Ich muss es mal schreiben. Es ist undiplomatisch, ruppig und nicht gerade etwas, das man von einem Menschen hören will, der Kommunikation zum Beruf gemacht hat. Und in der Tat verstehe ich meine Arbeit als PR’ler für die Sache der blinden und sehbehinderten Menschen so, dass ich auch den Kontakt zu Mitbürgern suche, die Vorurteile gegenüber Behinderten haben. Ich habe die Hoffnung nicht verloren, ihre Vorurteile abbauen zu können. Und das werde ich auch weiter versuchen. Dennoch gibt es auch eine Wahrheit, die ich mal so klar hier formulieren muss: Euer Mitleid kotzt mich an!
Es war auf meinem Weg zur Arbeit, als mich auf dem U-Bahnsteig eine ältere Dame ansprach: „Kann ich Ihnen beim Einsteigen helfen?“
Diese Frage wird mir häufig gestellt, und ich finde sie absolut okay. Ich sage dann in der Regel, so auch zu der älteren Dame: „Nein danke, das geht schon.“
Nach einer kurzen Pause fragt sie: „Und geht das wieder weg?“
Sie meint meine Blindheit. Da bin ich mir sicher. „Nein, das geht nicht mehr weg“, sage ich denn auch.
„Wie schrecklich“, platzt es aus ihr heraus, „so ein junger Mann.“
Ich brauche wohl nicht zu sagen, dass sie mir doch sagt, wo sich die Wagontür befindet, obwohl ich längst gehört habe, wo sie aufgegangen ist. In der Bahn will sie mir zeigen, wo ein freier Platz ist, obwohl ich vor einem Tag am Schreibtisch auch gern mal in der Bahn stehe. Es ist dieses Nicht-ernst-nehmen, das mich so wütend macht. Wenn ich sage, dass ich keine Hilfe möchte, dann ist das so. Wenn man mich dann nicht in Ruhe lässt, dann spricht man mir ab, selbst zu wissen, was gut für mich ist.
Es kam aber in diesem Fall noch schlimmer. Kurz vor dem Bahnhof, in dem ich umsteigen muss, kam die mitleidende Dame zu mir: „Wo möchten Sie denn gleich hin? Ich helfe Ihnen.“
„Bitte lassen Sie mich doch jetzt in Ruhe“, bat ich. Ich fühlte mich schlecht, irgendwie bedrängt.
„Ich möchte ja nur helfen“, rechtfertigte sie sich, um dann noch ein paarmal „wie schrecklich, so ein junger Mann“ vor sich hinzumurmeln.
Ich bezweifle, dass solche Menschen wirklich nur helfen wollen. Sie verlangen Dankbarkeit für etwas, das ich gar nicht haben will. Ihr Mitleid ist keine Hilfsbereitschaft, ihr Mitleid ist Überheblichkeit. Sie nehmen mich nicht als gleichberechtigten Menschen, sondern als hilfebedürftiges Wesen wahr. Sie übertragen ihr abwertendes Bild von Behinderung auf die behinderten Menschen selbst – ich jedenfalls hatte den Eindruck, mich für meine Blindheit rechtfertigen zu müssen. Möglicherweise fühlen sich die meist älteren Mitbürger sogar noch besonders menschlich, christlich vielleicht, aber das sind sie nicht. Im Gegenteil: ihr aufgedrängtes Mitleid tut weh. Ich jedenfalls fühlte mich an diesem Morgen schwach und entmündigt. Es ist nicht meine Behinderung, die im Alltag frustriert. Es sind Begegnungen wie diese, die Wut erzeugen.
Bereits im Januar 2007 schrieb Christiane Link – sie lebt als Rollstuhlfahrerin in London – in ihrem Blog „Behindertenparkplatz“:
Ich bin jetzt seit mehr als einem Monat in Großbritannien und ich glaube, es war der erste Monat meines Lebens (meine USA-Aufenthalte ausgenommen), in dem mir kein einziger Mensch begegnet ist, der mich offensichtlich bemitleidete. Und das obwohl ich jeden Tag mit Kreti und Pleti im Bus durch die halbe Stadt gurke und manchmal Leute anspreche, ob sie mir in den Bus helfen können, wenn die Rampe sehr steil ist. Können wir das in Deutschland vielleicht auch mal trainieren? Hilfsbereitschaft ohne Mitleid.
Ich möchte Begegnungen wie die mit der Frau in der U-Bahn nicht mehr haben. Und ich bilde mir auch ein, dass sie tendenziell seltener werden. Meine Vision ist, dass es auch in Deutschland eine Zeit geben wird, in der kein behinderter Mensch mehr solche Situationen erleben muss. Daher werde ich auch weiter gegen Vorurteile und für einen respektvollen Umgang mit behinderten Menschen streiten. Ich werde auch weiter über Möglichkeiten und Grenzen blinder und sehbehinderter Menschen informieren und das Gespräch zum Thema suchen. Ich freue mich darauf, Vorurteile abzubauen und Wissenslücken zu schließen (bei meinem Gegenüber und bei mir). Aber ich werde auch sagen, wenn mich Euer Mitleid ankotzt.
Pingback: Tweets that mention Umgang mit behinderten Menschen: Euer Mitleid kotzt mich an! « Blind-PR -- Topsy.com
HI!!!
Ich bin zufällig auf dein Blog gestoßen. Seh es doch bitte nicht so ernst. Die Dame hat es bestimmt gut gemeint. Die hat es mit Sicherheit nur nicht verstanden, dass Sie es bis jetzt auch irgendwie geschafft haben. Mein Opa ist auch blind. Und das schon sehr früh in seinem Leben. Er hat auch vieles alleine geschafft. Nur jetzt wird er älter und alles klappt nicht mehr so.
Ich glaube, dass es trotzdem besser ist, wenn die Menschen nicht so kalt aneinander vorbei leben, sondern noch offen füreinander sind.
Wenn ich meine Hilfe anbieten würde, dann garantiert nie aus Überheblichkeit.
Wünsche dir alles Gute.
VG Johann
Der Grad zwischen Ignorieren, Hilfe anbieten, Helfen und Bemitleiden ist aber teilweise aber auch sehr klein und schwierig zu handeln.
Ich halte es eigentlich gerne so, dass ich einmal kurz und bestimmt nachfrage, ob ich helfen könne und dann je nach Reaktion handel. Genau so, wie ich es z.B. bei einer Mutter mit Kinderwagen auch tun würde!
Hi,
guter Artikel, kann das Gefühl sehr gut nachvollziehen – hat irgendwie was mit mangelndem Respekt zu tun.
Und @johann – gut gemeint war es sicher irgendwie, aber das ist ja offenbar nicht der Punkt hier.
Ich denke, es ist schwierig etwas über die Absichten der alten Damen zu sagen ohne mit ihr darüber geredet zu haben. Im Idealfall hätte man vielleicht mit ihr über das Thema geredet, aber erstens hat man da gerade anderes zu tun und zweitens ist es wohl ziemlich mühselig das jedem Deutschen einzeln zu erklären
Ich arbeite selbst mit einem Rollstuhlfahrer zusammen (im IT-Sektor) und war selbst lange unsicher wie ich damit umgehen soll, man muss halt ein Gefühl entwickeln wann möglichst ungefragt geholfen werden sollte und wo nicht.
Mich beeindruckt Ihre Art der älteren Dame direkt zu sagen, dass Sie keine Hilfe brauchen. Vielleicht müssten Sie das noch bestimmter tun, auch wenn man Ihnen dann mit Unverständnis begegnet.
Hallo,
egal ob mit Behinderung oder nicht – Leute die nicht aufhören nerven jeden. Wenn mal ein, zwei mal gefragt wird ist das ja noch Okay – aber dannch nur noch nervig.
Aber ich glaube trotzdem, dass in deinem Fall die ältere Dame dich nicht provozieren bzw. dich ärgern wollte.
Sie war/ist einfach nur hilflos. Früher war das mit Intergration noch nicht so weit – während man heutzutage das alles als normal versteht, war es früher was „besonderes ( im negativen Sinne )“.
@johann Gut gemeint ist nur dummerweise – so auch in diesem Fall – das Gegenteil von gut gemacht.
Hilfe anzubieten ist sicherlich immer besser, als achselzuckend vorbei zu gehen. Aber ein „Nein“ als Antwort sollte man dann schon akzeptieren. Ich bin ehrlich, ich weiß oft auch nicht, wie ich mich verhalten soll, wenn ein behinderter Mensch neben mit am Bahnsteig steht. Der Spagat zwischen Hilfsbereitschaft und Aufdringlichkeit ist meines Erachtens nicht immer leicht zu vollziehen.
Vor allen Dingen glaube ich, dass eben nicht jeder dieselbe Einstellung zu diesem Thema hat wie du Heiko und sich gerade dann schlecht fühlt, wenn man keine Hilfe anbietet. Wo ziehe ich als Außenstehender da die Grenze? Woran erkenne ich, wer Hilfe braucht und wer alleine zurecht kommt?
@Johann ok, wir setzen dich jetzt mal eine Woche in den Rollstuhl und lassen dich da draußen rumfahren. Ich wette, du wirst das ganz schnell ernst nehmen, wenn dir das zum dritten Mal am ersten Tag passiert ist (was dann – zumindest meiner Erfahrung als Rollstuhlfahrer nach – für manche Tage immer noch selten ist!). Mal sehen, ob dann immer noch so ein Gesülze von wegen „bestimmt gut gemeint“ kommt!
Du hast offensichtlich überhaupt nicht verstanden, was Heiko sagen wollte. Dieses Verhalten hat NICHTS mit Offenheit füreinander zu tun! Heiko hat es doch betont: Er findet es völlig ok, wenn er gefragt wird, ob er Hilfe braucht. DAS ist Offenheit füreinander und nicht kaltes aneinander Vorbeileben. Aber es ist NICHT ok, wenn auf ein freundliches „Nein danke“ weiter sogenannte „Hilfe“ aufgedrängt wird. Das ist – da hat Heiko recht – nichts anderes als überheblich! Man spricht uns damit nicht nur Fertigkeiten ab, sondern – viel schlimmer – das Recht, autonom und selbständig entscheiden zu können! Und genau deswegen kann ich dieses Gesülze von „gut gemeint“, wenn man sich über sowas aufregt, ebenso nicht mehr hören wie diese Bemitleidungsorgien selbst! Schade, daß du das offensichtlich nicht begriffen hast.
Hallo Johann, was du schreibst ist zu einem gewissen Teil bestimmt richtig, aber die Kunst ist es, nach dem Hilfsangebot auch ein NEIN zu akzeptieren. Wenn man das nicht tut, auch bei Frauen die NICHT mit wem anbandeln wollen z.b., ist das die Überschreitung einer Grenze, und das ist dann weder gut, noch gut gemeint.
@johann Wenn man Situationen wie die geschilderte aber – zumindest gefühlt – ständig erlebt dann fällt es einfach irgendwann schwer zu denken „ja, der hat es gut nur gut gemeint“
Ich habe eine ganze Weile meinen Rollstuhl selbst in den Bus und wieder hinaus geschoben weil es einfach schneller ging als die elektr. Rampe (die ständig nicht funktioniert). Wenn mich dann Leute fragten ob sie mir helfen sollen fand ich das nett und habe (da ich wusste das ich es selbst kann) freundlich gesagt „nein, danke das geht“ in der Mehrzahl der Fälle erfolgte entweder die Rückfrage „wirklich?“ oder „sind sie sicher“ und ich musste also nochmal reagieren obwohl ich eigentlich nur eben schnell rein bzw raus wollte.
Wenn ich sage das ich etwas selbst kann dann meine ich das auch so.
Schlimmer waren allerdings die Menschen die trotz meines „nein danke“ an meinen Rollstuhl griffen um mir zu helfen – problematisch daran ist das die meisten davon keine Ahnung haben und dann den Rollstuhl nur an einer Seite anfassen (und damit ein Hinterrad vom Boden lösen) oder ihn eher ziehen, das bedeutet für mich dass das System instabil wird denn ich stehe eigentlich stabil mit meinem Rollstuhl … aber halt auch nur so lange wie man mir die beiden Hinterräder auf dem Boden lässt und mich die Geschwindigkeit bestimmen lässt in der ich aus dem Bus laufen kann.
die Leute wollten mir sicher nur helfen, sie haben mir die Dinge im Endeffekt aber deutlich erschwert und manche mich sogar fast zu Fall gebracht. Und dennoch erwarteten sie einen Dank.
Ich ging dann dazu über zu sagen „nein danke, das geht so – aber wenn ich Hilfe brauche sage ich Bescheid“ in der Hoffnung das Gewissen der Leute kommt damit besser klar – kam es nicht … mittlerweile spare ich mir den Stress und nutze die Rampe, das dauert länger aber ich muss mich wenigstens nicht für nichtgewollte und u.U. gefährliche Hilfe bedanken.
Sehe ich auch so wie Johann. Die Frau hat sich mit solchen Überlegungen wahrscheinlich nie auseinandersetzen müssen und es einfach ehrlich gut gemeint. Viel schlimmer wäre es ja, wenn nie jemand bei vermeintlichen Problemen helfen würde. Da ist eine übereifrige Frau vielleicht das geringere Problem. Ich verstehe allerdings, das einen das nerven kann. Aber wie soll man es denn richtig machen? Ich hatte und habe in der Nachbarschaft Fälle von stark Sehbeninderten – selbstverständlich helfe ich den Betreffenden, wenn es angemessen ist. Natürlich drängle ich mich auch nicht auf weil ich mir vorstellen kann, dass ständige aufdringliche Hilfe auch nervend sein kann. Aber soll ich etwa wegsehen, wenn eine Rentnerin ihren Schlüssel nicht erkennen kann und ich dagegen genau sehe, wo er liegt? Ich habe beruflich gelegentlich mit einem Einarmigen zu tun. Logischerweise kann er mit nur einem Arm nicht so viele Dinge heben und transportieren, wie andere. Soll ich ihm in solchen Fällen helfen oder nicht? Zu aufdringliche Hilfe könnte für ihn deprimierend sein, weil vermittelt wird, dass er ohne solche nicht klar kommt. Keine Hilfe kann genau dasselbe bewirken: Er hat es schon schwerer aber niemanden scheint das zu interessieren. Wir pflegen ein völlig normales Verhältnis zu ihm. Wir wissen, dass er erstaunlich viele Sachen allein schafft, aber selbstverständlich helfen wir ihm, wie wir uns ja auch gegenseitig helfen.
Ich finde es immer noch besser, dass sich Menschen gegenseitig helfen (auch wenn es dann einmal übertrieben erscheint), als wenn wir uns gegenseitig – völlig egoistisch – gar nicht beachten würden.
Verstehen kann ich Deine Reaktion trotzdem.
Hallo!
Sehr schöner Post!
Ich war sechs Wochen lang in England (im Rahmen meines Studiums), um bei Vitalise als freiwillige Helferin zu arbeiten. Vitalise ist eine Organisation, die Ferien für körperlich behinderte Menschen und auch deren Familienangehörige oder Betreuer anbietet.
Ich kann das Zitat aus England nur bestätigen und habe auch erlebt, was Sie beschreiben: Andauerndes Beklagen ist meistens einfach nur umwerfend nervig – und vor allem: Es hilft niemandem. Übrig bleiben nur Frust und – wie Sie es beschreiben – das Gefühl, schwächer gemacht zu werden als man ist.
Ich ahbe sehr viele Leute mit spastischen Lähmungen kennengelernt, die um alles, was sie selbst machen können, froh sind.
Der Grad zwischen Hilfsbereitschaft und Bevormundung ist tatsächlich manchmal sehr schmal.
Ich finde es gut, dass Sie das so offen ansprechen, denn wir müssen endlich mal von diesem „die armen Menschen!“ weg und einfach unkompliziert und ohne viel Tamtam helfen, wo es notwendig ist und die Leute ansonsten einfach mal ihr Leben leben lassen.
Vielen Dank für diesen offenen, ehrlichen Beitrag!
Mit freundlichen Grüßen,
Julia M.
Oh, du bist Blind? Wie schrecklich… So ein junger Mann.
*scnr*
@ Frank @ Johann: Ich seh das Problem nicht. Steht doch klar da, dass es ok und freundlich ist, ist zu fragen. Das Problem fängt an, wenn ein Nein nicht akzeptiert wird. (Das gilt übrigens auch für die Mutter mit Kinderwagen.)
Ich bin zwar nicht behindert, aber ich habe mit einem schlichten Gipsbein und zwei Krücken schon ähnliche Situationen erlebt – bis hin zu dem agilen Opa, der mich über eine Straße zerren wollte, die ich gar nicht überqueren wollte. „Nein Danke“ war in seinem Wortschatz nicht enthalten.
Bei allem Verständnis dafür, dass man einfach nicht immer Lust auf dieses „gut gemeint“ haben kann und will, weil es Energie kostet und Empathie keine Verpflichtung sein soll, möchte ich hier dennoch eine ganz provokative Aussage machen:
VIELLEICHT hätte die alte Dame ja Hilfe gebraucht. Nehmen wir doch für eine Sekunde folgendes an, nur so als Gedankenspiel: Dass ein so junger Mensch kein Augenlicht hat, damit war sie überfordert, sie war traurig und hilflos. Ihr Bedürfnis nach Verbindung oder nach Empathie hat sie durch die angebotene Hilfe erfüllt, und mit dem Nachhaken, und mit dem „Aufschrei“. Vielleicht hätte sie hören wollen, wie dieses Leben aussieht, wie man es meistern kann, dass das Leben schön ist, auch für einen Blinden. Oder sie macht sich gar Sorgen über ihr eigenes Augenlicht, befürchtet es zu verlieren, hat Angst und braucht Sicherheit (z.B. die Sicherheit, dass es wieder weg geht). Auch dann hätte sie vielleicht eine Aufklärung darüber, dass man auch als Blinder das Leben meistern kann, geholfen.
Wenn man dieses Gedankenspiel einmal zulässt, könnte man darauf kommen, dass die Frau zwar Hilfe angeboten hat, eigentlich aber selber Hilfe gebraucht hätte, die ihr niemand angeboten hat.
