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Spenden-Aktion: Hard Rock Cafe unterstützt blinde und sehbehinderte Menschen

Die Politik spart im Sozialbereich. Einnahmen durch Spenden und Erbschaften sind tendenziell rückläufig. Geldanlagen bringen immer weniger Zinsen. Sprich: Es wird immer schwieriger, Angebote für blinde und sehbehinderte Menschen zu finanzieren. Zum Glück gibt es auch positive Nachrichten: Das Hard Rock Cafe Hamburg hat anlässlich seines ersten Geburtstages Schecks an gemeinnützige Organisationen übergeben. Darunter war auch der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg. Erstmals in der weltweiten Hard-Rock-Cafe-Geschichte gibt es – exklusiv in Hamburg – einen Pin mit Brailleschrift. 25% des Verkaufserlöses gehen an unsere Selbsthilfe-Organisation. Das macht 1.200 Euro. Und weil das Hard Rock Cafe Marseille von dieser Aktion so begeistert war, legte es gleich noch 1.500 Euro oben drauf. Ich bedanke mich ganz herzlich im Namen unseres Vereins für diese tolle Unterstützung. Spenden wie diese ermöglichen es uns, blinden und sehbehinderten Menschen – von Kindern bis Senioren – in ihrem Alltag zu helfen, Freizeit- und Kulturangebote für sie zu schaffen und uns öffentlichkeitswirksam für mehr Barrierefreiheit in Hamburg stark zu machen. Wenn auch Sie helfen möchten, auf der BSVH-Spendenseite können Sie uns unterstützen.

Perspektiven (8): Technischer Fortschritt?

Der technische Fortschritt hat sehbehinderten und blinden Menschen in den vergangenen Jahrzehnten ein Mehr an Selbstständigkeit gebracht. Und es wird fleißig weiter geforscht.

Blinde PC-Nutzer können jetzt auch Grafiken und Tabellen „sehen“. Möglich gemacht hat dies das Forschungsprojekt HyperBraille, das heute auf der SightCity (28.-30. April 2010), der größten deutschen Fachmesse für Blinden- und Sehbehinderten-Hilfsmittel, erstmals das funktionsfähige HyperBraille-Gesamtsystem – eine Art grafikfähigen Laptop für blinde und sehbehinderte Menschen – vorgeführt hat.Nachdem im letzten Jahr auf der SightCity bereits der Prototyp des Flächendisplays, das im Vergleich zu herkömmlichen Braillezeilen interaktiv, zweidimensional und grafikfähig ist, präsentiert wurde, sind nun auch die zur Ansteuerung notwendige Software sowie die Software-Anpassungen für die gängigen Office und Internet-Programme fertig gestellt.

(idw-online.de)

Es sind nicht immer die staatlich geförderten Forschungsprojekte und die Ingenieure der spezialisierten Hilfsmittelfirmen, die Produkt-Neuheiten entwickeln. Manchmal sind es auch drei palästinensische Teenies.

Drei Mädchen aus dem Westjordanland haben einen speziellen Stock für Blinde konstruiert, der vor Löchern und Hindernissen auf dem Gehweg warnt. Die technische Bastelei hat den dreien einen Flug zu einer Ingenieursmesse im kalifornischen San Jose eingebracht. Die 14-jährige Asil Abu Lil habe ihre Tante und Onkel beobachtet, die blind sind, berichtet die israelische Tageszeitung “Ha´aretz” unter Berufung auf einen Bericht von “Associated Press”. Sie hätten Schwierigkeiten gehabt, Unebenheiten auf den schmalen Bürgersteigen ihres Dorfes zu umgehen. Da beschloss das Mädchen, einen speziellen Blindenstock zu erfinden. Asil und zwei Klassenkameradinnen bauten für ein Schulprojekt ein Gerät, das Hindernisse auf dem Gehweg entdeckt. Der Gehstock der 14-jährigen Mädchen gibt Töne von sich, wenn ein Hindernis auf dem Weg liegt. Am Stock sind zwei Infrarot-Sensoren befestigt. Der eine ist nach unten, der andere nach vorne gerichtet. Die Schülerinnen einer Mädchenschule der Vereinten Nationen haben zwei Prototypen gebaut, nachdem sie mehrmals ins 45 Minuten entfernt gelegene Ramallah gelaufen waren. Dort kauften sie die nötigen elektronischen Bauteile.

