gerade letzterer stand am gestrigen Abend im Mittelpunkt der Twitterlesung in der Hamburger Botschaft im Schanzenviertel.

Das Twitkrit-Team, das in seinem Blog regelmäßig bemerkenswerte Twitterer rezensiert, las Gefühlsausbrüche, Gedanken über Politik, büroalltag und das Leben, jeweils geballt in maximal 140 Zeichen. Beispiele: “Wenn die deutschen Autohersteller ans Ende ihrer Fließbänder Schrottpressen montieren, wären sie dank Abwrackprämien ihre Absatzsorgen los.” “Ich teile jetzt erstmal meine Wohnung in Gegenstands-Aufenthaltsorts-Quadranten ein.” “Sitze auf der Parkbank. Mühsam nähert sich das Eichhörnchen.” usw. Pointiert und klug, stumpf und zynisch, alles gab’s. Eine tolle Idee, so eine Twitterlesung. An der Dynamik der Performance könnte vielleicht noch gefeilt werden, aber sonst hoffe ich, dass bald wieder in der Hansestadt live on Stage gezwitschert wird.

Den einzigen wirklichen Wermutstropfen gab es beim Offlinetweet-Wettbewerb-Contest. Auf Kärtchen durften sich Twitterer und Nichttwitterer spontan an der 140er-Form versuchen. Die bezaubernde Liebste des Blind-PR’lers schaffte es zurecht unter die Top 4 – “in dem Moment, in dem ich mein Herzblut spenden wollte, war niemand da, der es brauchte” -, kam ins Stechen um Platz Eins und verlor knapp im Applaus-Votum gegen einen Stuhlgang-Tweet – man kann nicht alles haben.

Meine Twitter-Updates finden Sie übrigens hier.