Es ist niemandes Aufgabe oder Verpflichtung, herauszufinden, ob und wie andere Menschen Hilfe benötigen, und gleichzeitig man muss sich selber auch nicht das Leben erschweren, indem man anderen mangelnden Respekt unterstellt.
Ich finde die Schilderung der Situation sehr eindrücklich und gelungen. Die Herablassung, die in einer solchen Hilfsbereitschaft liegt, hat für mich etwas sehr aggressives.
Ich gehe mal einfach davon aus, dass die ältere Dame wirklich helfen wollte. Das Problem ist, dass es für einen Nichtbehinderten in dem Augenblick, wo er sich über eine Behinderung Gedanken macht, erstmal unvorstellbar ist, mit einer Behinderung zu leben. Alles ist anders, nichts funktioniert mehr wie vorher. Auch wenn man irgendwann darauf kommt oder es gesagt bekommt, dass sich ein Blinder etwa über Geräusche und Luftzüge orientiert, oder man den Umgang mit dem Rollstuhl einfach mit der Zeit lernt, ist es immer noch schwierig nachzuvollziehen.
Für die ältere Dame war es nicht vorstellbar, wie jemand, der nicht sehen kann, die Zugtüre finden könnte, einen freien Sitzplatz, Informationen zum Umsteigezug. Wie soll ein Blinder so etwas wahrnehmen, wenn er doch nicht sehen kann? Schließlich sind das Dinge, die ein Nichtbehinderter bewusst allein mit Sehen herausfindet.
Ich würde daher empfehlen, auszuprobieren, nicht einfach nur „nein danke, ich komme schon klar“ zu sagen, sondern vielleicht eine kurze Erklärung anzuhängen: „Nein danke, ich komme schon klar. Ich orientiere mich u.a. an Geräuschen. Das mache ich mein halbes/ganzes Leben schon so, das funktioniert gut. Falls ich doch noch Hilfe brauchen sollte, spreche ich jemanden an. Danke nochmal.“
Liebe deinen nächsten wie dich selbst!!!
Ich halte das meist so: Wenn ich jemanden sehe, der offensichtlich mit einer Situation nicht zurecht kommt, biete ich meine Hilfe an. Aber ich käme nie auf die Idee z. B. einem Blinden in einer beliebigen Situation meine Hilfe anzubieten – die meisten blinden Menschen die ich kennengelernt habe, kommen sehr gut alleine zurecht.
Allerdings erwarte ich nicht automatisch, dass behinderte Menschen von sich aus in einer Problemsituation um Hilfe fragen. Schließlich gibt es auch hier Leute die schüchtern sind und sich nicht so einfach trauen, fremde Leute anzusprechen.
Schlussendlich ist es immer ein wenig eine Gratwanderung. Diese besteht aber nicht darin, dass ich einen behinderten Menschen anspreche und Hilfe anbiete, sondern dass ich einen fremden (!) Menschen anspreche. Ich kenne die Person nicht und kann daher durchaus mal in meiner Einschätzung daneben liegen, dass die Person Hilfe brauchen könnte.
Nein, Frank, in solchen Fällen wäre es nicht schlimmer, wenn niemand helfen würde. Heiko hat den Nervfaktor solch unerwünschter Hilfe beschrieben. lachgas hat aber noch einen viel wichtigeren Aspekt ins Spiel gebracht: Diese „gut gemeinte ‘Hilfe’“ kann gefährlich sein. Ich habe ähnliche Situationen wie lachgas erlebt, in denen ich teilweise Angst um mein Leben hatte, weil Leute einfach anpackten und mich fast aus ordentlicher Höhe aus dem Rollstuhl kippten. Da kann ich beim besten Willen drauf verzichten und möchte dann, daß jemand lieber gar nicht hilft!
Vermutlich ziehst du jetzt den völlig falschen Schluß „Dann darf man sich eben nicht wundern, wenn Leute gar nicht mehr helfen“. Ich reagiere auf sowas mit einem relativ drastischen Vergleich, den auch Janine schon gebracht hat: Bei mir erlaubt man sich, mich einfach anzufassen, mich mit Rollstuhl irgendwo hinzuzerren, wo ich auch allein hingekommen wäre oder auch gar nicht hinwollte (auch das ist schon vorgekommen!) und das als „Hilfe“ zu deklarieren. Würde eine nichtbehinderte Frau gegen ihren Willen auf offener Straße irgendwo hingezerrt, würde das jeder als potentiellen Beginn einer Sexualstraftat ansehen. Das, was man da mit uns treibt, ist eben deswegen kein „gegenseitig helfen“, wenn man keine Hilfe braucht und keine Hilfe möchte und das vorher klar zum Ausdruck gebracht hat. Das grenzt teilweise schon eher an versuchte Nötigung. Es „erscheint“ auch nicht übertrieben, es ist übertrieben, ignorant, überheblich und last but not least nicht selten gefährlich.
Ich kann Ihnen nur beipflichten. Es ist auch ein typisch deutsches Phänomen, so zu handeln. Mit Menschen aus anderen Ländern erlebe ich so etwas nicht. Ich interpretiere das als historisch bedingte und gesellschaftlich erlernte Unsicherheit im Umgang mit Minderheiten. Dabei wäre es so einfach, wenn man einfach drei Punkte beachtet:
1. Fragen, ob man helfen kann, ist völlig ok. Leider gibt es auch Menschen mit Behinderungen die auch darauf schon pampig reagieren. Dafür hab ich genauso wenig Verständnis wie für den hier geschilderten Fall. Ich denke, das muß auch mal angesprochen werden.
2. Ein „Nein“ ist zu akzeptieren.
3. Wenn die Hilfe angenommen wird, sollte man erst mal rückfragen, wie man helfen kann und was man tun soll, wenn der Betreffende das nicht schon geäußert hat. Wie schon mehrfach angesprochen kann, falsche Hilfe gefährlich sein – übrigens auch für den Helfenden selbst. Deswegen ist das unbedingt notwendig.
Wenn man diese drei einfachen Regeln beachtet, ist das wirkliche Hilfe.
Dafür ist keine Zeit, wenn die Bahn jede Minute abfährt. Und ich sehe es auch nicht ein, jedes Mal solche Rechtfertigungsorgien ablassen zu müssen, wenn ich sagen will, daß ich keine Hilfe brauche. Wenn jemand ein „Nein danke, das geht schon“ nicht akzeptieren kann, ist das NICHT mein Problem. Der andere hat das zu akzeptieren. Punkt. Man darf mich ruhig in einer ruhigeren Minute ansprechen und mir konstruktiv Fragen stellen. Aber ich muß mich doch in Gottes Namen nicht dafür rechtfertigen, daß ich was allein kann!
Es ist schon richtig das zu sagen, aber es wahrscheinlich hören nicht die Menschen zu, an die sich der Appell richtet
Lieber Heiko,
gräm dich nicht. Ich vermute, dass es sich um eine Dame des älteren Semesters gehandelt hat und die sind ja meist etwas „seltsam“ und hat bei ihr bestimmt den berühmt berüchtigten „Gluckeninstinkt“ ausgelöst?
Ein nein ist ein nein, dass ist klar und sollte aktzeptiert werden.
Aber auch wenn man um Hilfe bittet, ist das eine klare Aufforderung, oder? Denn mir ist mit meinem autistischen Kind, nur weil er völlig „normal“ aussieht und wirkt schon öfters Hilfe verwehrt worden.
Die Medaille hat immer zwei Seiten.
LG
Sorry, aber das liest sich so, als ob der Blinde Mann einfach nur jammern will. Auch nichtbehinderte Menschen haben unter diesem ekelhaften Helfersyndrom zu leiden. Ignorieren und Basta…
Naja vielleicht hätte der Alten Dame die Erklärung auch gut getan, sie wird sie hier wahrscheinlich nicht lesen.
Danke von mir, sehr aufschlussreich. Ich biete selten Hilfe an, es sei denn Leute sehen total überfordert aus. Jeden kann fragen wenn er Hilfe will und ich bin sofort da.
Naja leid tun können einem ja Behinderte schon, wäre das Mitleid nicht da, dann gäbe es sicher keine Rampen an Gebäuden, Blindenschrift im Aufzug oder so tolle Dinge. Das ist der Anreiz auch vermeintlich schwächere zu unterstützen. Oder sehe nur ich das so?
Guter Blogpost. Treffend gesagt.
Erinnerte mich an ein Erlebnis, dass ich mit einem behinderten Freunde hatte, er ist Spastiker und sitzt im Rollstuhl. Eine ältere Dame sprach mich (!) an, als wir zusammen in einem Geschäft auf den Fahrstuhl warteten. Sagte etwas von der Art, was für ein schreckliches Schicksal das doch für den (!) jungen Mann wäre, und wie lieb es doch von mir als Schwester (!) sei, mich um ihn zu kümmern. Sie würde so gerne helfen – und bot mir plötzlich eine kleine Geldspende an. Kein Frage, ihr war mit Sicherheit nicht bewußt, wie herabwürdigend das war, und sie hat sich mit Sicherheit für sehr hilfsbereit und offen gehalten. Mein Freund hat es mit Humor genommen. Ich hätte ihr fast gesagt, sie könne sich ihr armseliges Mitleid gerne sonst wohin stecken, aber stattdessen habe ich ihr höflich erklärt, dass wir die Spende nicht nötig haben, und dass mein Freund und ich uns freuen würden, wenn sie das Geld z.B. an UNICEF spenden würde. Mein Freund sagte ihr dann noch, sie könne auch fürs Tierheim spenden. Krönung war, dass diese „liebenswerte“ ältere Dame darauf auch noch beleidigt reagierte.
Es geht nicht darum, ob jemand Hilfe anbietet, weil gesehen oder vermutet wird, dass jemand in einer konkreten Situation Hilfe braucht. Hier wird aus einem diffusen Gefühl des Mitleids gehandelt, einem Mitleid, das davon ausgeht, dass derjenige an sich am Leben leiden muss, weil er/sie behindert ist. Und ich denke, dass war in dem von dir, Heiko, hier beschriebenen Fall nicht anders. Im schlimmsten Fall wird dann sogar nicht mal mehr der Mensch selbst angesprochen, sondern die begleitende Person (sofern vorhanden).
Mich würde es auch ankotzen, nicht mehr als gleichberechtigter Mensch wahrgenommen zu werden, sondern nur als ein hilfsbedürftiges Wesen.
Gut gemeint ist eigentlich immer bevormundend, und eben oft genug nicht hilfreich, sondern manchmal sogar das genaue Gegenteil davon.
Ich würde es eher Mitgefühl oder Empathie nennen….
Das wäre dann, finde ich, eher auf Augenhöhe, während Mitleid mehr „von oben nach unten“ geht. Auf jemanden herabschaut.
Wobei ich nicht abstreiten will, daß die Anfänge, Behinderten zu helfen, durchaus auf solchen Formen von Mitleid basierten.
Naja, und was heißt die Erklärung hätte ihr gut getan. Vielleicht wäre sie ja auch da resistent gegen gewesen. Sie hat ja doch ein paarmal das Nein bekommen und war offensichtlich so in ihrem Denken gefangen „ICH fände es total schlimm, blind zu sein – also ist es das für alle anderen auch“, daß sie die andere Denkweise gar nicht so annehmen konnte. (Und wenn man in einen Bus steigt, hat man keine Zeit für lange Erläuterungen…)
Ziemlich daneben finde ich (auch aus der Perspektive der Nichtbetroffenen), dem anderen zu sagen – und dann auch noch mehrfach: Wie schrecklich, so ein junger Mann und dann blind. Das wäre ja selbst dann kontraproduktiv, wenn der junge Mann das selbst für schrecklich halten würde.
Hab mal ein Interview mit Verena Bentele gelesen, in dem sie auch diesen Punkt angesprochen hat…daß Sehende oft gar nicht daran denken, daß sie es gar nicht anders kennt und daß das für sie gar keinen Schrecken an sich hat, blind zu sein.
„wäre das Mitleid nicht da, dann gäbe es sicher keine Rampen an Gebäuden, Blindenschrift im Aufzug oder so tolle Dinge. Das ist der Anreiz auch vermeintlich schwächere zu unterstützen. Oder sehe nur ich das so?“
Leider sehen das viel zu viele so! Das ist eine zutiefst diskriminierende Einstellung, denn damit reduzierst du behinderte Menschen auf ihre Behinderung und darauf, bemitleidet werden zu müssen und hilfsbedürftig zu sein, und negierst ihr Mensch-Sein und ihre daraus erwachsenden natürlichen Rechte. Denn es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Verwirklichung von selbstverständlichen Menschenrechten, die du für dich selbstverständlich in Anspruch nimmst, während du die Selbstverständlichkeit dieser Menschenrechte im Falle von behinderten Menschen verneinst, indem du Mitleid als Motiv nennst! Aber wir sind nicht mehr im 19. Jahrhundert, wo das usus war. Wir sind im 21. Jahrhundert, und es gibt die von Deutschland als verbindlich anerkannte UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Begreift das also endlich mal, daß Teilhabe MENSCHENRECHT ist und NICHT Almosen aus Mitleid!
Diesen Text konnte ich (mit Brille) erst lesen, nachdem ich ihn zweimal vergrößert hatte. Wundert mich ein wenig, da Augen-schmerzende Typo ansonsten eher auf Seiten zu finden ist, deren Autor sich nie Gedanken drüber macht, dass es auch Leute gibt, die nicht soooo gut sehen (bzw. auch größere Bildschirmauflösungen haben, auf denen der Text dann sehr sehr klein wird!).
Zur Sache: die alten Leutchen haben halt oft noch ein anderes Verständnis von Hilfsbereichtschaft – ich verstehe, dass es dich nervt, würde aber nicht von einer Böswilligkeit der alten Dame ausgehen. Sie denkt bestimmt gar nicht drüber nach, sondern macht halt, wonach sie sich grade fühlt.
Ich glaube du hast die Gefühle der Dame nicht verstanden. Sie hatte kein Mitleid, sie hatte Angst Dass ihr das passiert, dass ihrem Sohn oder Enkel das passiert. Sie hat nicht mit-gelitten (bewusst) sondern spiegelneuronal gelitten. Und irgend was in ihr war so gestrickt, dass sie deine Signale für Höflichkeit hielt, eventuell sogar für Resignation und nicht für autonome Äußerungen. Die Dame war emotional und kommunikativ herausgefordert und einen Hauch autistisch. Nicht du brauchtest Hilfe, sie brauchte die; das hat sie dir ja oft genug signalisiert.
Ich finde du hättest diese behinderte alte Frau netter behandlen können
(get the idea?)
Ich glaube es das ist ein bisschen übertrieben Alex, aber wenn Du Dir das Recht Mensch zu sei so einfach nehmen lässt sind wir wohl nach wie vor im 19 Jahrhundert. Ich würde mir diese Recht jedenfalls nicht so einfach nehmen lassen.
Stelle also nochmal leicht verändert fest das Mitgefühl wichtig ist, ohne dieses keine Anpassung zu gunsten behinderter Menschen. Denke das in der UN Carta, die sicher kaum einer kennt, auch nichts von Rampen und Blindenschrift im Aufzug steht.
Ich behandle alle Menschen gleich, behindert oder nicht ich denke und fühle mit allen.
Ich verstehe es sehr gut – das eine Anliegen wie das andere. Das eine allerdings mehr… Mich machen besorgte Fragen und mitleidige Kommentare sowie Geschichten aus dem Leben (der Freund der Schwägerin, dessen Lebensgefährtin eine Kollegin hat…) mittlerweile nicht einmal mehr wütend. Es nervt und langweilt mich nur noch. Und weil es nervt, habe ich mich nicht nur fast völlig zurückgezogen und mir diese Unnahbarkeit angewöhnt, die abstoßend wirkt (wirken soll!), sondern bin auch noch sehr froh, dass man mir im Moment nichts ansieht…
Nachtrag: Es ist aus Sicht des Betroffenen kein Mitgefühl oder Empathie. Es ist schlicht eine Verletzung der Privatsphäre.
Ich weiß nach einigen Wochen mit Krücken jetzt auch, wie man bevormundet wird, sobald man irgendwie, ich sage mal, zum Invaliden wird.
Wenn ich sage, ich brauche etwas Bewegung, wenigstens zur Übung, dann muss man mich trotzdem so weit wie möglich herumfahren, meine Umhängetasche sollte ich nach Möglichkeit auch nicht selbst tragen.
Wenn einem dann etwas herunterfällt, und man sich schon halb (umständlich, sieht dumm aus und geht nicht schnell) gebückt hat, und es einem Leute dann freundlich entgegenhalten, bekommt man fast eine Art Wut. Wozu bücke ich mich? Darf ich nur wegen Krücken nichts mehr selbst tun?
Bei mir war es vorübergehend, aber wenn ich dauerhaft eingeschränkt wäre (wobei eingeschränkt, das will ich fast nicht mehr behaupten, das klingt wieder so überheblich), ich würde wohl irgendwann richtig wütend werden.
Also: Bitte nicht zu gut meinen. Selbst bei sehr kleinen Einschränkungen ist es einfach beleidigend, wenn man als voll entscheidungsfähiger Mensch so übergangen wird.
Ich sehe es wie Du. Das Angebot der Hilfe ist OK. Wird es dann abgelehnt, ist es genauso OK. Und damit hat es sich dann.
Was ich als Nichtbehinderter nicht mag ist, dass man nach einem Hilfsangebot von Behinderten pauschal als Aufdrängler abgetan wird.
Vor Kurzem stand ich an der S-Bahn, nehen mir eine Dame im Rollstuhl mit einem ziemlich sonderbaren Mikrohund auf dem Schoss. So ein Vieh irgendwo zwischen überdimensionaler Ratte und Nacktmull.
Als die S-Bahn einfuhr, war eines eine dieser schmalen Garnituren mit einem großen Abstand zwischen Perron und Wagen. Ich habe der Frau daraufhin angeboten, ihr – wenn sie es wünscht – zu helfen, die Distanz zu überbrücken. Ich dachte mir, das könnte – vor allem mit dem Hund auf dem Schoss – etwas schwierig werden.