(israelnetz.com)

Bei manchen Meldungen habe ich allerdings den Eindruck, dass sehende wissenschaftler an Produkten forschen, ohne auch nur einmal einen Betroffenen gefragt zu haben, ob für die Erfindung Bedarf besteht. Meiner Erfahrung nach kann man ein Lächeln oder einen verdrossenen Gesichtsausdruck über die Stimme hören.

Der Forscher entwickelte nun ein System, das mit einer Webcam Emotionen in den Gesichtern von Menschen erfasst. Ein Erkennungsprogramm analysiert die Bilder und wandelt sie in einen Braille-Code um, der auf einem speziellen Gerät ausgegeben wird. Dieses besteht aus einer Anordnung von motorgetriebenen Elementen, die an einer Stuhllehne befestigt sind.

(ratschlag24.com)

Selbstständige Orientierung außerhalb der eigenen vier Wände ist ein großer Wunsch der meisten sehbehinderten und blinden Menschen. “Drop GPS” soll hier angeblich helfen.

Das von den beiden Designern Allan Sejer Madsen und Lukasz Natkaniec entwickelte Gadget (…) ist so eine Art Braille-Kompass. Es besteht quasi aus zwei Rundscheiben, die die Ober- und Unterseite des “Drop” darstellen und in der Mitte so miteinander verbunden sind, dass sie sich frei gegeneinander verdrehen lassen. Die kleinen Punkte oder Punktmuster auf der Oberseite des Teils repräsentieren die in einer Gegend vorkommenden Gebäude, die glatten, punktfreien Stellen Straßen und Plätze. Dort, wo (…) der Daumen (…) ist, befindet sich sozusagen die Ausgangsposition des Users. Läuft dieser nun mit dem Teil in der Hand durch die Gegend, dann empfängt es die GPS-Daten zu dem Ort und erkennt entsprechend, wo sich eine Straße oder ein Gebäude befindet.

(basicthinking.de)

In “Perspektiven” stelle ich lesenswerte Beiträge rund um Augenerkrankungen, Sehbehinderung und Blindheit vor. Viele weitere Linktipps erhalten Sie von mir via Twitter.

Ihre Perspektive: Was sollte für sehbehinderte und blinde Menschen noch erfunden werden?

Blindengeld: Schluss mit der Abwärtsspirale

Die Blindengeld-Sau wird mal wieder durch ein Dorf gejagt, diesmal durchs schleswig-holsteinische. Dort erwägt die schwarz-gelbe Landesregierung eine Kürzung. Und wie bereits in Mecklenburg-Vorpommern wird argumentiert, dass es andere Bundesländer gebe, in denen die Leistung niedriger ausfalle. Wann werden die Meinungsmacher in diesem Land endlich verstehen, dass man mit dieser Logik den Nachteilsausgleich auf null Euro drücken kann? Irgendwo ist er immer niedriger. Diese Abwärtsspirale muss endlich durchbrochen werden. Der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg hatte sich bei der letzten Bürgerschaftswahl vor zwei Jahren für eine Erhöhung des Blindengeldes in der Hansestadt stark gemacht. Und immerhin ist die Leistung seitdem um ca. 15 Euro monatlich gestiegen. Das war ein kleiner Erfolg, der aber durch skrupellose, kurzsichtige Politiker in Hamburgs nördlichem Nachbarland torpediert wird.

Blindengeld ist eine Leistung, die Menschen bekommen, die dem Gesetz nach blind sind: Sie sehen auf dem besseren Auge weniger als zwei prozent. Mit dem Geld sollen Betroffene in die Lage versetzt werden, einige Nachteile auszugleichen. Die Gesellschaft ist voller Barrieren. Um ein einigermaßen selbstständiges und integriertes Leben führen zu können, legt das Sozialgesetzbuch XII in §72 einen finanziellen Mehrbedarf von 608,96 Euro fest. Dennoch zahlt Hamburg derzeit nur 463,92 Euro, Schleswig-Holstein 400 und Niedersachsen sogar nur 265 Euro an blinde Menschen im Monat.