Wie dem auch sei. Ich habe die Dame (oder ihren Hund), während ich das gesagt habe, wohl zu lange angesehen. Jedenfalls bekam ich in ziemlich harschem Ton zurück, „Gaff nich so. Wohl noch nie ‘n Rollstuhl gesehn. Verpiss Dich!“
Das habe ich dann auch getan. Und mich mindestens so geärgert, wie die Rollstuhlfahrerin zuvor.
Und natürlich frage ich mich seither bei jedem in seiner Mobilität oder Weltwahrnehmung eingeschränkten Menschen, ob ich nochmal Hilfe anbiete. Oder, ob ich das Risiko wieder derart angemacht zu werden, nicht einfach durch Nichtstun minimiere.
Bisher habe ich mich für’s Angebot entschieden. Und manchmal wurde es dankbar angenommen, manchmal ebenso abgelehnt.
„Denke das in der UN Carta, die sicher kaum einer kennt, auch nichts von Rampen und Blindenschrift im Aufzug steht.“
Wie wär’s mal mit lesen, Rene, anstatt wähnen? Braille ist dort explizit erwähnt, andere Maßnahmen sind in bestimmten Punkten zusammengefaßt.
Und du hast es immer noch nicht begriffen. Anstatt einfach anzuerkennen, daß es sich hierbei um Menschenrechte handelt, die jedem Menschen zustehen und die unabhängig von Mitleid, Mitgefühl und anderen Gefühlsduseleien zu gewähren sind, schmeißt du lieber weiter mit dem Almosen Mitgefühl um dich.
Hallo oliverG,
ich befürchte Du hast recht. Die Sache mit den Spiegelneuronen festigt sich ja immer mehr in der Neurowissenschaft.Ich glaube auch, dass sie selbst nur Angst vor so einm Schicksal/Krankheit hat. Der Umgang mit behinderten ( auch das Wort soll wohl nicht sehr beliebt bei Behinderten sein )kann nur, so vermute ich zumimendest nur durch direkten und häufigen Umgang mit ihnen erlernt werden. Leute die in integrative Schulen gegangen sind oder ihren Zivildienst mit Behinderten gemacht haben oder eben im Freundes- oder Famileinkreis damit zu tun haben, wissen das Behinderte genauso normal sind und genauso nerven können wie ale anderen.Meine Schwiegermutter ist seit einem Jahr blind und nervt und stresst alle nur und erwartet dauernd Hilfe und Mitleid – sowas gibts eben auch. Allerdings habe ich letzte Woche einen Blinden, der beinahe aufs U-Bahngleis gelaufen wäre ganz sanft und wortlos umgelenkt und in den U-Bahn Waggon „geschoben“- „Danke“ sagte er und die Tür war zu…
Ach, nicht persönlich nehmen. Wenn nicht Dich hätte sie vermutlich einen x-beliebigen anderen Menschen genervt.
Ich finde Deinen Text fürchterlich. Du machst dich selbst zu etwas besonderem, was du so wie ich das verstanden habe, ja nicht sein möchtest. Glaubst du ernsthaft nur behinderte Menschen haben derlei Probleme? Es gibt einfach Leute die sich gerne einmischen. Ob sie mir jetzt erzählen was das Beste für mein Kind sei oder dir ständig ihre Hilfe anbieten. Das hat nichts mit dir oder mit mir zu tun sondern mit den penetranten Hilfeanbietern. Damit musst du halt einfach mal klar kommen, oder ihnen die passende Antwort geben.
Wenn dich deine Behinderung nicht frustriert und du über den Dingen stehst, was ja durchaus eine positive Sache ist, dann solltest du auch gerade über solchen Begegnungen stehen. Nicht Behinderte Menschen haben auch laufend Gespräche an der Backe die sie eigentlich nicht führen wollen und genau so geht es dir. Und wenn deine Mitmenschen zu weit gehen dann musst du ihnen das ganz deutlich sagen, denn wer derlei Posts schreibt, sollte genug Selbstbewusstsein haben um auch solche Situationen im Alltag souverän zu handhaben.
… ganz ehrlich: manchmal sind alte Menschen sehr einsam und suchen einen Aufhänger um ins Gespräch zu kommen weil das das einzige Gespräch und Miteinander für diesen Tag sein wird. Mir ist sowas auch schon passiert und ich bin nicht behindert. Vollbepackt bin ich mit meinem Einkaufswagen an dem das Rad abgefallen war nach Hause gelaufen und habe mir ein Netz Orangen unters Kinn geklemmt als mir eine alte Dame begegnete, die sich es sich partou nicht nehmen lasse wollte mir dieses Netz mit den Orangen zu tragen obwohl ich sagte das es schon gehen würde. Vielleicht kannst Du es mal so sehen, daß sie einfach nur ein wenig Kontakt haben wollte und Dir zu helfen war der Einstieg für ein Gespräch. Das Du abblocken würdest damit hat sie einfach nicht gerechnet. Ich denke nicht das sie Dir zu nahe treten wollte.
Heiko, das ist ja faszinierend.
Gestern als Dein Artikel als Email bei mir ankam, war ich extrem angestoßen, aber zu müde, um zu schreiben. Und jetzt hast Du vierunddreißig Kommentare!
Es scheint, als sei Zorn durchaus die angemessene Form der Kommunikation. Bitte mehr davon!
Ich finde das Thema immens wichtig, denn diese Konfrontation mit der personifizierten Ignoranz ist ja keine Ausnahmeerscheinung. Ja, ich sage Ignoranz. Wenn ein gesunder junger Mann zielstrebig seinen täglichen Weg zur Arbeit geht, ist es schon ziemlich ignorant, zu beschließen, er bräuchte Hilfe. Die Tatsache, dass ein weißer Langstock darauf hinweist, dass er läuft, ohne zu sehen, macht da keinen Unterschied.
Diese Dame unterstellt eine absolut imaginierte Hilflosigkeit. Objektiv betrachtet, gab es keine Anzeichen dafür. Der junge Mann ist nicht gestolpert, nicht gegen die Mauer gelaufen und geweint hat er auch nicht.
Ich bin mir relativ sicher, dass dieselbe Dame, wenn sie zwei Leute verzweifelt über einen Stadtplan gebeugt diskutieren sieht, sie nicht fragt, ob sie wohl helfen kann.
Oder wird sie ihnen etwas den Plan aus der Hand reißen, die Leute packen und rufen: „Da drüben müssen sie hin! Keine Widerrede, sie müssen ein Stadtrundfahrt machen! Los kommen Sie!““ Bei den Touristen empfände sie es wohl als zu aufdringlich ihnen Hilfe anzubieten, sie haben ja schon den Stadtplan.
Nein, die Opfer für diese unwillkommene dominante Hilfe werden gezielt ausgewählt.
Systeme können hilfreich sein kann, wenn man nicht sieht, so dass man die Tassen ohne langes Suchen wiederfindt. Viele Leute leben aber in einer kleinen absolut feststrukturierten Welt. Dieses Universum ist zementiert.
Alles muss für immer seinen Platz und seine festgelegte Wertigkeit haben. Nur das gibt ihnen Sicherheit. Da ist dann genau geregelt, was normal ist und was nicht normal sein darf. Wenn etwas von dieser Norm abweicht macht es Angst.
Und ein junger selbstbewußter gutaussehender Mann darf nicht blind sein. Denn dann könnte es ja jeden treffen. Dass man blind sein kann und das Leben voll im Griff haben, erscheint solchen Leuten als vollkommen unmöglich. Wenn etwas nicht ins Bild passt, wird die Realität ignoriert.
Wohlgemerkt es geht nicht um Hilfsbereitschaft. Wenn jemand sieht, dass ich tatsächlich gerade ein Problem habe und mir helfen will, finde ich das ganz in Ordnung. Aber vorher zu fragen, ist wohl das Mindeste.
Als ich mich mal mit meinem Rollator mühsam eine Rampe hochkämpfte, eilte ein knackiger junger Mann herbei, griff nach dem Rollator, rief: „Ich helfe Ihnen mal!“ und zerrte ihn mir weg. Ich krachte natürlich lang hin. Er hatte gemeint, wenn er mir das unhandliche Ding abnimmt, komme ich leichter den Weg hoch. Dass ich ohne das Teil vielleicht nicht stehen kann, daran hatte er offenbar nicht gedacht.
Nie im Leben würde ich etwas gegen Spontanität sagen. Da kann schon mal etwas daneben gehen. Ich erwarte auch nicht, dass sich jeder in das Leben anderer wirklich hineinversetzen kann. Natürlich machen wir alle wegen unserer mangelndern Sensibilität blöde Fehler.
Aber unangebrachtes Mitleid ist respektlos und absolut unverzeihlich. Gut gemeint ist eben Glückssache. Solidarität ist etwas vollkommen anders.
Eine Bahnstation mit tastbaren Markierungen und Fahrstuhl auszustatten spricht für gesunden Menschenverstand und sollte selbstverständlich sein.
es muss eigentlich ziemlich cool sein, in der grossstadt blind rumlaufen zu koennen ohne in oeffentlichen verkehrsmitteln die massen zu sehen, die verzweifelt resigniert jeglichen augenkontakt, jegliche interaktion mit anderen meiden und aus dem fenster auf die duestere aussenwelt, auf immer gleiche werbung, auf schwarzfahrer-sind-asoziale-propaganda starren, um ja kein merkmal zu bieten, das fuer irgendwen irgendetwas signalisieren koennte, auf das man dann reagieren muesste. kein gespraech, keine scherz, keine streiterei.
augen zu und durch!
sehr cool wie blinde mit den mundwinkeln zucken, kleine grimassen schneiden, evtl. mit den augen rollen. all das sieht man bei den leuten in der u-bahn nie.
im uebrigen glaube ich nicht, dass heiko einen besonders guten job macht.
Wie alt die „ältere“ Dame nun wirklich war, geht nicht aus dem Post hervor. Nehme ich nun mal an, sie war 65/70+ so verstehe ich ihre „nervenden“ Nachfragen aus einem Gefühl der Betroffenheit heraus, dass ein ‘junger Mann blind durch’s Leben gehen muss’. Warum gesteht man dieser ältere Dame denn nicht ihr persönliches Recht auf Anteilnahme, Mitleid, zu? Ich akzeptiere, dass es nervt wenn man mehrmals gefragt wird „willst du nicht doch…“ – meine Oma fragte immer 3 bis zigmal ob ich nicht doch noch ein Stückchen Kuchen… obwohl ich dankend ablehnte. Aber das ist ja eine andere Kategorie. Genervt hat’s trotzdem, immer. Aber immer meinte es Oma gut mit mir.
Mir bleibt jedoch die ernst gemeinte Frage:
Ob und wann und wie und wem soll ich denn Hilfe anbieten ohne dafür als aufdringlich eingestuft zu werden?
Ab wann wird die Frage „Kann ich helfen?“ zur Bemitleidung?
Heiko: mach es uns allen doch leichter und definiere das.
Hallöchen Heiko,
kann dein Problem sehr wohl verstehen, kenne es nur zu gut. Zwar nicht aus meinem eigenen Leben, jedoch von meiner Arbeit. Für mich ist Umgang mit Behinderten nichts ungewöhnliches – nicht mehr. Ich finde um Verständnis und Akzeptanz zu erreichen, ist Aufklärung sehr wichtig. Mir fällt es in meinem Umfeld auch sehr stark auf, dass einige die Sichtweise gegenüber Behinderten verändert haben – durch Aufklärung. Also: weiter machen!
Spätestens als ich den Dialog im Dunkeln besuchte und eine blinde Bekannte mir erzählte, dass wir Sehenden ja wirklich furchtbare Blinde abgeben, wie wir da zielos mit unseren Blindenstöcken in der Gegend und den Hacken der anderen rumstocherten, war mir klar, dass dieses trennen zwischen sehend und blind, behindert und nicht behindert einfach eines außen vorlässt: nämlich den Menschen an sich – und als ich sie dann noch zum WC begleitete und ihr erklärte, wo der Lichtschalter sei, mussten wir lachen.
yay, super artikel. ich finde es häufig schwierig, in so einer situation zu entscheiden wie ich mich am besten verhalte (als mensch ohne offensichtliche einschränkungen). ich find’s gut, über sowas einfach zu reden – ohne zehn hintergedanken. wirklich sagen, was los ist. sollten wir alle machen, dann wäre einiges einfacher.
(jetzt mache ich mir natürlich gedanken, ob du blindsein als einschränkung empfindest – aber so muss wahrscheinlich ein vernünftiges gespräch anfangen: nachdenken über das, was man für normal hält.)
Also ich muss Heiko vollends zustimmen.
Natürlich kennen wir das Gefühl Mitleid und es gibt Behinderte und Nicht-Behinderte (…ich mag diese Bezeichnungen nicht weil es sowas eigentlich nicht gibt…) mit denen man einfach nur Mitleid haben kann.
Einen Betroffenen kann es wahrlich ankotzen Mitleid zu erfahren wo kein Mitleid angebracht ist. So wie ich „Behinderten“ begegne so möchte ich auch das man mir begegnet und ich habe durch meine Erkrankung auch „Behinderungen“ mit der Option das ich sterben werde denn AIDS ist keine heilbare Krankheit.
Mitleid?
Klar ich erlebe eine ganze Palette an Mitleid und ist das erlebte Mitleid etwas Fehl am Platz und kann einen auf die Dauer hinweg erlebt etwas ankotzen. In meinem Fall ist das Mitleid vll. etwas extremer denn da kommt nicht nur die Sache AIDS sondern in meiner Phase eben der Aspekt baldiger Tod. Seit dies der Fall ist, nun ja, man kann sich jetzt sicher einiges denken und ich denke die meisten die mein Werdegang, mein Tagebuch usw. kennen die werden wenn man im Kopf normal geblieben ist Mitleid haben. Ist ganz lieb und nett aber manchmal kotzt es mich auch einfach nur an.
Heiko lebt mit seiner „Behinderung“ aber wenn ich alles so überfliege dann lebt Heiko mit seiner Blindheit und es ist sicher nicht immer einfach und sicher ist es einfach auch alles ok und wie auch immer, Heiko steht im Leben und gut ist. Ist klar das wenn menschen wie Heiko jetzt auf Mitleid stoßen schlicht weg sich angekotzt fühlen denn was ist an Heiko „anders“ und was ist an mir „anders“?
Heiko ist blind und ich werde sterben. Dennoch leben wir und gut ist.
Ich bin überzeugt, es sind Sätze wie dieser „Euer Mitleid kotzt mich an!“ die aufrütteln. Einfach, deutlich und klar. Danke dafür.
Ich hoffe, dass wir irgendwann ähnlich mit Menschen mit Behinderungen umgehen werden, wie du es für andere Länder beschrieben hast. Das unangebrachtes Mitleid wütend macht, kann ich mir vorstellen. Das ist vergleichbar mit ungefragten Ratschlägen. Wie heißt es in dem Fall so schön: in diesem Wort steckt neben dem Rat auch der Schlag. So kann ein Rat sich eben auch wie ein Schlag anfühlen.
Irgendwie ist die Dynamik wohl die Gleiche. Es geht dabei leider nicht um das Gegenüber, sondern darum sich selbst ein gutes Gefühl zu machen.
Und Sie halten es für ausgeschlossen, daß jemand gleichzeitig als gleichberechtiger Mensch und hilfsbedürftig angesehen wird?
Das hat absolut nichts mit einer Rechtfertigung zu tun. Natürlich wäre es optimal, wenn die Leute prompt auf ein«Nein, danke!» reagierten. Jedoch trifft das, was Weirdo sagt, ziemlich gut zu: Die Leute können sich überhaupt nicht vorstellen, dass da ein Blinder weiß, wo die Tür ist. Und so viel länger dauert die Formulierung «Nein, danke, Blinde haben gute Ohren» nun wirklich nicht.
Hallo Alex,
Danke für dien Plädoyer hier in den Kommentaren. Hat mich nochmal daran erinnert, wie die richtige Haltung gegenüber Menschen aussieht. Mich hat deine Haltung beeindruckt – und dass du nicht umknickst, wenns Gegenwind aus der Mitleidsecke gibt.
Und an den Hausherren: Danke fürs Augen öffnen. Ich komm wieder, hier wird mein Horizont weiter.
böse alte oma
Sieht aus als würde der Artikel auf gegenseitigem Unverständnis beruhen.
Freut mich dass Sie mit Ihrer Blindheit so gut klar kommen, das resultiert sicherlich aus langjähriger Erfahrung, der Konzentration auf andere Sinne und den kleinen Tricks die einem das Leben in einer sehenden Welt erleichtern.
Nicht blinde Menschen können sich einfach nicht vorstellen dass man ohne gravierende Schwierigkeiten blind ganz normal leben kann. Das ist (glücklicherweise) mangelnde Erfahrung.
Daher auch das Angebot der Dame zu jeder Gelegenheit zu helfen, vielleicht auch weil Sie sich freuen würde wenn sich andere Menschen mehr um Sie kümmern würden, man projiziert ja gerne die eigenen Wünsche und Gefühle auf andere.
Vielleicht hilft es beim ersten Hilfsangebot einfach freundlich zu antworten:
„Nein danke, ich komme mit meinem Leben genauso gut klar wie Sie auch.“
Das zeigt dann auch klar dass man nicht nur in dieser speziellen Situation (Einsteigen) kein Hilfe will sondern auch sonst nicht wenn man nicht danach fragt.
Ich kann aber auf der anderen Seite sehr gut nachvollziehen dass Sie sich von den andauernden Hilfsangeboten belästigt fühlen.
Eigentlich sollten wir alle dankbar sein dass andere Menschen sich überhaupt noch mit Ihrer Umwelt und anderen Menschen beschäftigen, das ist meiner Erfahrung nach in Großstädten ein sterbendes Phänomen.
Ein Tip für alle die nicht wissen wie man sich in einer solchen Situation verhält:
Einfach (unauffällig!!!, das ist kein Zoo) beobachten ob die andere Person klar kommt, ist erstens sehr interessant zu sehen wie Leute im täglichen Leben mit Ihrer Behinderung umgehen und wie Menschen sich an Gegebenheiten anpassen können dann man kann Hilfe anbieten wenn man sieht dass die Leute wirklich Hilfe benötigen und sonst lässt man es.
Pingback: Blogschau: Umgang mit Behinderten | T-Notizen
Na super. Ein Blinder soll also seine Lebensgeschichte und seinen aktuellen wie möglichst generellen Gemütszustand einer wildfremden Frau darlegen, weil die womöglich irgendwelche Alltagsängste mit sich herumträgt? Wenn eine erwachsene Frau nicht in der Lage ist, zu erfassen, was der Satz „Nein danke, ich komme alleine zurecht“ bedeutet, dann ist das schon ein starkes Stück. Ob derjenige ansonsten mit seinem Leben insgesamt zurecht kommt oder nicht, geht sie nichts an. Soll jetzt der Mensch mit Behinderung auch noch die potenziellen(!) Seelennöte aufdringlicher Dritter erkennen, analysieren und therapieren? Nein, es ist jedem zuzumuten, die Regeln mitmenschlichen Zusammenlebens zu kennen und anzuwenden, und dazu gehört eben auch, sich zurückzuziehen, wenn man ausdrücklich dazu aufgefordert wird. Ganz einfach.
Dass man in einer Gesellschaft, in der Behinderung möglichst in Parallelwelten abgedrängt wird (Sonderschulen, Behindertenwerkstätten etc.), Berührungsängste und Unsicherheiten entwickelt, finde ich dagegen verständlich. Ich habe mal am Schalter einer Bank gearbeitet und sollte einer blinden Kunden den Kontoauszug vorlesen. Ich habe sie förmlich angeschrien, bis mir dämmerte, dass die Frau ja nicht taub ist. Das ist 10 Jahre her und treibt mir immer noch die Röte ins Gesicht, wenn ich daran denke.
Bei all den starken Worten, die hier fallen (Ignoranz, fehlendes Empathievermögen) sollte vielleicht auch die eventuell fehlende Fähigkeit, sich als Behinderter in die/den Helfende/n hineinzuversetzen, nicht gänzlich unbeachtet bleiben.
Haha, diese Ignoranz ist typisch deutsch und ich glaube, ich hätte bei so einer Penetranz ekliger reagiert. Geht mir auch immer so. Zwar bin ich nicht behindert, aber weil ich schwarz bin, verhalten sich die Leute auch immer so, als hätte ich ‘ne tödliche Krankheit, würde kleine Kinder fressen oder könnte kein Deutsch.
Das Problem mit der penetranten Hilfsbereitschaft scheint mir aber ein immanentes Phänomen zu sein. Während wir Kindern beibringen, dass sie ihre Wünsche klar artikulieren sollen, trichtern wir ihnen gleichzeitig ein, dass man im ÖPNV seinen Sitzplatz freizumachen hat, wenn Ältere das Fahrzeug betreten. Verlernen Menschen im Alter etwa das Fragen?
Ebenso Frauen. Meine Kommilitonin regt sich immer auf, dass ihr «hier im Osten» nicht sofort ein Mann beispringt und den schweren Koffer abnimmt, im «Westen» die Männer aber immer quasi Schlange stehen und ohne zu Fragen (!) nicht nur den Koffer aus der Ablage nehmen, sondern ihn gleich noch den gesamten Bahnsteig zum Ausgang hochtragen. Für mein Argument, dass sich Ost und West u.a. darin unterscheiden, dass bei uns Frauen viel weniger das Rollenbild des hilfsbedürftigen Heimchen zugeschrieben wird, war sie eher weniger zugänglich. Für sie gilt: Hauptsache, ich muss den schweren Koffer nicht tragen. Selbstständigkeit und Gleichberechtigung sieht anders aus. Für mich gilt: Wer was will, kann fragen (sofern jemand nicht eindeutig überfordert ist).
Die Notwendigkeit, Rampen an Gemäuden oder Blindenschrift im Aufzug zu installieren kann man auch vollkommen ohne Mitleid erkennen. Was soll der Schmarrn?
herablassend finde ich die dame nicht. auch wenn sie sich eher trampelig verhalten hat, da ist wohl eher was bei dir, dass du dich unterlegen und hilflos fühlst, was dann da aufgerührt wird und du nicht gut aushalten kannst.
Und genau das ist das Problem!
Ja und nein. Du hast, meiner Meinung nach, natürlich recht damit, daß die Dame aus dem Beispiel dich nicht wirklich erstnahm und daß das wirklich negativ ist. Andererseits weiß sie ja auch gar nicht, daß du alleine auch gut zurecht kommst. Das ist dieses Ja und Nein. Sie kommt auf dich zu, allerdings ohne ihre Welt verlassen zu können oder wollen und ergeht sich stattdessen in Phrasen. Aber dennoch hat sie es ja nett gemeint. Die dachte sich bestimmt nicht „Geil, ein Behinderter. DEM geb ich es jetzt aber!“ und doch versteh ich dich auch wieder. Auf jeden Fall mal interessant zu lese und: Hab Nachsicht mit ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.
Ich bin kein Stück behindert und ob Du es glaubst oder nicht, diese Omas kenne ich auch. Genau so gibt es meine Mutter, die mir als erwachsenem Mann immer noch was auf den Teller tut, auch wenn ich vorher 100x gesagt habe „Nein Danke, es reicht“. Die (nicht urspruenglich aus Deutschland stammende) Nachbarin ist permanent der Meinung, ich wuerde direkt verhungern, sobald meine Frau mal 2 Tage auf Dienstreise ist. Weil in deren Vorstellung Männer so ziemlich zu allem zu doof sind.
Diese irrig wohlmeinenden Leute musst Du bitteschoen ertragen, wie wir anderen alle auch. Auch Du wirst mal alt werden. Dann haben sich Deine Wert- und Moralvorstellungen vielleicht auch ueberlebt – die Welt um Dich herum hat sich weiterentwickelt und Du stehst mit irgendeiner gut gemeinten Aktion als der Depp da. Bitte ein bissel mehr Toleranz fuer unsere Senioren. Danke.
Nachvollziehbar, was Du schreibst. Wenn man permanent so etwas zu hören bekommt, verstehe ich gut, dass es Dich nervt. Das nennt man schließlich positive Diskriminierung.
Viele nicht behinderte Leute bewegen sich gefühlt wohl auf einem schmalen Grat, sie denken: „Bin ich jetzt unfreundlich, nicht hilfsbereit, wenn ich mich nicht anbiete?“ Die Grenze zwischen Anbieten und Aufdrängen: fließend.
Ich hoffe, ich fahre die richtige Spur, wenn ich Menschen mit Behinderungen oder alte Leute oder Kinder zum Beispiel beim Einsteigen in die Bahn erst kurz beobachte, um zu sehen, ob sie offensichtlich Schwierigkeiten haben. Auf die Gefahr hin, dass sie denken: „Warum hat mir der junge Mann eigentlich nicht schon Hilfe angeboten?“
http://nicodrimecker.blogpot.com
„Ich bezweifle, dass solche Menschen wirklich nur helfen wollen. Sie verlangen Dankbarkeit für etwas, das ich gar nicht haben will.“
Dieser Satz wird mit deinem letzten Abschnitt ein bisschen ins Absurde gezogen, in dem du sehr aggressiv behauptest, du würdest „auch weiter“ sagen, was dich ankotzt, gerade so, als hätte dich dafür schon vor dem Schreiben jemand kritisiert. Du machst nämlich letztlich das Gleiche wie diese ältere Dame: Unterstellst anderen (den Lesern) pauschal, dass sie dich nicht als normalen Menschen akzeptieren und gehst sie dafür an. Das hat genausowenig mit Aufklärung zu tun wie das Verhalten der alten Dame mit Hilfe, es ist im Gegenteil genau dort Selbstmitleid und Sich-selbst-herausstellen, wo du von anderen kein Mitleid willst.
Zum Thema: Es ist verständlich, dass solches Verhalten nervt. Das ist aber meines Erachtens nach weniger ein Problem von körperbehinderten Menschen. Auch ich, der ich äußerlich wahrscheinlich niemandem in der U-Bahn auffallen würde, treffe immer wieder auf insbesondere ältere Damen, die mir ihrer Meinung nach hilfreiche Tipps aufdrücken wollen. Als ich neulich mit einer gerade im Supermarkt gekauften Flasche Multivitaminsaft in der Hand auf den U-Bahnsteig trat, sprach mich eine solche Dame an und fragte mit Blick auf meinen leichten Bauchansatz: „Haben Sie den gerade gekauft? Multivitamin… nur Zucker… naja, das hilft aber auch nicht beim Abnehmen.“
Wäre ich nicht davon ausgegangen, dass sie alt und senil ist und hätte sie als normalen Menschen wie du und ich wahrgenommen, hätte sie aber was von mir zu hören bekommen…
Der Unterschied liegt hier wohl bei zwei verschiedenen Wörten:
Helfen heraus aus Mitleid bedeutet, dass „ich“ mit den „Leidenden“ zunächst mal mit-leide, und wenn „mir“ mein eigenes Leid zuviel wird, hilfe „ich“ den scheinbar Hilfesuchunden, egal ob er/sie will oder nicht, weil „ich“ das Leid nicht ertrage. Helfen aus Mitleid hat eher den pflegenden Hintergrund, mit der Bedingung, dass dem zu Helfenden keine eigene Meinung zugestanden wird.
Die oben beschriebene Dame hatte Mitleid. Und Ihr Frust, werter Herr Kunert, ist mehr als verständlich.
Helfen aus Mitgefühl heraus bedeutet, dass „ich“ das Leid des anderen nicht annehme, sondern versuche zu fühlen, ob, wo und wie ich helfen kann. Oder Ob ich keine Hilfe anbieten brauche. Die Hilfe ist schwieriger, dem zu helfenden seine Eigene Meinung lasse, und dan helfe ich auch nur soweit, das er/sie weitgehend selbständig das Problem lösen kann. Die Hilfe aus Mitgefühl bedeutet auch, das mit der andere Mensch nicht egal ist, das „ich“ nicht achselzuckend vorübergehe.
Pingback: Mehr Sensibilität für Behinderte | tom berger
Das mit dem Erwarten von Dankbarkeit auf geleistete Hilfe ist ein allgemeines Phänomen. Leider! Schätze diese Menschen wünschen sich Anerkennung und meinen mit ungebetener Hilfe genau das zu erlangen. Das ist sehr schade für sie – denn meist bitten sie ihrerseits nicht um Anerkennung – sondern machen sich selbst noch nieder. Das ist meine Erfahrung.
Eine Bitte (egal ob nun Hilfe angeboten oder erbeten wird) kennzeichnet sich für mich darin, dass diese abgelehnt werden kann ohne das irgendjemand beleidigt ist. Denn dann wäre die Bitte keine Bitte sondern eine Erwartung. Und das ist etwas völlig anderes.
In eigener Sache: Wie würdest Du reagieren, wenn Dich jemand (in diesem Fall wäre ich das) würde: „Ich wäre sehr daran interessiert, wie Sie ihr Leben blind gestalten können. Denn durch meine Fastblindheit auf einem Auge könnte es im Alter oder auch durch einen Unfall passieren, dass ich evtl. fast oder sogar ganz erblinde.“
Vielen Dank, eindringlich und sehr gut formuliert – aber nichts neues. Ich habe Text dieser Art schon vor Jahrzehnten gehört, aber ich gebe zu, dass die Tatsache, zwei blinde Vettern zu haben, wohl dazu beigetragen hat.
In dem Artikel wird allerdings das „überhebliche Mitleid“ zu einer deutschen Eigenschaft gemacht. Das wiederum finde ich interessant, denn ich schreibe diese Art von Hilfsbereitschaft idR unseren christlichen Mitmenschen zu, die Nächstenliebe sagen und die persönliche Fahrkarte in den Himmel meinen. Das wäre aber widerlegbar, wenn es tatsächlich nationale Unterschiede gibt. Das sollte man untersuchen.
Ich glaub aber, deine Deutung ist auch zu kurz gegriffen.
Für die Dame war es offensichtlich eine Horrorvorstellung, blind zu sein. Nichts mehr sehen können – ich glaub, so wie sie reagiert hat, gibts für sie nicht viel schlimmeres.
Entsprechend hat sie dann reagiert – und natürlich auch nicht weiter reflektiert, was sie da eigentlich tut. Sie hat gesehen, du bist blind, kurz rekapituliert, wie sie selbst sich fühlen wollte und wollte dann, dass du dich besser fühlst, dir einen Teil der Last abnehmen. Die bei dir überhaupt nicht vorhanden ist.
Mit den Leuten umzugehen, ihnen klarzumachen, dass ihre negativen Gefühle nicht deine eigenen sind und du prima klarkommst, ist fast unmöglich. Sie sortieren alles in ihr Schema ein und wenn du das verneinst, weil du halt nicht so fühlst, dann steigert dass die Kombination aus Mitleid/Bewunderung noch, weil du ja so gut mit deinem Schicksal fertig wirst. Ergebnis: Sie wollen dir noch mehr helfen.
Das ganze passiert nonverbal, da wird munter ruminterpretiert und geholfen, ob man nu will oder nicht.
Alles aus dem Gefühl heraus „da muss man doch was machen“. Falls es dir hilft:
Denen gehts dann schlechter als dir, du entmündigst sie nämlich auch aus ihrer Sicht: Sie wollen dir helfen und du läßt sie nicht, das läßt sie hilflos zurück und Hilflosigkeit mag keiner, also will man doch noch helfen, damit man selbst sich nicht so hilflos vorkommt.
Das ende vom Lied: Beide Seiten fühlen sich beschissen, weil keiner den anderen versteht.
Das einzige was man tun kann: Beine in die Hand und laufen.
Keine Frage, in diesem Beispiel ist die Dame zu weit gegangen, sie hätte dein Nein akzeptieren müssen und ihr Verhalten war schon belästigend. Genau so daneben sind natürlich regelrechte Übergriffe ohne zu fragen – ungefragtes Antatschen und Aufzwingen geht einfach nicht.
Generell finde ich aber die Frage nach dem Umgang mit Hilfeangeboten gerade wegen solch ablehnender Reaktion sehr schwierig. Es ist sicher wichtig, sich die vermeintlich hilfebedürftige Seite mit ihren Gefühlen anzuhören, aber ich finde man sollte auch die Unsicherheit der potenziellen Helfer berücksichtigen.
Ich mache mir sehr wohl Gedanken darüber, inwiefern ich mit meiner Hilfe auch belästige und dennoch fällt es mir schwer, ein ausgeglichenes Maß zu finden. Da kann ich erahnen, wie es Leuten geht, die aus fehlender eigener Betroffenheit und Impulse durch die Umgebung oder eine andere, veraltete Erziehung, diese Auseinandersetzung gar nicht gemacht haben. Natürlich ist gut gemeint nicht gut gemacht, aber ich denke, es ist dennoch beachtenswert, wie etwas gemeint ist. Das Wirklich?- und Sind sie sicher?-Nachfragen könnte mir übrigens auch passieren – aber weniger aus respektloser Ungläubigkeit, als aus eingebläuten Höflichkeitsstandardfloskeln. Das könnt mir genau so in jeder anderen Situation passieren.
Und auch, wenn ich verstehen kann, dass man keine Lust hat, jedem übereifrigen wandelnden Helfersyndrom zu erklären, weshalb man keine Hilfe benötigt – vielleicht ist das aber etwas, wo eben genau diesen Menschen Hilfe geleistet werden müsste. Auch wenn ich mir Gedanken darüber mache, inwiefern ich jemanden auch mit meiner Hilfe auf die Füße treten könnte, so ist es für mich schwierig einzuschätzen, wie jemand wie weit mit einer entsprechenden Behinderung umgehen kann, denn das meiste versteht man ja nur, wenn man – sei es durch Bekannte, Berichte oder Medien – gelernt hat, was die Person kompensieren kann. Umso mehr ist es vielleicht nötig, solch aufdringlichen Personen zwangs-zu-erklären, warum die Hilfe überflüssig ist.
Außerdem sollte man nicht vergessen, dass der Umgang auch so schwierig ist, weil es einfach nicht die Gruppe von Behinderten/Personen, denen man Hilfe anbieten kann gibt. Die einen wollen gar nicht erst in jeder Situation gefragt werden, andere wollen einfach, dass ihr Nein akzeptiert wird, wieder andere wollen gefragt werden und fänden es unverschämt, selbst nach Hilfe zu fragen. Und der Grad an benötigter und gewünschter Hilfe kann ja auch trotz gleicher Behinderung unterschiedlich sein. Es ist da nicht ganz leicht, abzupassen, ob man nun mit einem „Kann ich helfen?“ schon nervt oder jemand in die Bredouille bringt, selbst nach Hilfe fragen zu müssen. Bei älteren Personen in Bus und Bahn bin ich mittlerweile dazu übergegangen, still und heimlich aufzustehen und zu schauen, ob sie sich setzen wollen, da diese sonst gern nämlich auch mal vorwurfsvoll reagieren, wenn man den Platz anbietet. Vielleicht würde ein Erklären dem ein oder anderen einfach helfen, sein Mitleid durch ernstgemeinte und unaufdringliche Hilfeangebote einzutauschen.
Vielleicht ist es möglich Mitleid in Empathie zu tauschen, denn ich denke, dass Empathie viel eher das ist, was die Menschenrechte vorangetrieben hat. Und zwar Empathie mit jedem Einzelnen, nicht explizit mit Behindeten oder Nichtbehinderten. Man muss halt nur dafür sorgen, dass dieses Einfühlen eben auf wirklichen Gefühlen des Gegenübers und nicht den vermuteten beruht. Und dazu benötigt es Verständnis für den gegenüber und damit leider auch eine Chance dieses zu erlernen und Wissen über den anderen und seine Situation zu erwerben.
Tja aber für „Die Rampe ist zu steil“ (nach Frau Link) sind die „überheblichen“ nicht Beeinträchtigen wieder gut genug…
Persönlich habe ich schon vor Jahren aufgehört Behinderten von mir aus zu helfen und nur noch auf Ansprache zu reagieren. Aber ganz ehrlich was ist denn diese Ansprache in den (nach meiner Erfahrung) meisten fällen? Dann heißt es „Helfen Sie mir mal!“ bzw man kann noch froh sein wenn überhaupt ein „Sie“ dabei ist.