Das hört sich vielleicht immer noch viel an. Ist es aber bei genauerem Hinsehen nicht. Wofür nutzen blinde Menschen wie ich das Geld?

Begleitpersonen: Leider ist unsere Gesellschaft nicht so organisiert, dass wir überall allein, selbstständig und unbeschwert unterwegs sein können. Theater- und Konzert-Besuche sind für viele Betroffene nur in Begleitung möglich. Ein paar Tage Urlaub kosten gleich das Doppelte, wenn man eine (fremde) Begleitung mitnehmen muss. Die meisten blinden Menschen sind im Senioren-Alter. Sie sind relativ neu mit der Situation konfrontiert. Sie haben keine oder wenige Angehörige. Sie wünschen sich Unterstützung im Haushalt, bei Einkäufen, für einen Spaziergang. Diese Menschen brauchen Blindengeld, um ihre Assistenten zu bezahlen.

Taxi-Fahrten: Stellen Sie sich vor, sie könnten keine Straßenschilder und Bus- und Bahn-Anzeigen mehr lesen. Sie wüssten nicht, ob Sie sich gerad an einer Kreuzung mit oder ohne Ampel befinden. Fremde Wege sind für die meisten blinden Menschen nicht machbar. Muss ich zu einem Facharzt, bei dem ich noch nie war, oder zu einem Amt, dann brauche ich ein Taxi.

Blindenschrift: Braille-Bücher sind teuer und brauchen viel Platz. “Der Herr der Ringe” kostet zum Beispiel 307 Euro und umfasst 15 Punktschrift-Bände – jeder Band ist ca. 35 x 30 x 7 cm groß. Vom Blindengeld kann ich mir Bücher – die Auswahl ist sehr klein – leisten. Hinzu kommen Zeitschriften in Braille. Lesen zu können, das ist einge Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, für Bildung, berufliche Chancen. Jede Blindengeld-Kürzung verringert die ohnehin zu geringen Chancen vieler blinder Menschen in Deutschland.

Hilfsmittel: Es gibt viele Produkte, die blinden Menschen den Alltag erleichtern. Das Spektrum ist weit und reicht von Markierungspunkten, um das Waschmaschinen-Programm selbst einstellen zu können (ca. 7 Euro), bis zu sprechenden Computern mit einer Braillezeile (bis 10.000 Euro). Was jeder Einzelne braucht, weiß der Betroffene selbst am besten.

Das war die große Errungenschaft des Blindengeldes: Blinde Menschen konnten mit dem Geld einige Barrieren überwinden, an der Gesellschaft teilhaben und es für die individuellen Bedürfnisse verwenden. Politiker, die das Blindengeld infragestellen, stellen das gesellschaftliche Miteinander von blinden und sehenden Menschen infrage.

Einfach toll, dabei zu sein

“So viel Fröhlichkeit und Offenheit erlebt man selten” – “Es war eine super Stimmung!” – “Einfach toll, dabei zu sein”: Solche Stimmen waren am vergangenen Wochenende in Hannover oft zu hören. Dort wurde von Freitag bis Sonntag das Louis Braille Festival der Begegnung gefeiert. Etwa 1.600 Menschen – nicht nur Blinde und Sehbehinderte, sondern auch deren Freunde und Angehörige, neugierige Hannoveraner sowie Pressevertreter und politische Prominenz – waren der Einladung des DBSV und BVN (Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen) gefolgt. “Wir freuen uns, dass wir so viele Menschen mobilisieren konnten”, sagte DBSV-Präsidentin Renate Reymann am Ende der Veranstaltung. “Sie haben dieses Festival zu einem vollen Erfolg gemacht – und zu einem Ort gelebter Begegnung.”

Den vollständigen und lesenswerten Festival-Bericht finden Sie auf der Homepage des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg.

Die Botschaft Braille

Hannover war am vergangenen Wochenende Gastgeber des Louis-Braille-Festivals der Begegnung. Zum ersten Mal hatte der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) ein Kunst- und Kultur-Event in dieser Dimension ausgerichtet. Mit rund 1600 Besuchern war es ein voller Erfolg. Highlights waren das Musical “Stärker als die Dunkelheit” und Auftritte der blinden Sängerin Joana Zimmer und eine Lesung der Schauspieler-Legende Mario Adorf.