Und dass ist die Arroganz bei vielen Behinderten die MICH „ankotzt“. Blos keine „Mitleid“, nur Gleichberechtigung. Großartig die „Überheblichkeit“ besonders von Gehörlosen die davon ausgehen alles und jeder könnte Gebärdensprache nutzen, oder sollte sie zumindest lernen.
Aber dann wieder von irgendjemandem „Helfen Sie mir mal!“ im Befehlston.
Und grade Menschen ohne Behinderung scheinen dem nicht ganz so abgeneigt wie Sie oder einige Kommentatoren mit Behinderung. Wenn ich Frauen (oder auch Männer) selbst anspreche ob ich ihnen an unserem steilen Bahnhofstreppen mit dem Kinderwagen helfen kann, reagieren Sie kaum so agressiv. Oder gar wie die dieversen Senioren denen ich Regelmäßig die Einkäufe nach Hause trage.
Genauso wenig habe ich es hier im Großraum Berlin bisher erlebt, dass wenn ich zu Leuten gehen die ich (Frau Kränz) „verzweifelt über einen Stadtplan gebeugt diskutieren [sehe]„, dass diese sich in ihrer Persönlichkeit erniedrigt sehen wenn ich zu ihnen gehe und als Ortskundiger meine Hilfe anbiete.
Ich bin nun kein Psychologe, aber könnte es sein, dass sie als behinderte die anderen Menschen etwas falsch warnehmen? Ist jeder Einsatz der keine Dienstleistung an Ihnen ist „Überheblich“? Sind nichtbehinderte Menschen nur dazu da im Zweifelsfall als Dienstleister für Behinderte aufzutreten?
Sicherlich ist unsere Welt nur sehr schlecht auf die Bedürfnisse von beeinträchtigten Menschen angepasst, aber ist es deshalb Richtig, dass behinderte Menschen ihre Wut und Ohnmacht darüber an ihren Mitmenschen auslassen. Vielleicht sollten Sie sich klar werden, dass ihre nicht behinderten Mitmenschen sich in solchen Situationen selbst Ohnmächtig fühlen und einfach nur irgendetwas tun wollen?
Hallo Heiko,
interessanter Artikel. Schön finde ich, dass du, auch in den Kommentaren, die Lösung des Dilemmas bietest, vor dem man als Außenstehender steht. Eine Frage ist noch keine Belästigung, das Ignorieren der Antwort schon. Diese Lösung ist Banal, kann aber sicher in vielen Lebensbereichen und nicht nur im Umgang mit behinderten Menschen helfen.
Danke für diesen Post.
lg
Greg
Ich gehe an Krücken, kann mich aber problemlos selbstständig bewegen und benötige eigentlich nie fremde Hilfe. Mein demütigendstes Erlebnis war, als mir auf dem Bahnhof eine Frau verzweifelt versucht hat einen 10€-Schein aufzudrängen, dass „ich mir mal was gönnen kann“. Ich bin definitiv nicht verlottert gekleidet, mein Klamotten sind immer ordentlich und sauber – ich seh also definitiv nicht „verarmt“ aus. Ich hab ihr gesagt, dass ich ihr Geld nicht will und nicht brauche, was bei ihr nur zu Unverständnis geführt, sie aber nicht von ihrem Vorhaben abgebracht hat. Ich hab dann auf einen Bettler gedeutet und gemeint, dass er das Geld vermutlich nötiger haben könnte als ich. Naja, bin dann einfach gegangen, aber es hat nicht viel gefehlt (und das muss was heißen, ich bin absolut die Ruhe in Person) und ich hätte einige der Wörter ausgesprochen, die mir durch den Kopf gegangen sind.
Die mitleidigen Blicke, die ich tagtäglich zugeworfen bekomme, kann ich ganz gut ignorieren – aber solche Sachen schockieren mich wirklich. (auch bekloppt war die Frau, die unbedingt für mich beten wollte – dazu gibts ja auch einen Beitrag auf dem Behindertenparkplatz).
was hier so manch ein kommentator glaube ich nicht begriffen hat ist folgendes: nicht die frage nach hilfe an sich sondern dieses aufdringliche, mehrmalige nachfragen und dann sogar trotzdem noch ‘helfen’ wollen, unterstellt, auf subtile (sicherlich ungewollte) art und weise, dass die betroffenen personen auch eine geistige behinderung hätten und deswegen natürlich nicht beurteilen könnten ob sie hilfe brauchen oder nicht.
es wird in den köpfen dieser ‘hilfsbereiten’ menschen, körperliche und geistige behinderung einfach nicht unterschieden. womit ich jetzt natürlich nicht sagen will dass alle geistig behinderten per se hilfebedürftig, sind und umgekehrt. aber genau dass denken die allermeisten menschen.
verallgemeinert gesagt ist es ja immer so, dass menschen zur pauschalisierung neigen…
Nichtbehinderte suchen halt Absolution für ihre zufällige Unversehrtheit. Erteilt sie nach Gutdünken, d.h. eher selten und wenn, nur mit der geboten freundlichen Herablassung. Immerhin ist ja auch Mitleid ein Leiden, da sollte man/frau nicht zu gefühllos reagieren.
Und Grüße …
„Nein, die Opfer für diese unwillkommene dominante Hilfe werden gezielt ausgewählt.“
Natürlich werden sie das – nach einem Zustand, den der eigene Erfahrungsschatz nicht kennt. Über einer Landkarte zu brüten, das hat man selbst erlebt. Hilflos mit zu schweren Taschen vor der Bahn zu stehen – ebenfalls.
Aber blind zu sein? Im Rollstuhl zu sitzen? Motorisch eingeschränkt? Das ist für Bürger ohne Behinderung als Konzept zu abstrakt, zu unrealistisch, um den Schwierigkeitsgrad von Alltagssituationen richtig einschätzen zu können. Und daraus entsteht dann der überzogene Drang, Hilfe für die vermeintlich unbezwingbare Aufgabe aufzudrängen. Von Touristen mit Landkarten weiss man, daß und wie sie sich selbst helfen können – vom Blinden am Bahnhof aber eben nicht.
Die pauschale Annahme, daß hier Dankbarkeit verlangt wird und Überheblichkeit im Spiel ist, daß Angst und Ignoranz und Respektlosigkeit die richtigen Worte sind, um die aufdringliche Frau zu umschreiben – das zeugt von der gleichen emotional-sozialen Blindheit, die hier der ‘Täterin’ zugesprochen wird. Natürlich mögen wir es nicht gerne, im Alltag von Fremden auf die Behinderung reduziert zu werden – wer wird schon gerne auf irgendetwas reduziert? Aber die entgegengebrachte Empathie aus Wut und verletztem Stolz und einem großen Schuss ich-bezogener Arroganz als Brüskierung, als Herabsetzung und letztlich als Nichtakzeptanz meiner Selbständigkeit zu sehen: das wäre mir zu selbstgerecht.
Jeder Mensch muss mit anderen Mitgliedern der Gesellschaft klarkommen, die sein Selbstbild nicht teilen und ihm dadurch eine gewisse Nichtakzeptanz entgegenbringen. Ich bin da keine Ausnahme. Kein Grund, ein solches Fass aufzumachen.
Das ist alles eine Sache der Prägung würde ich sagen. Ich habe in meiner Erziehung Mitleid nicht als etwas Negatives anerzogen bekommen. Ebenso steckt für mich in dem Mitleid an sich nicht die Forderung nach Dankbarkeit oder eben sogar angesprochene Dinge wie Überheblichkeit. Ich kann Menschen bemitleiden und sie dennoch auf Augenhöhe sehen mit mir.
Das Problem in Deutschland liegt woanders denke ich. Wir sind ein Völkchen, das sich ungern Hilfesuchend zeigt. So wird auch gern von Leuten, die Hilfe benötigen, ein nettes Angebot ausgeschlagen, weil man nicht schwach wirken will. Egal ob Freunden oder Fremden gegenüber. Dieser Umstand fördert Situationen, wie die beschriebene. Es fehlt die Sensibilität für die Leute, die wirklich keine Hilfe wollen und brauchen. Nur mal ein anderer Ansatz für das selbe Problem.
Ich denke, dass nicht jeder, der Ihnen helfen will, dies aus niederen und eigennützigen Motiven tut. Manchmal weiß man’s einfach nicht besser.
Ich würd mal sagen, für genanntes Problem ist das Blog hier wohl der falsche Beschwerdepunkt.
Zum einen wird die ‘ältere Dame’ wohl kaum dieses Posting lesen, und zum anderen gibt es wohl wenig jüngere Leute die diesen Problem in der U-Bahn schon erlebt haben. Da gilt schnell rein, schnell raus. Ich glaube kaum, dass ich dich wahrgenommen hätte.
Und zu guter Letzt, warum regst du dich so auf, die Frau hat dich halt gegen deinen Willen vollgelabert, ist jedem schon mal passiert. Solange sie nicht handgreiflich geworden ist. Und dass dich ‘unser Mitleid ankotzt’ gut und schön, mich kotzt in dieser Gesellschaft auch einiges an, nur Blogpostings werden daran wenig ändern.
Hallo Heiko,
ich kann deine Gedanken ein Stück weit nachvollziehen. Ich bin nicht blind oder anderweitig behindert, aber ich hatte die Chance in meinem Büro einen blinden Praktikanten zu betreuen und wir haben auch über solche Situationen geredet.
Das Ganze ist ein zwieschneidiges Schwert. Zum Einen wollen die Menschen wirklich nur helfen, übertreiben es dabei aber auch geren so wie in deinem Fall. Das abwertende Bild ist vielleicht da, aber wenn dann nur unbewusst und latent.
Schon das Wort „behindert“ allein, macht diese Menschen zu etwas in der Gesellschaft Besonderem. Deshalb schauen die Menschen so und bieten ihre viel zu gut gemeinte Hilfe an.
Auf der anderen Seite ist da aber ein wenig Stolz und Eitelkeit dabei. Nach dem Motto „Ich bin behindert, ich bin anders, bemerkt mich, aber akzeptiert mich als einen von euch.“ Das will ich an einem Beispiel eines Rollstuhlfahrers erläutern, den ich vor einem halben Jahr in der S-Bahn erleben durfte. Er verscheuchte 3 kleine Kinder vom Rollstuhlsitz, weil das „sein“ Platz wäre. Beim Aussteigen bleib er mit seinem Rollstuhl zwischen Zug und Gleis hängen, wollte sich aber partout nicht helfen lassen. Auch als mehrere Leute kamen, schrie er sie an, sie sollten ihm nicht helfen. Die Tür des Zuges ging schon immer wieder zu, traf seinen Rollstuhl und machte alles schlimmer und der Zugführer machte wütende Durchsagen. Erst als ein paar Leute den Stuhl kurz anhoben kam er heraus. Er hätte es einfach nicht alleine geschafft, aber da kam auch kein Danke.
In deinem Fall kann ich deine Reaktion absolut verstehen, aber auf der anderen Seite sind wir gesellschaftlich einfach so erzogen worden. Da würde ich den Menschen keinen Vorwurf machen.
Anstatt von der Masse zu erwarten, den unterbewussten Hilfe- und Mitgefühlreflex zu unterdrücken, sollte die Minderheit lieber lernen damit zu leben und ihr eigenes Unwohlsein nicht als Überheblichkeit der Helfer zu interpretieren.
Ich glaube, das Problem mit der Hilfsbereitschaft in Deutschland ist etwas weitreichender (oder besser gesagt: komplizierter) als Sie es hier schildern.
Meiner Meinung nach liegt die Schwierigkeit darin, daß immer und immer und immer wieder wieder in den Medien betont wird, wie „kalt“ und „rücksichtslos“ und „am Leid anderer Menschen desinteressiert“ unsere Gesellschaft doch geworden sein soll – was zum Teil sicher stimmt. Die Nachrichten sind voll von Berichten, in denen Obdachlose verprügelt, Frauen vergewaltigt, Behinderte benachteiligt, Kinder mißbraucht werden, und keiner hat geholfen.
Ob diese Berichte wirklich stimmen oder nicht sei mal völlig dahingestellt. Unsere Gesellschaft ist sicher keine heilige und seelige, ganz bestimmt nicht, da gibt es noch viel zu tun und zu verbessern. Aber andererseits werden positive Berichte und erfreuliche Erlebnisse fast nie gebracht – die bringen halt keine gute Quote.
Der klassische Deutsche mit seiner Neigung zu Selbstanklage und Schuld verfällt damit meiner Meinung nach in zwei Denkweisen:
1. Die ganze Welt und das Leben ist ganz furchtbar schwer und von grausamen Schicksalsschlägen durchtränkt.
2. Irgendwie ist jeder von uns daran schuld – und sollte irgendwie „Sühne“ leisten oder „Buße“ tun. Denn der Tenor lautet ja: keiner hat geholfen! HÄTTE nur jemand in Fall A oder Fall B den Mut gehabt zu helfen, DANN wäre alles anders geworden, irgendwie besser.
Mir ist vor allem bei den älteren Generationen – von denen Sie ja auch im Falle der Dame in der U-Bahn berichten – schon häufig aufgefallen, daß sie eine fast schon pathologische Neigung zu den oben genannten zwei Einstellungen haben: Jammern und Stöhnen über das Leben einerseits, und völlig überzogene Hilfsbereitschaft auf der anderen. Ich kann mir gut vorstellen, daß das historische Gründe hat.
Bei jüngeren Menschen – von irgendwelchen fanatischen Frommen vielleicht mal abgesehen – ist mir so ein Verhalten bisher nicht aufgefallen. Im Gegenteil: in der Regel wird gefragt, ob Hilfe benötigt wird, und wenn die Antwort „Nein“ lautet, dann wird das auch akzeptiert.
Grüße,
Marco
Zu dem Blogpost fällt mir nur eines ein: ganz schön arm.
Unsere Zeit ist doch eh schon von Ellenbogengesellschaft und Menschen geprägt, die sich nur noch um ihr eigenes Fortkommen scheren. Die ältere Dame hat übertrieben, na klar, aber sie hat es nur gut gemeint. Aber wenn du eine Welt willst, in der keiner den anderen beachtet, keiner dem anderen mehr Hilfe anbietet, dann bitte. Spätestens wenn du wirklich mal Hilfe brauchst (und das braucht jeder Mensch, ob blind oder nicht), wirst du merken, wohin das führt.
Ich glaube, das Problem ist, dass viele Menschen einfach keine Erfahrungswerte im Umgang mit Menschen mit einer Behinderung haben. Mir geht es da genauso. Wenn ich an der Bushaltestelle stehe und blinde Leute oder Leute im Rollstuhl sehe, kriege ich irgendwie ein mulmiges Gefühl, weil ich nicht weiß, wie ich mit ihnen umgehen soll. Auf der einen Seite möchte man ihnen helfen, auf der anderen weiß man nicht, ob sie das überhaupt wollen.
Ich denke, dass genau diese Unsicherheit der Grund ist, dass die alte Dame es übertrieben hat und nicht erkannte, dass ihre Hilfe nicht erforderlich ist. Insofern ist das für mich ein wichtiger Artikel, die Sache einmal aus der Sicht eines Betroffenen zu hören.
Okay, in Deinem konkret beschriebenen Fall ist diese Form von „Hilfe“ klar falsch. Würde ich auch nie machen – einfach ungefragt einen Rollstuhl zu bewegen. Aber das ist eine andere Situation als die eingangs geschilderte. Den falschen Schluss ziehe ich übrigens nicht. Die Kunst besteht halt in angemessener, unaufdringlicher Hilfe. Und zwar möglichst nur dort, wo sie tatsächlich auch gebraucht wird. Da das nie immer eindeutig entscheidbar ist – gerade in Alltagssituationen, wo es schnell gehen muss – werden immer auch einige Missverständnisse übrig bleiben.
Hallo,
das beschriebene erlebt man auch mit kleinen Kindern mindestens wöchentlich. Auch dort sind es immer ältere Damen, die meinem, sie kennen mein Kind besser als ich und einem schöne Hinweise geben, es sei zu kalt oder zu warm gekleidet oder sonstwas.
Mit Männern und jungen Frauen, erst recht Jugendlichen, gibt es solche Probleme nicht.
Naja, aber in anderen Ländern ist es nicht unbedingt besser, sondern teilweise sogar schlimmer. Kürzlich kam im Fernsehen ein Bericht über ein kleinwüchsiges Paar. Die Frau beschrieb, dass sie bei Reisen in (manchen) anderen Ländern häufig ungefragt fotografiert würde, was ja eine ziemliche Frechheit ist.
Hallo Heiko,
erst mal danke das du so offen und ehrlich über deine Gefühle schreibst. Hier wurden ja auch bereits gute und nicht so gute Antworten geschrieben (liegt im Auge des Betrachters)
Ich werde jetzt hier keine Psychoanalytische Antwort schreiben sondern ganz platt meine Gedanken wiedergeben.
Du wirst nicht mehr so lange angekotzt sein müssen…..
1.Diese Art von älteren Leuten stirbt aus.
(Das sind die, die auch für eine noch ältere Person den Platz frei machen, wenn alle Sitzplätze in der Bahn oder Bus besetzt sind oder zu Hause wenn du schon satt gegessen bist, und gesagt hast das du satt bist, trotzdem noch einen „kleinen“ Nachschlag bekommst.)
2. In unsere Deutsche Ellenbogen Gesellschaft, mit dem Drang nach Gleichberechtigung in jeder Hinsicht ändert sich unser Gedankengut.
Vor 20 Jahren wurden Menschen mit einem gebrechen richtig bemitleidet.
Heutzutage eher nur noch von den älteren Menschen.
In 20 Jahren wird die gleiche Person höchstwahrscheinlich ignoriert werden.
3. Ich habe 2 Freunde die eine Behinderung haben. Der eine ist Blind und der andere sitzt im Rollstuhl. Die haben genauso wie du, den drang nach Gleichberechtigung. Wir haben uns schon lange unterhalten über diese und jenes….
Es ist jetzt so, das ich sie absolut gleichberechtigt behandle…. das heißt ich frage nicht ob ich helfen kann, weil das tue ich bei anderen Menschen auch nicht.
Wenn einer hinfällt, helfe ich auch nicht… weil ist ja gleichberechtigt oder eben würdig.
Nur wenn ich gefragt werde, ob ich helfen kann, ja dann bin ich sofort da und helfe gerne.
Es ist aber sehr sehr schwer, nicht zu helfen und nichts zu sagen… und darauf zu warten das man gefragt wird.
Ein mal ist ein Blinder man vor mir gestolpert. Ich habe nicht geholfen, andere Menschen sind dann hingegangen und haben ihm geholfen. Ich wurde sehr verachtend von den anderen Menschen begutachtet….
Also wie du siehst, es besteht Hoffnung, und du musst nicht mehr so lange angekotzt sein—-
Gruß…
Du darst davon ausgehen, dass das in Deutschland auch gemacht wird.
Was hälst Du eigentlich von Behindertenwitzen? Ist dann Normalität eingekehrt, wenn man über eine „Gruppe“ Witze reisst ohne Scham oder dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt? (vgl. auch Witze über Juden).
Natürlich nervt es, wenn man das am Tag hunter Mal erlebt. Natürlich ärgert es einen wenn man sich ständig mit unliebsamen Hilfeangeboten bombadiert sieht und dann auch noch besonders hartnäckigen und anscheinend Ablehnungsresistenten. Und mal ehrlich: Es ärgert einen auch, wenn einem das ständig entgegengebrachte Mitleid andauernd die eigene Behinderung unter die Nase reibt und die eigentlich durchaus vorhandene Selbstständigkeit abzusprechen scheint.
Sowas verletzt Gefühle und macht reizbar, aber sich auf den eigenen, durchaus auch egoistischen Standpunkt zurückzuziehen ist auch imho auch falsch. Vielleicht vergisst man das auch, wenn man nie die andere Seite kennen gelernt hat.
Mich als sprachbehinderter hat es auch ständig die Zornesräte ins gesicht getreiben, wenn andere ständig meinen meine Sätze so vervollständigen zu müssen wie sie denken, was ich vielleicht sagen will. Das ging solange, bis mir das bei einem anderen Sprachbehinderten selbst passiert ist.
Warum man nicht einfach aufhört, wenn der andere sagt „es geht schon“? Weil man sich in dem Augenblick vielleicht nicht wirklich vorstellen kann wie es denn ohne Hilfe gehen soll. Weil viele einfach „es geht schon“ sagen, weil sie sich schämen und es aber eigentlich aber doch nicht geht. Weil man, ehrlicherweise, hilfebedürftiger ist als nichtbehinderte, auch wenn man das tausendmal nicht zugeben möchte und ansonsten auch gut alleine zurecht kommt.
Die alte Dame scheint ja bestürzt über das erlittene Schicksal gewesen zu sein. Sicherlich hatte sie auch Mitleid, aber anscheinend hat sie das so sehr berührt, dass ihr Helfersyndrom angesprungen ist und sie den Drang hatte, etwas aktiv tun zu wollen. Eine Regung, die zwar wirklich nervig ausarten kann, aber im Zuge der Diskussion um Zivilcourage, soziale Gelichgültigkeit usw grundlegend durchaus gewünscht ist.
Klar will und muss man sich nciht immer rechtfertigen, gerade wenn auch keine Zeit dazu ist, aber ein kurzes „ich komme schon lange sehr gut allein zurecht, danke. ich spreche Sie an wenn ich Hilfe brauche.“ hätte mit Sicherheit genügt.
Vor nicht allzulanger Zeit war die Aufregung groß als ein Mann mit Herzinfarkt einen halben Tag tot im Bus herumführ und es anscheinend niemandem aufgefallen ist. Vielleicht hat man ihn anfangs gefragt, ob ihm nicht gut wäre und ob man helfen könne, aber wie oft sagt man selber „alles OK“, selbst wenn einem schlecht ist. Aber vielleicht war es ja auch gut so, ihn einfach sterben zu lassen und zu akzeptieren, dass er eben keine Hilfe wünscht – ist eben sein gutes Recht.
Ich will damit jetzt nicht provozieren, aber es soll zeigen wie dünn die Linie manches Mal ist und wie schnell man aus Unsicherheit oder Hilflosigkeit diese Line in die eine oder andere Richtung überschreitet. Und mal ehrlich: Man möchte selber, dass einen die anderen so akzeptieren wie man ist und sich auch mal still in Geduld üben, wenn man wegen seiner Behinderung mal länger braucht. Dann sollte man vielleicht auch sowas abkönnen, selbst wenn es nervt und der Kamm schwillt.
Besser jedenfalls als das was ich letzt selbst erlebt habe. Eine Frau fragte ob sie einem Rollifahrer die Tür aufmachen solle und wurde daraufhin von diesem angeschrien und beschimpft. Respekt ist gut, aber dann bitte beidseitig.
@Gina:
So meinte ich das auch nicht.
Ich meinte damit, man sollte kein Mitleid in Form des „Bemitleidens“ haben (und das hat hier ja wohl vorgelegen), sondern eher auf Mitgefühl und Empathie, sprich auf Einfühlungsvermögen gehen.
Und diese Empathie sollte dann dazu führen, daß man sich für Rechte Behinderter engagiert, soweit es die noch nicht gibt und soweit da Handlungsbedarf besteht.
Tschuldigung….muß gestehen, manchmal poste ich etwas mit der heißen Nadel und dann kommt´s mißverständlich rüber.
Oh, dieses Recht gestehe ich gern jedem zu – solange man mir das Recht zu gesteht, mir zu verbitten, mit diesem Mitleid belästigt zu werden. Im Stillen darf mich gern jeder bemitleiden, auch wenn ich’s nicht gut finde. Die Gedanken sind frei.
klare worte.
ich kann das verstehen und nachvollziehen. ich bin anfang des jahres sehr schwer erkrankt und ob ich wirklich gesund bin und bleibe, kann mir keiner sagen. dennoch habe ich eine gute lebensqualität und genieße das leben gerade in vollen zügen. jetzt erst recht.
wenn mich manchmal menschen, die wissen was mit mir los ist fragen, wie es mir geht, höre ich immer schon am tonfall und sehe am blick, dass ich ihnen leid tue. wenn ich dann antworte; „gut. im moment besser denn je“, schauen die dann noch mitleidiger und fragen nach: „wirklich?“
DAS kann ich nicht leiden, dann geht es mir sofort mies.
liebe grüße und danke für deinen beitrag, katerwolf
1) Ich kenne die Situation der alten Dame und ich bemitleide nicht, ich weiß nur nicht besser mit behinderten Menschen umzugehen.
2) Das solche Situationen seltener werden, liegt sicher nicht am besseren Verständniss der Leute, sondern eher daran, dass sich mittlerweile niemand einen Dreck kümmert.
„Und natürlich frage ich mich seither bei jedem in seiner Mobilität oder Weltwahrnehmung eingeschränkten Menschen, ob ich nochmal Hilfe anbiete. Oder, ob ich das Risiko wieder derart angemacht zu werden, nicht einfach durch Nichtstun minimiere.“
… und wieder ward ein Vorurteil geboren.
Stell dir mal vor: Menschen mit Behinderungen haben Persönlichkeiten, genau wie alle anderen auch! Da gibt es verbitterte oder schlicht und einfach unhöfliche Menschen, oder an sich ganz nette Leute, die mal einen schlechten Tag haben. Ist das so schwer zu verstehen? Bei jedem anderen Fremden, den du ansprichst, musst du schließlich auch damit rechnen, mal einen Idioten zu erwischen, der dich anblafft. Warum soll das bei Behinderten so ungewöhnlich sein?
Entschuldigung, aber ich verstehe den Sinn Ihres Postings nicht ganz.
Wäre es also in Ordnung gewesen, wenn der Verfasser dieses Beitrags nicht blind und dies ein normaler „Auskotz“-Beitrag wäre?
Genauso klingt es nämlich.
LG,
Julia M.
Stimme Alex vollkommen zu. Menschen mit Behinderungen haben das Recht in allen Bereichen des (öffentlichen) Lebens barrierefrei teilzuhaben. Der Staat ist gesetzlich verpflichtet ihnen diese Teilhabe zu ermöglichen. Mitleid ist deshalb völlig unangebracht. Es geht um das MIT, nicht um das Leiden. Darum lesen und verstehen:
http://www.un.org/Depts/german/uebereinkommen/ar61106-dbgbl.pdf
Ich finde, du lässt den Menschen um dich herum nur einen sehr schmalen Korridor richtigen Verhaltens frei. Du bist, blind oder nicht, Teil einer Gesellschaft, und da gehört es dazu, mit anderen zu kommunizieren, mit andere zu interagieren. Manchmal will man das, manchmal nicht.
Unsicherheit im Umgang mit seh- oder sonstwie behinderten Menschen ist normal, niemand lernt irgendwo, wie man handeln soll – und das kann man auch nicht, denn nie empfinden zwei Menschen gleich. Andere Blinde hätten sich vielleicht gefreut.
Anstatt dir hier auf – wie ich finde – reichlich billige Art und Weise deinen Frust von der Seele zu schreiben, hättest du versuchen können, mit ihr zu sprechen. Ich mag es, wenn Menschen sagen, wie sie etwas empfinden, und bevor es Blogs gab, sagten sie es manchmal sogar direkt in der Situation und zu dem betroffenen Mitmenschen.
Du magst nicht, dass dein Blindsein zu Respektlosigkeiten führt. Dein Ausbruch hier ist aber viel respektloser als das Verhalten dieser alten Dame. Mit unliebsamen Mitmenschen muss jeder klarkommen, auch mich haben schon andere Menschen in der U-Bahn genervt. Das dann direkt auf die eigenen Behinderung zu beziehen, das ist für mich „Selbstmitleid 2.0″
Ich fand den Bezug auf die ältere Dame und das es tendentiell weniger wird ganz gut beobachtet. Auch der andere Blogbeitrag mit den Begebenheiten aus London…
So lächerlich sich das vielleicht gerade anhören mag, aber es ist ein speziell deutsches Ding, mit „behinderten“ Menschen auf diese Art und Weise umzugehen. Es gab eine Zeit in der wir Deutschen diese ausrotteten, und es z.B. heutzutage etwas Neues in der Betreuung geistig Behinderter ist, dass diese alt werden und sich die Bedingungen ihrer Betreuung ändern.
Deswegen gibt es das praktisch nicht in London oder in den USA, dort mussten die Nachkriegsgenerationen nicht erst lernen mit (vor allem angeborenen) Behinderungen umzugehen, denn es gehört zum normalen Leben und ist nicht überdurchschnittliche Bemitleidenswert.
Erfahrungsgemäß führt das nur zu langwierigen Diskussionen, weil dann ganz schnell ein „Ja, aber“ kommt. Deswegen muß ein „Nein danke, geht schon“ reichen. Wieso muß ich das lang und breit erklären? Natürlich hat das was mit sich rechtfertigen müssen zu tun. Ich erwarte von meinen Mitmenschen in aller erster Linie, daß sie eine klare und eindeutige Willensbekundung ernstnehmen, auch wenn sie sie vielleicht nicht verstehen und nicht nachvollziehen können, daß ein behinderter Mensch eine bestimmte Sache allein tun kann. Ich will nochmal an einem anderen Beispiel deutlich machen, wie absurd das ist: Wenn ich eine Frau anspreche, weil sie mir gefällt, und sie frage, ob sie mit mir was trinken gehen möchte, und sie dann sagt „Nein danke, möchte ich nicht“, zerre ich sie ja auch nicht einfach gegen ihre explizite Willensbekundung in die nächste Bar, nur weil sie mir nicht erklärt hat, warum sie nicht möchte, und ich mich für so unwiderstehlich halte, daß ich mir nicht vorstellen kann, daß sie mich abweist. Abwegiges Beispiel? Mitnichten. Frauen haben mir schon öfter erzählt, sowas erlebt zu haben. Muß jetzt jede Frau deswegen jedem Macho, der sich für unwiderstehlich hält, lang und breit erklären, warum sie nix von ihm will?
Dein Bsp. ist vielleicht nicht abwegig, taugt hier aber mitnichten als Vergleich. Im Eingangsbeitrag beschriebenen Fall ging es schließlich um «lästige» Hilfssangebote, weil jemand glaubte, der Behinderte könne nicht selbstständig agieren. Der zweite Fall ist zwar auch lästig, wobei es hier um lästiges Anmachen geht. Und ja: Wenn eine Frau das nicht will, dann sollte sie, falls der Mann nicht kapiert, deutlicher sagen, DASS und ggf. warum sie keine Lust hat. Ich zweifle ehrlich an dem Verstand einer Frau, die trotzdem mit in die Bar geht. Sie wird ja wohl kaum an den Haaren in die Bar geschleift worden sein.
Es geht hier halt um Kommunikation. Wenn es das Gegenüber nicht versteht, muss man deutlicher werden.
Meine Erfahrung ist folgende:
Wenn Du wirklich mal Hilfe brauchst, z. B. beim Überqueren der Straße, hasten alle an Dir vorbei. Ist aber genug Zeit, z. B. auf dem Bahnsteig und die Bahn ist noch nicht da, wirst mit Hilfe geradezu überschüttet. Die Leute wollen Dich sogar aus dem Bahnhof geleitet, dabei hast Du Dich doch nur vorn hingestellt, weil Du einfach nur in den ersten Wagen einsteigen willst.
Was doch für eine Gedankenlosigkeit. Gut gemeint ist eben schlecht gemacht. Inzwischen beiß ich solche Zeitgenossen einfach wütend weg. Ich will das alles nicht.
Ich weiß nie, ob ich einem behinderten Menschen nun helfen soll oder nicht. Einerseits denke ich eben genau so – „wenn er Hilfe braucht, dann wird er fragen“ – andererseits denke ich aber auch an meinen eigenen Stolz, und dass ich niemals von selbst fremde Menschen um Hilfe bitten würde, also vielleicht braucht er Hilfe, will aber nicht fragen. Ich weiß nicht, woran man das eine oder das andere erkennt, und bin daher sehr unsicher.
„Vielleicht sollten Sie sich klar werden, dass ihre nicht behinderten Mitmenschen sich in solchen Situationen selbst Ohnmächtig fühlen und einfach nur irgendetwas tun wollen?“
„Irgendwas tun wollen“, das sagt es doch schon. Das „etwas tun wollen“ ist IHR persönliches Bedürfnis. Wenn Sie die Ablehnung Ihres Angebots nicht akzeptieren, stellen Sie damit ihre eigenen Bedürfnisse über die des anderen Menschen, und ja, das ist überheblich.
Ist es für Sie wirklich so eine Zumutung, nur dann Hilfe zu leisten, wenn die Hilfe auch erwünscht ist? Wenn andere Menschen auf der Straße eventuell mal unhöflich sind, ist das normal, aber Menschen mit Behinderung dürfen das nicht?
Du, Mann? Hast Du den Artikel nicht aufmerksam gelesen?
„LABER MICH NCHT DICHT, DU ALTER, FRUSTRIERTER BESEN!“
Unglaublich diese Arroganz. Und zwar von annähernd allen Behinderten hier in den Kommentaren und besonders vom Autor.
Vorab:
-ich habe Verständnis dafür, dass es sich demütigend anfühlt, wenn man Hilfe angeboten bekommt, obwohl man selbst weiß, dass man diese nicht benötigt.
-ich habe Verständnis dafür, dass man sich bevormundet vorkommt, wenn die Möchtegern-Helfer ein „Nein“ nicht akzeptieren.
-ich habe Verständnis dafür, dass Mitleid einen Ankotzt.
Aber zu behaupten diese Möchtegern-Helfer würden Dankbarkeit verlangen, anstatt gätig zu sein? Ihnen (wohlgemerkt böswillig) herablassendes Verhalten zu unterstellen? Sie stellenweise mit Vergewaltigern zu vergleichen… das finde ich wesentlich schlimmer.
Ich hänge mich mal weit aus dem Fenster, und behaupte, dass diese Menschen aus reinster Nächstenliebe, aus Güte handeln. Sie sehen jemanden, von dem sie vermuten, dass er Hilfe braucht. Sie verstehen die Ablehnung vielleicht als falschen Stolz. Ja, vielleicht ist es sogar eine Art der Überheblichkeit, dass sie glauben, ein Behinderter käme nicht allein durchs Leben.
Aber: diese Menschen machen das nicht aus Gehässigkeit mit bösen Absichten. Im Gegenteil, diese Menschen tun sowas (wie ich glaube in den allermeisten Fällen) mit den besten Absichten – und aus Unwissenheit.
Was tut man mit Unwissenden? Frage an den Kommunikations-Experten… Frage an den PR-Profi! Verdammen? Beleidigen? Schmollen und ignorieren?
Aufklären!
Klar, wenn man gerade in die Bahn einsteigen will, hat man keine Zeit, eine lange Rede über die eigene Selbstständigkeit zu halten. Wohl aber, wenn man in der Bahn steht und ein zweites Mal angesprochen wird. Wer keinen Bock hat, andere Leute aufzuklären, darf sich über Unwissenheit mMn nicht beschweren.
Ich persönlich habe aus diesem Blogpost und den Kommentaren sehr viel gelernt (auch wenn ich zutiefst erschüttert darüber bin, was für ein Gerüst aus Arroganz und Selbstherrlichkeit um die Fakten teilweise aufgebaut wurde). Ich werde den Fehler der alten Frau sicherlich nicht wiederholen (ein hervorragendes Beispiel für den PR-Nutzen des Web2.0?).
Nur die alte Frau wird den Fehler wohl solange wiederholen, bis einer von Euch sich mal herab lässt und ihr ihren Fehler erklärt.
Abschließende Kritik am Autor: ganz schlechte PR „für die Sache der blinden und sehbehinderten Menschen“. Ausgangslage analysiert, PRoblem erkannt, Zielgruppe identifiziert und sogar in Kontakt mit ihr gekommen – Kommunikation verweigert.