Auch wir – zwei Kolleginnen und ich – vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg waren dabei: mit einem Aktionsstand auf dem “Markt der Begegnung”. Am Samstag drängten sich die Festival-Besucher an unserem Stand, um Wissensfragen über Hamburg zu beantworten und um über Kopfhörer Stimmen berühmter Hanseaten zu erraten. Hauptpreis war ein Wochenende an der Ostsee, in unserem Aura-Hotel Timmendorfer Strand. Menschen aus Berlin, Bremen, Sachsen, Bayern und Belgien kamen zu uns. Ich traf zufällig Leute, die ich seit fünfzehn Jahren nicht gesehen hatte, und PR-Kollegen anderer Blinden- und Sehbehinderten-Organisationen. Es war wirklich ein Festival der Begegnung.

Und es war ein Plädoyer für die Blindenschrift. Deren Erfinder Louis Braille wäre in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden. Mit der Tucholsky-Lesung von Mario Adorf und dem blinden Hörbuch-Sprecher Reiner Unglaub wurde die Botschaft Braille für alle sichtbar: ein blinder und ein sehender Leser konnten gemeinsam Literatur erleben und vortragen. Blindenschrift ist der Zugang zu Kultur und Information. Und sie darf nicht durch DAISY-Hörbücher verdrängt werden. Reiner Unglaub erntete großen Applaus, als er sagte, dass wir blinden Menschen uns nicht immer auf eine Krücke verlassen sollten, sondern uns mithilfe von Braille selbst Bücher erschließen sollten. Und die Sängerin Joana Zimmer machte deutlich, wie wichtig für sie die Blindenschrift ist, um ihre Songtexte zu lernen. Schließlich brachte DBSV-Geschäftsführer Andreas Bethke auf den Punkt, was sich viele nicht mehr zu sagen trauen: Egal ob als Kind, Jugenllicher oder Späterblindeter, Blindsein ist kein Grund, nicht zu lesen. Braille ist lernbar. Und Braille darf auch zukünftig nicht unter die Räder von DAISY und PC-Sprachausgabe geraten. Es muss gesichert sein, dass das Lehren der Blindenschrift nicht nur an den Sonderschulen, sondern auch bei der inklusiven Beschulung absolute Priorität hat. Schon allein – darauf wies Reiner Unglaub ebenfalls hin – zum Erlernen der Rechtschreibung ist das eigenständige Lesen unabdingbar. Das Festival in Hannover hat gezeigt, auch 200 Jahre nach Louis Brailles Geburt ist seine geniale Erfindung für blinde und stark sehbehinderte Menschen ein unabdingbarer Schlüssel, um in die Mitte unserer sehenden Gesellschaft zu gelangen.

Blind in Skandinavien

Wir neigen dazu, Reiseländer durch eine rosarote Brille zu betrachten. Überall auf der Welt erscheinen die Menschen freundlicher als daheim, überall sei die Landschaft schöner, das Klima milder. Dabei ist wohl ein Gutteil Projektion, schließlich sind wir im Urlaub entspannt, fröhlich, neugierig. Könnten wir uns diese Einstellung zuhaus bewahren, kämen uns Hamburg, Berlin und Bielefeld gleich viel freundlicher vor. Dennoch glaube ich, dass wir Deutschen im Umgang mit behinderten Menschen vom Ausland lernen können.

Wie häufig höre ich in Deutschland – in Pensionen, auf der Straße, im Bus – ein mitleidiges “Geht das mit der Stufe?” oder ein erschrecktes “Vorsicht!”? Und das nicht nur, wenn ich allein unterwegs bin, selbst wenn ich an der Seite meiner Freundin gehe, sind diese Kommentare standard. Oder ich werde gleich ganz ignoriert. Fragen, die ich stelle, werden dann nicht mir beantwortet, sondern mein Gegenüber wendet sich hilflos oder herablassend an meine Begleiterin. In acht Tagen Dänemark und Schweden ist mir ein solches Verhalten nicht begegnet.