(one-way-asymetrical mit dem Ziel seine Ruhe zu haben, anstatt two-way-symetrical mit dem Ziel der Frau mit ihrem Problem der scheinbar völlig falschen Wahrnehmung von Blinden zu helfen!)
Shame on you!
Die Unsicherheit könnte — längerfristig — recht einfach beseitigt werden: Holt Behinderte in die Schulen!
Lehrer sollten bereits in der Grundschule Vertreter von entsprechenden Organisationen oder Einzelpersonen, die selbst eine Behinderung haben und bereit sind, darüber zu reden, einladen und die Kinder mit ihnen reden lassen. Die Unsicherheit könnte damit sehr nachdrücklich beseitigt werden bzw. käme gar nicht erst auf.
Ich habe selbst auch erst im Kontakt mit behinderten Menschen gelernt, diese Unsicherheit zu überwinden. Lange habe ich von mir aus keine Hilfe angeboten, nachdem ich als Teenager in einer vollen Straßenbahn von einem älteren Mann, der eine erkennbare Gehbehinderung hatte, böse angeblafft worden war, als ich es „wagte“, ihm meinen Sitzplatz anzubieten („Ich kann gut stehen! Was bilden Sie sich ein!“). Ich wollte sowas nicht nochmal erleben.
Später kam ich eher zufällig mit blinden Menschen in Kontakt. Um ihnen bei konkreten Problemen — es ging um die Einrichtung einer Point-Software für unsere ZConnect-Mailbox — helfen zu können, versuchte ich zu verstehen, wie das ist, wenn ich vom Bildschirm immer nur eine Zeile gleichzeitig wahrnehmen kann. Und das klappte gut: Die Box hatte einen ungewöhnlich hohen Anteil an blinden Benutzern (von darauf spezialisierten Boxen mal abgesehen), weil sich das schnell herumsprach, daß man dort einen einfachen Einstieg hat und die Sysops gezielt helfen können.
Und wie das bei Rollstuhlfahrern aussieht, habe ich dann später von Alex gelernt (der hier auch schon kommentiert hat).
Also: Kommt in Kontakt und laßt vor allem die Kinder in Kontakt kommen. Dann gibt’s auch keine Unsicherheit mehr.
Meint
Frosch
mitleid kann nerven, keine frage. kann auch diskriminierend sein.
wenn ich lese was viele minderheiten persönlich nehmen, dann denk ich schon oft:
sry, da leiden wir alle drunter, dass wir deutschen so sind, so unfreundlich, unsensibel und einfach nervig. das ist nicht gut, aber es ist so.
manche leute sind einfach furchtbar und ja bestimmt bekommen das leute die auffälliger sind häufiger zu spüren.
keine ahnung ob das tröstet, aber diese leute die einen einfach nicht als mensch in ruhe leben lassen sind nunmal typisch deutsch (um nicht zu sagen typisch mensch).
Da ich gerade sehe, dass Du die PR-Arbeit für einen Blindenverband betreust, hier ein kleiner Vorschlag, wie man mit dem (scheinbar häufig auftretenden) Problem umgehen könnte:
Erstellt einen Vordruck auf dem Ihr darüber aufklärt, dass Ihr sehr gut im Alltag zurecht kommt. Kurze Erläuterung, dass Ihr Türen über einen Luftzug „erfühlen“ könnt, bzw. im Falle der Bahn hört und ähnliches. Dazu ein Freundlicher Kommentar à la „Danke für Ihre Hilfsbereitschaft, aber ich brauche sie nicht“ und eine Erklärung, dass dieser Zettel eine praktische Alternative ist, wenn man mal keine Zeit oder Lust hat, alles haarklein zu erklären, da man als behinderter Mensch häufiger in solche Situationen kommt. Außerdem ein Hinweis, wo interessierte Personen weitere Informationen bekommen können.
Das Ganze im Word-Format auf die Homepage, damit andere Betroffene das ganze herunterladen, selbst editieren (z.B. den eigenen Erfahrungen, Fähigkeiten, etc. anpassen), und in einem handlichen Format ausdrucken und an dumme Leute aushändigen können.
DAS wäre mal gute PR!
Interessanterweise findet man die gleiche Einstellung mancher Mitmenschen – „Ich helfe dir jetzt, ob du das willst oder nicht“ – auch in anderen Bereichen. Ich lese z.B. regelmäßig ein Blog über Entwicklungs- und Katastrophenhilfe. Dort wird immer wieder auf das Problem hingewiesen, dass viele Menschen spenden wollen – aber nur für bestimmte Projekte, die ihnen besonders gefallen. Dies zwingt die Hilfsorganisationen dazu, ihre Projekte den Wünschen der Spender anzupassen statt den Bedürfnissen der Hilfeempfänger. Das eigene Gefühl, „was Gutes getan“ zu haben und deshalb ein toller Mensch zu sein, wird über den tatsächlich vorhandenen Hilfsbedarf gestellt.
Eine solche Mentalität, plus das Aufgewachsensein mit Begriffen wie „Aktion Sorgenkind“ führt wohl gerade bei den älteren Semestern zu Situationen wie der hier beschriebenen.
Hallo,
ich habe jetzt den Artikel und die Kommentare gelesen. Mir als Nichtbehindertem macht es alles nicht leichter. Normalerweise gehe ich „locker“ mit Behinderte um. Behandele sie wie alle anderen auch – mit nicht weniger oder mehr Respekt als andere auch. Ein Rollstuhlfahrer hat mir mal gesagt, wie gut er es findet, wenn sich jemand auf Augenhöhe zu ihm begibt, wenn er mit ihm redet. Seit dem gehe ich in die Hocke, wenn ich mit einem Rollstuhlfahrer rede.
Das hat nichts mit Mitleid zu tun – „nur“ mit Respekt.
Aber die Kommentare hier …. Ich bekomme hier das Gefühl, das man Behinderte am besten ganz in Ruhe läßt und ignoriert – denn egal was ich machen würde, ich mache es ja doch falsch.
Ist das gewollt ?
Vielen lieben Dank für die zahlreichen und sehr anregenden Kommentare. Gerade auch die kritischen Beiträge bringen mir eine Menge an Anregung. Wie gern würde ich mit allen von Ihnen ein ausführliches Gespräch über das Thema führen… Ich bitte Sie um Verständnis dafür, dass ich nicht gleich zu jedem Ihrer Beiträge eine Antwort habe. Ich werde aber auf einzelne Punkte noch zu sprechen kommen, wenn ich ein bisschen mehr Ruhe zum Nachdenken gefunden habe.
Vielleicht aber zumindest kurz dieses: Mir ist durchaus bewusst, dass das im Post gewählte Beispiel ein extremer Fall ist. Ich wollte mit keiner Zeile die Menschen angreifen, die behinderten Menschen gegenüber hilfsbereit sind. Der ganz, ganz überwiegende Teil der Begegnungen mit sehenden Mitmenschen ist freundlich, respektvoll, oft sogar inspirierend. Nämlich immer dann, wenn man ins Gespräch kommt (so wie hier in den Kommentaren).
Ich wollte mit dem Post zeigen, wie es sich für uns anfühlen kann, wenn die Hilfsbereitschaft zu gut gemeint ist. Jeder ,der oder die mich kennt, weiß, dass ich es toll finde, mit Menschen über meine Behinderung zu sprechen, aus dieser Idee ist ja schließlich auch dieses Blog entstanden. Aber es muss doch auch okay sein, dass ich das mal nicht möchte. Vielleicht habe ich schlecht geschlafen oder private Sorgen, Kopfschmerzen. Ich war freundlich zu der Dame aus dem Post. Und ich kann mir rational viele Gründe vorstellen, warum sie so handelt wie sie gehandelt hat. Ich kann auch einen großen Teil Ihrer Anregungen nachvollziehen, wie ich besser hätte in der Situation reagieren können. Neben dem Verstand gibt es aber auch ein Gefühl. Und gewiss sagt das mehr über mich aus als über mein Gegenüber, aber es ist einfach ein Gefühl, das viele behinderte Menschen kennen. Das spiegelt sich ja auch in vielen Ihrer Kommentare wider. Es ist das Gefühl, dass uns nichts zugetraut, wir nicht als gleich wahrgenommen werden. Das Gefühl kennen auch viele behinderte Menschen, die keinen Arbeitsplatz bekommen, weil es Vorurteile bei Arbeitgebern gibt o.Ä.
Ich möchte ganz gewiss nicht der Ellbogen-Gesellschaft das Wort reden. Für mich ist ein Miteinander von behinderten und nichtbehinderten Menschen, das auf gegenseitige Wertschätzung (nicht auf Mitleid) beruht genau das Gegenteil der Ellbogen-Gesellschaft. Letztlich funktioniert unser Miteinander nur, wenn wir Menschen mit Handicap offen mit unserer Lage umgehen, um Hilfe bitten und uns auch eingestehen, wenn etwas mal nicht geht. Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass wir alle (ob behindert oder nicht) über unsere Berührungsängste, Unsicherheiten und Vorurteile reflektieren, über sie sprechen und sie mit der Zeit ablegen. Ich bedanke mich bei den vielen Kommentatoren, die hier ihre Unsicherheiten formuliert haben und Fragen gestellt haben. Ich freue mich darauf sie und weitere zu beantworten.
Es gibt weder die einheitliche Gruppe der mitleidigen Nichtbehinderten, noch die einheitliche Gruppe der überheblichen Behinderten. Es gibt aber Situationen, in denen ein gewisses Verhalten nervt, aufs Gemüt schlägt. Und so eine Situation habe ich oben beschrieben.
Ich kann die Gedanken des Autors ähnlich gut nachvollziehen wie das Agieren dieser Dame. Hmm, wenn ich es mir aber direkt aussuchen müsste, dann wären mir (zwanghaft) hilfsbereite Menschen lieber, als Menschen welche das Wort „Asozial“ förmlich auf der Stirn stehen haben!
Ohne Mitleid ja, aber nicht ohne Mitgefühl. Sonst müssten ja alle Bauingenieure blinde Rollstullfahrer sein.
Dass es in D so lange gedauert hat, bis Standards für Barrieren am Bau niedergeschrieben waren, lag wohl dann nicht an zu großem Mitgefühl.
hm das mit der alten Dame erinnert mich bischen an die Frage von Leuten zu denen man hinfahren muss : „und wissen sie wo die Strasse is ?t“
„ja Danke ich finde es sie müssen es nicht erklären “
„also da müssen Sie am Ortseingang …. und so weiter “
sowas hat gar nichts mir Behinderung zu tun die Leut hören einfach nicht richtig zu bzw können ihre Verhaltensmuster nicht ändern.
Obwohl nicht behindert, kann ich den Autor gut verstehen. Und ja, es gibt eine ‘Hilfsbereitschaft’, die keine ist. Sondern ein sich-selbst-Versichern, ach wie gnädig, gütig, (christlich?) man selbst doch ist.
Der Umgang mit Behinderten (und mir begegnen am Kölner Hauptbahnhof schon aus statistischen Gründen die verschiedensten Handicaps) ist doch einfach: genau so wie Nicht-Behinderte. Von mir aus behandelt sie wie ihr Leute mit viel Gepäck oder Kinderwagen behandeln würdet. Die springt man ja auch nicht an und drängt ihnen was auf. Man schaut sich die Situation an. Wenn man meint, der Andere *brauche* Hilfe, geht man hin und fragt höflich. Und denkt vielleicht sogar ein bißchen dabei nach: wir Nichtblinden wissen doch inzwischen, wie gut Blinde sich orientieren. Ich käme gar nicht auf die Idee, einem Blinden zu sagen (sagen zu müssen), wo sich die Türen einer U-Bahn befinden. Einem Mann mit Kinderwagen muss ich auch nicht helfen, die Karre in den Aufzug zu manövrieren, oder?
Die drei, vier Sekunden, die es braucht, eine Situation einzuschätzen, haben wir meistens ohnehin Zeit. Also: schaut hin, denkt nach – und ggf. fragt einfach, ob Hilfe erwünscht ist.
Zum eigentlichen Thema ist hier glaube ich mittlerweile (fast) alles gesagt. Nur noch soviel zum Vergleich Deutschland-England: Die Engländer denken keineswegs anders als die Deutschen. Die bekommen nur von klein auf eingetrichtert, dass Emotionen in der Öffentlichkeit zeigen „unhöflich“ ist und mauern sich eine ordentliche Fassade auf. (Um hier jetzt mal ganz grob zu pauschalisieren und zu überzeichnen.) Der Engländer fühlt im Zweifelsfall also genauso mitleidig-herablassend, zeigt es nur nicht nach außen. Da kann man jetzt drüber diskutieren, ob das die Sache besser macht… „echte“ Verhaltensänderung kommt auf diesem Wege jedenfalls nicht zustande. Wer mitleidig-herablassend fühlt und das zeigt – und daraufhin eine entsprechende Reaktion bekommt, mehrfach – der wird sein eigenes Verhalten wahrscheinlich schon in Zukunft überdenken. Wir sind ja alle, zumindest auf dem Papier, lernfähig.
Ah ja…
All den Nicht-Behinderten hier, in ihrer überschäumenden Güte und Nächstenliebe, kann ich nur empfehlen, einmal einen Selbstversuch zu machen und sich in einen Rollstuhl zu setzen oder mit einem weissen Stock durch die Strassen zu gehen. Urteilt nicht über etwas, wovon ihr nichts verstehen könnt.
sag mal Heiko ist dir in den Sinn gekommen der Frau einfach deinen Standpunkt zu erklären? Das du z.B. in der Bahn auch gern mal stehst kann sie nun ja nicht wissen. Im Nachhinein versuchen zu analysieren warum sie immer wieder gefragt hat ist nicht so einfach. Das kann ja auch ein „der ist zu stolz sich von einer alten Frau helfen zu lassen, so wie der Egon früher, den musste man auch immer 5x fragen bevor er Hilfe angenommen hat“ sein.
Diese Selbstgerechtigkeit stinkt schon ganz schön. Findest du nicht auch?
„Ist das gewollt ?“
Die Frage ist schonmal ungünstig gestellt, denn einige wenige behinderte Menschen sprechen ja nicht für alle.
Aber zu Ihrer Unsicherheit: Hat sich schon einmal jemand bei Ihnen persönlich über Ihr Verhalten beschwert? Wenn nicht, warum fühlen Sie sich denn angesprochen?
Der Artikel und die meisten Kommentare sagen doch ganz klar: Hilfe anbieten ist gut, Hilfe aufdrängen ist schlecht. Anscheinend sind Sie mit Ihrem üblichen Verhalten bisher gut gefahren, also ist doch alles prima. Wo Sie hier die Botschaft „am Besten ganz ignorieren“ sehen, ist mir schleierhaft…
„Die Unsicherheit könnte — längerfristig — recht einfach beseitigt werden: Holt Behinderte in die Schulen!“
Richtig, aber am besten nicht nur für „Besuchstage“, sondern als Mitschüler! Durch alltägliches Zusammensein lernen gerade Kinder viel mehr als durch bloßes Erzählen.
In meinem Jugendorchester gab es zwei blinde Musiker, außerdem verbrachten wir unsere jährlichen Orchersterfreizeiten mit einem Chor für Blinde und Sehbehinderte. Für vier Tage im Jahr lebten wir mit den Chormitgliedern in einer Jugendherberge zusammen. Der dadurch gewonnene Einblick in die Lebenswelt blinder Menschen hat mir mehr gebracht als alle Vorträge meines Lebens.
Ich lebe als Weißer in einer Gegend, in der ich ohne Zweifel eine mickrige Minderheit bilde (ja Singular, ich habe noch keinen anderen Weißen hier aus einem Haus kommen gesehen). Jetzt, da mich eine Cousine besucht, kommt es verhäuft vor, dass wir eine Sonderbehandlung bekommen, die auch einfach nur nervt. Man spricht auf einmal mit mir nur noch Englisch und eine Frau (60+) fragte im Vorbeigehen sogar: „Are you lost in Cerro Viento?“
Ich möchte mich hier einleben und gebe mir alle Mühe die Mundart zu erlernen. Das hilft nicht. Und nervt tierisch. Trotzdem habe ich dieser Frau wie auch allen anderen höflich und auf Englisch geantwortet, weil es niemandem geholfen hätte, sie zu verstören.
Genauso hätte man es doch auch hier halten können. Das Problem dreht sich doch nicht um Behinderung, sondern darum, dass es Städter grundsätzlich als Übertritt empfinden von Fremden angesprochen zu werden. Vielleicht hat man wenig von solchen Gesprächen, aber die Welt wird für das Gegenüber ein bisschen freundlicher und man selbst kann seine Höflichkeit trainieren. Und kommunikationstechnisch lernt das Gegenüber auch noch mehr aus dem komischen Gefühl, vielleicht gerade zu weit gegangen zu sein, als aus einer schroffen Abweisung.
Mir fällt zu Ihrem Posting nur eines ein: Lesen Sie es bitte noch einmal und Sie werden feststellen, dass sich nich über angebotene Hilfe beschwert wurde, sondern über das Nicht-Akzeptieren eines freundlichen ausgesprochenen „Nein“.
ICH mag es auch nicht, wenn ich etwas tragen will und es wird mir aus der Hand gerissen mit den Worten: „Nein lass nur, ich mach das schon!“.
Das hat meines Erachtens nach auch mit gegenseitigem Respekt und Wahrung der Privatsphäre zu tun.
MfG,
Julia M.
Wieder einer, der NICHTS verstanden hat!
1. Ja, es IST herablassend, wenn jemand TROTZ der Aufforderung, das zu unterlassen, weiter „hilft“! Nein, es ist nicht nur herablassend, es KANN sogar strafrechtlich relevant sein!
2. Der Vergleich mit der Vergewaltigung ist vielleicht etwas überzogen, aber tendenziell korrekt. Eine Vergewaltigung ist eine schwere Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung eines Menschen. Und auch in den beschriebenen Situationen kann es zu Straftaten gegen die Selbstbestimmung behinderter Menschen kommen. Wenn jemand einen Rollstuhlfahrer oder blinden Menschen irgendwo hinzerrt/-schiebt, wo er nicht hin will oder obwohl er das nicht möchte, ist das, zumindest wenn er MEHRFACH aufgefordert wurde, das zu lassen, versuchte Nötigung mit einer Tendenz zur versuchten Freiheitsberaubung! Ich habe das x-mal im Leben erlebt und mir geschworen, das nächste Mal Strafanzeige zu erstatten! Da kann sich auch niemand rausreden, indem er sagt, er habe doch nur helfen wollen, wenn er MEHRFACH aufgefordert wurde, sein handeln zu unterlassen und es dennoch NICHT unterläßt! Das ist dann glasklarer Vorsatz!