Und es gab noch mehr Kleinigkeiten, über die ich mich im Urlaub freuen konnte: sehr markante Rillen-Platten führten sehbehinderte und blinde Menschen durch Kopenhagens Innenstadt – bei uns findet man ähnliches meist nur in Bahnhöfen. Signalampeln waren in Kopenhagen, Malmö und Ystad der Normalfall. Während sich Hamburger Behörden ständig Sorgen um die vom Ampellärm angeblich so arg geplagten Anwohner machen, waren die skandinavischen Ampeln deutlich lauter als die unsrigen und sie machten immer ein anderes Geräusch, wenn es grün wurde. In Hamburg muss ich immer erst zum Ampelpfosten gehen und dort einen speziellen Knopf drücken, bevor die Ampel bei der nächsten Grünphase piept. Und die schwedischen Ampeln verfügen über einen Tastplan. Auf ihm konnte ich ertasten, wie die Kreuzung aufgebaut war, sprich: wieviel Autospuren sie hatte, in welche Richtungen die Fahrzeuge fuhren usw. Blindenschrift hatte ich in meinem schwedischen Reise-Alltag häufiger unter den Fingern als hierzulande: Bei den Geldautomaten waren die Tasten mit eindeutigen Braille-Markierungen versehen. Anders als in Hamburg konnte ich selbst ertasten, wo die Korrektur- und Bestätigungstaste waren. Und auch die WC-Tür im Tourismusbüro von Ystad war mit Blindenschrift gekenntzeichnet. All dies sind kleine, alltägliche Zeichen dafür, dass man als behinderter Mensch Teil der Gesellschaft ist. Davon kann Deutschland noch einiges lernen.

Schwer vorstellbar: Sehen mit der Zunge

Wenn ich sehenden Menschen vom Alltag Blinder und Sehbehinderter berichte, ernte ich oft Erstaunen. Kochen ohne Augenlicht, ins Kino gehen, Arbeiten am PC, das Nutzen von Farberkennungsgeräten können sich viele nicht vorstellen. Manchmal stolpere ich aber auch über Innovationen, die selbst ich mir nur schwer vorstellen kann. Mehrere Medien – darunter die Märkische Allgemeine – berichteten in den vergangenen Wochen über den Brainport. Mit plakativen Überschriften wie “Sehen mit der Zunge” informierten die Journalisten über ein System, das visuelle Eindrücke so umsetzt, dass sie mit der Zunge wahrgenommen werden können. Der blinde Bergsteiger Erik Weihenmayer gehört zu den ersten Amerikanern, die Brainport testen. Er berichtet, dass er dank des Hilfsmittels “Schere, Stein, Papier” mit seiner Tochter spielen kann. Weiter gelingt es ihm, nach einem zugerollten Ball oder einer Kaffeetasse auf dem Tisch zu greifen. Und er sieht zum ersten Mal schemenhaft die Gesichter seiner Frau und seiner Kinder.

“Es ist dein Gehirn, das sieht – nicht die Augen”, erklärt Weihenmayer, der eine Sonnenbrille mit einer winzigen Kamera auf der Nase trägt. “Und wenn die Augen nicht funktionieren, müssen die Bilder einen anderen Zugang zum Hirn finden.” Weiter heißt es in der Märkischen Allgemeinen: “Etwa über die Zunge, wie es beim “BrainPort” geschieht. Das Gegenstück zur Kamera ist nämlich ein drei Quadratzentimeter großes Plättchen, das wie ein Lutscher in den Mund geschoben wird. “Die digitalen Kamera-Bilder werden in elektrische Signale umgewandelt und über bis zu 600 Elektroden als Pixel an die Zunge weitergegeben”, erklärt Programmleiter Michael Oberdorfer vom National Eye Institute. “Die Idee des BrainPorts ist es, defekte Sinne zu ersetzen.” Bei der Blindenschrift Braille etwa, gelangen Zeichen durch den Zeigefinger ins Hirn. “Das Hirn ist formbar und es lernt, auch über Umwege an Informationen zu kommen. Und ein Organ, das sich wegen seiner extremen Sensitivität dazu eignet, ist die Zunge.””

Mir stellen sich viele Fragen: Wieviel Nutzen bringt Brainport im Alltag? Welche Details sind damit zu erkennen? Die Markteinführung soll nicht mehr lang auf sich warten lassen. Testen werde ich es gewiss.