Wenn mich jemand dank seiner „Hilfe“ aus dem Rollstuhl zu kippen droht und das auch nach MEHRFACHER Aufforderung nicht unterläßt, ist das versuchte Körperverletzung! Auch hier kann sich der Betreffende NICHT mit seiner Hilfsbereitschaft rausreden, weil er MEHRFACH aufgefordert wurde, es zu lassen! Auch in so einem Fall liegt dann glasklar Vorsatz vor, weil derjenige über die Gefährlichkeit seines Tuns aufgeklärt wurde!
Ich finde, du solltest noch einmal gründlich darüber nachdenken, ob nicht auch behinderte Menschen ein Recht auf körperliche Unversehrtheit und freie Entfaltung haben, oder ob sie dieses Recht – wie du hier quasi forderst – gefälligst aufzugeben haben, damit andere ihre „Güte“ und „Hilfsbereitschaft“ austoben können!
Ich gebe dir prinzipiell recht, daß man Menschen aufklären sollte. Die Aufklärung besteht aber schon in dem Satz „Nein danke, ich kann das allein!“. Dann ist die jeweilige „Hilfe“ erst einmal zu UNTERLASSEN! PUNKT! Alles andere kann DANACH folgen! Aber wenn jemand TROTZ – mehrfacher – Aufforderung seine Versuche zu „helfen“ nicht unterläßt, der hat sein Recht auf Aufklärung verwirkt. Da muß man mit dem Holzhammer kommen!
Entschuldigung, das kann ich nicht nachvollziehen.
Natürlich kann man aufklären, mal.
Aber jeden Tag? Ein ganzes Leben lang? Warum? Etwas, das man sich nicht ausgesucht hat? Das sei ja, als müsse man tagtäglich erklären, warum man nicht mit Rechts, sondern mit Links unterschreibt …
Ich kann den Unmut des Autors schon nachvollziehen und Wut ist eine wichtige Emotion, die man einfach zugestehen muss.
MfG,
Julia M.
Ist es immer Mitleid?
Oftmals bestimmt aber manchmal versuchen Menschen auch nur irgendwie zu reagieren ( meist ziemlich unbeholfen, sicher ) ohne „wegzusehen“. Sie versuchen auf ihre Weise „damit“ umzugehen, was bestimmt nicht immer leicht ist. Will sagen, viele interessieren sich, suchen auch das Gespräch, nur wissen sie eben oftmals nicht wie und ehrlich gesagt, wusste ich das früher auch nicht zu tun, ohne, dass ich irgendwie „befangen“ wirkte.
Anfänglich hatte ich da auch so meine Mühe damit, selbst im Fokus zu stehen aber heute verurteile ich nur noch die, die Behinderungen ignorieren. In ihrer Ignoranz beispielsweise Behindertenparkplätze blockieren und auch noch beleidigt spielen, wenn man sie daraufhin anspricht.
Na, dann fang ich mal an zu basteln:
– einen Zettel, dass ich trotz meiner Hautfarbe die Landessprache spreche, Englisch nicht meine Muttersprache ist und ich kein Taxi brauche
– einen, dass ich weiß, dass ich 20kg über dem Idealgewicht liege und mich darüber freuen würde, wenn in meinem Stadtteil endlich einmal Sportstätten geschaffen würden, die auch nach der Arbeit noch benutzt werden können
– noch einen, dass ich auch weiß, dass Schwimmen mit T-Shirt lächerlich aussieht, dass ich aber ohne dunkles Oberteil in der Karibiksonne direkt ohne Umweg über braun von weiß zu rot zu weiß (in Fetzen) gehe
– und vielleicht noch einen…
Ich werde mir direkt eine Tasche kaufen, in der ich die alle mit mir rumschleppen kann.
Wirklich hervorragende PR – für die Tasche. Die braucht nämlich dann jeder.
Zeigt aber sehr schön wie gleich wir alle sind. Die Gesellschaft hat scheinbar auf dem Weg von erzwungener Integration hin zur gleichberechtigten Inklusion einen ordentlichen Schritt gemacht. Wir/Ihr/Alle sind MIT. Wer leiden will, entscheidet das für sich.
Großes Lob an Heiko. Der beste Blogpost im Netz seit langer Zeit. Mit einem konstruktiven Kommentarteil, der fast ausnahmslos sehr lesenswert ist.
„nur eine Situation beschrieben“ … und davon gibt es sicherlich einige andere mehr. Wenn man das „Kind beim Namen“ nennen würde müsste man aber auch sagen das wir alle in einer recht scheinheiligen Gesellschaft leben was weniger mit Ellenbogen Gesellschaft zu tun haben mag sondern viel mehr vll. mit einem immer heftiger werdenden Überlebenskampf.
Ich bin wohl nicht alleine, da andere auch schon ähnliche Assoziationen hier geschrieben haben:
Nein heißt nein.
„Ach komm, du willst es doch auch, es wird dir Spaß machen.“
Die Frau war scheiße. Ihre eigenen Wünsche auf andere zu projizieren und dann versuchen sie trotz eines Neins dazu zu kriegen diese Wünsche zu befriedigen.
Und hinterher auch noch behaupten man hätte es gut gemeint – Ekelhaft!
Nein wäre es nicht, es geht darum das man bestimmte Dinge einfach mal akzeptieren muss oder sie wenn sich die Situation ergibt klärt.
Es geht darum, wie man Leute über ein Thema informieren kann, dass ekinem am Herzen liegt, über dass diese aber nichts wissen.
Polemik prallt übrigens an mir ab.
Es geht darum, wie man Leute über ein Thema informieren kann, dass ekinem am Herzen liegt, über dass diese aber nichts wissen.
Wenn es einem am Herzen liegt, kann man darüber sprechen. Ansonsten lässt man dir Leute laufen. Wofür der Zettel? Meinen Sie nicht auch, dass der etwas seltsam ankäme, wenn er denn nicht direkt ungelesen in den Papierkorb wanderte?
Polemik prallt übrigens an mir ab.
Schade, dabei kann man mit ihr soviel Spaß haben.
„Ich finde, du solltest noch einmal gründlich darüber nachdenken, ob nicht auch behinderte Menschen ein Recht auf körperliche Unversehrtheit und freie Entfaltung haben, oder ob sie dieses Recht – wie du hier quasi forderst – gefälligst aufzugeben haben, damit andere ihre ‘Güte’ und ‘Hilfsbereitschaft’ austoben können!“
Ich bin kein großer Fan von Flamewars, und will hier auch keinen anfangen, aber: spinnst du? Sowas habe ich nie gefordert, auch nicht „quasi“! Wenn wir hier mit juristischem Vokabular um uns werfen wollen, werfe ich gleich mal mit Verleumdung und übler Nachrede.
Und ob dein Vergleich von „ungewollte Hilfe“ und einer Vergewaltigung „tendenziell korrekt“ ist, lasse ich Dich gerne mit einer Vergewaltigten Frau ausdiskutieren. Gib mir deine E-Mail-Adresse und ich gucke mal, ob ich nicht eine Gesprächspartnerin finde, die dir erklären möchte, wie asozial diese Aussage ist.
Nochmal zum Kern meiner Aussage: anstatt Menschen böse Absichten zu unterstellen, sollte man sich klar machen, dass die Meisten nicht aus Boshaftigkeit handeln sondern aus Güte.
Wenn du jemanden, der dir an den Rollstuhl packt um dir beim aussteigen aus der Bahn zu helfen anzeigst, anstatt ihm zu erklären, dass er das bitte lassen soll…
Wenn jemand trotz deiner Erklärungen und Ausführungen deine Gesundheit gefährdet – zeig ihn meinetwegen an…
Und jetzt nochmal zum Abschluss: ich kann euren Unmut darüber, dass die Leute herablassend handeln nachvollziehen. Was ich nicht nachvollziehen kann, ist dass ihr Menschen die helfen wollen unterstellt sie wären das verkörperte Böse!
Wer nicht erklärt kann sich meiner Meinung nach nicht über Unwissenheit beklagen.
Der Vergleich mit Linkshändern hinkt. Erstens gibt es weitaus mehr Linkshänder als Blinde und Sehbehinderte in Deutschland (15% vs 1,5%). Zweitens kann ich mir besser vorstellen, wie es ist mit Links zu unterschreiben, als ohne den Sehsinn durch’s Leben kommen zu müssen (es gibt also weniger Bedarf an Aufklärungsarbeit).
Ich habe solche Zettel im Visitenkarten-Format um Unwissenden zu erklären, warum ich eine elektronische Zigarette rauche, anstatt einer normalen. Wenn ich mal keine Lust habe, den Leuten das zu erklären. Die Dinger kommen gut an.
Dem Autor des Blogposts liegt das Thema übrigens allem Anschein nach am Herzen, sonst würde er keine PR-Arbeit für einen Blindenverband machen. Trotzdem will er manchmal nicht darüber sprechen. Desweiteren gab es Beispiele hier in den Kommentaren, in denen keine Zeit für eine ausführliche Erklärung bleibt.
„Gib mir deine E-Mail-Adresse und ich gucke mal, ob ich nicht eine Gesprächspartnerin finde, die dir erklären möchte, wie asozial diese Aussage ist.“
Nicht nötig. Ich kenne leider Opfer sexueller Gewalt – und die teilen meine Meinung, weil sie sich dessen bewußt sind, daß es sich in dem Fall ebenfalls um eine Grenzüberschreitung handelt. Die Grenzüberschreitung bei sexuellen Übergriffen ist ohne Frage deutlich massiver, aber jemanden ohne sexuelle Motive anzufassen und ihn irgendwo hinzuzerren oder zu schieben, ist ebenfalls eine nicht unbeachtliche Grenzüberschreitung – die wohl nur der nachvollziehen kann, der sie erlebt hat. Sie hat mit sexuellen Übergriffen gemein, daß sie mitunter einen kompletten Kontrollverlust darstellt, weil man sich nicht dagegen wehren kann. Diese Leute, die einem gegen den eigenen Willen „helfen“ versetzen einen somit in den Zustand totaler HILFLOSIGKEIT! Schon mal darüber nachgedacht? Nein? Dann tu das. Und dann würde mich interessieren, ob du den Vergleich immer noch asozial findest.
„Was ich nicht nachvollziehen kann, ist dass ihr Menschen die helfen wollen unterstellt sie wären das verkörperte Böse!“
Es handelt sich eben nicht mehr um „Hilfe“! Begreif das doch endlich! Es handelt sich um das Zufügen eines massiven Kontrollverlusts! Das Geheimnis, was das Zufügen eines massiven Kontrollverlusts mit Güte zu tun hat, wirst du wohl mit ins Grab nehmen.
OK, Alex, dein beispielhafter Fall wo ein armer Rollstuhlfahrer gegen seinen Willen von einem Fremden weggerollt wird stellt eine Ausnahme da.
Wohl gemerkt eine Ausnahme, die ich in meinem Kommentar nicht gemeint habe.
Es ändert nichts daran, dass sowohl der Autor des Blogposts als auch andere Kommentatoren hier Leuten böse Absichten unterstellt haben, die nur (teilweise mehrfach) ihre Hilfe angeboten haben.
Dein Vergleich mit einer Vergewaltigung halte immer noch für asozial. Und an Rollstuhlfahrer die sich, nachdem sie von jemandem gegen ihren Willen aus der S-Bahn geschoben wurden nicht mehr aus dem Haus trauen oder sogar das Leben nehmen glaube ich irgendwie nicht.
Keine Seite ist besser als die andere… sowohl zu viel als auch zu wenig, ungewollte als auch unterlassene Hilfe können vergleichbaren Schaden anrichten. Was sich ändert ist nur die Art des Schadens.
Es heisst nicht umsonst „Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht“.
„OK, Alex, dein beispielhafter Fall wo ein armer Rollstuhlfahrer gegen seinen Willen von einem Fremden weggerollt wird stellt eine Ausnahme da.“
1. von arm war nicht die Rede.
2. Wie du zu der Aussage kommst, das stelle eine Ausnahme dar, kann ich aus meiner eigenen Lebenserfahrung nicht nachvollziehen. Für mich ist das keine Ausnahme, sondern Alltag. Mich fassen ständig Leute an, die mir „helfen“ wollen, meist ohne zu fragen und auch gegen den erklärten Willen. Ich würde sogar sagen, daß solche Vorfälle nicht die Ausnahme, sondern zumindest in meinem Fall einen nicht geringen Prozentsatz der „Hilfsversuche“ darstellen. Ich habe dabei auch durchaus schon Situationen erlebt, die bedrohlich waren.
3. Wie das auf Betroffenene wirkt, kannst du nicht im Geringsten beurteilen und mußt du ihnen dann doch selbst überlassen.
Noch einmal: Die Intensität der Grenzüberschreitung bei sexueller Gewalt ist deutlich massiver. Das habe ich nie in Frage gestellt. Aber beide Situationen haben gemeinsam, daß es sich um Grenzüberschreitungen handelt. Und Grenzüberschreitungen – gleich welcher Art – haben nie was mit „Güte“ zu tun.
Interessanter Post.
Ich glaube, es ist ein schmaler Grat zwischen Hilfsbereitschaft und „Herabstufung durch (falsches) Mitleid“. Dieser Vorfall zeigt, dass die Allgemeinheit viel zu wenig darüber weiß und deshalb wohl entweder in die eine oder andere Richtung extrem reagiert.
Bin gerade über WordPress auf deinen Blog gelangt. Sitze selbst seit 2 Jahren im Rollstuhl und dein Titel Klang interessant und ich dachte mir, gut liest dus dir mal durch. Und ich kann nur sagen: Dass du genau das aufgeschriebn hast was mir jeden Tag auf dem Weg zur schule mitm bus durchn Kopf geht. Und in diesem Sinne, Danke!
Es wird mir langsam ein bissl blöd mit dir, da du scheinbar drauf aus bist, alles in den falschen Hals zu bekommen, aber ok:
Zu…
…1) Mir tut das leid, wenn sowas passiert. Aber das drehst du mir gleich wahrscheinlich zu herablassendem Verhalten. Ich tadele mich dafür selbst…
…2) Das jemand gegen seinen Willen verschleppt wird stellt eine Ausnahme von meiner Vermutung da, dass in den meisten Fällen, die hier in den Kommentaren genannt wurden Güte das vorwiegende Motiv war, dass m.M.n. so schwer wiegt, dass man über kleinere Verfehlungen hinwegsehen sollte.
…3) wie das auf mich wirkt, solltest du mir dann aber auch selbst überlassen. Mich dafür zu kritisieren, dass ich den Autor dafür kritisiere, dass er andere Menschen kritisiert ist irgendwie lächerlich.
Und zu deinem letzten Punkt: Alles was in die persönlichen Freiheiten von Menschen eingreift ist eine Grenzüberschreitung (um genau zu sein, überschreitet jede illegale Handlung irgendwelche Grenzen). Trotzdem würde ich nicht auf die Idee kommen irgendwelche Straftaten oder anderweitige Verfehlungen mit Vergewaltigungen zu vergleichen. Sowas macht man einfach nicht, wenn man sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat (ich glaube dir übrigens nicht, dass dir wirklich eine misshandelte Frau gesagt hat, dass einen Rollstuhlfahrer irgendwohin schieben ernsthafte Gemeinsamkeiten mit dem hat, was ihr passiert ist).
Aber ich denke, das weisst du. Du hast den Vergleich offenbar bewusst als Provokation eingesetzt (das meinte ich auch mit „asozial“).
Und jetzt nochmal zum Mitschreiben: Ich meine nicht, dass es etwas mit Güte zu tun hat, wenn jemand einen Rollstuhlfahrer gegen seinen ausdrücklich artikulierten Willen irgendwo hin bewegt.
Ich meinte, dass z.B. die alte Frau die in dem Blogpost erwähnt wird aus reiner Güte gehandelt haben wird, und eher nicht weil sie Dankbarkeit erwartet, für etwas was niemand wirklich wollte. Auch vermute ich, dass die Leute, die jemandem, der ein Bein im Gips hat seinen Schlüssel aufheben ihm sicherlich nur helfen wollten.
Aber ich bin mir sicher, auch das weisst du mittlerweile. Du stänkerst einfach nur gerne weiter…
Ich stänkere nicht. Ich akzeptiere deine Vorwürfe nur nicht. Ich ha die Praxiserfahrung, die dir fehlt.
zu 2. von „verschleppt“ war nie die Rede. Aber es geht hier um Dinge, die du dir persönlich sicher verbitten würdest. Oder wie würdest du reagieren, wenn dich jemand an beliebigen Stellen anfassen würde? Mir ist es schon mehr als einmal passiert, daß mir jemand beim Versuch, meinen Rollstuhl irgendwo reinzuschieben, zwischen die Beine gegriffen hat.
Der Verrgewaltigungsvergleich kam übrigens gar nicht von mir, sondern von mehreren Frauen hier. Ich hab lediglich gesagt, daß man das, was man teilweise mit mir auf offener Straße macht, bei einer nichtbehinderten Frau als potentielle Sexualstraftat auslegen würde. Und das ist Fakt. Das kommt nämlich nicht von mir, sondern von einer nichtbehinderten Frau, mit der ich mich mal über das Thema unterhalten habe.
Daß du mir Stänkerei vorwirfst, zeugt letztlich nur von einer himmelschreienden Arroganz gegenüber meinen Alltagserfahrungen. Bemerkungen wie „ich bin mir sicher, das weißt du“ und „ich glaube dir nicht“ verstärken den Eindruck nur noch. Leb ruhig weiter in deiner Welt. Meine sieht leider etwas anders aus, als du sie dir ausmalst. Und damit EOD.
Du kapierst es wirklich nicht, oder? Ich habe dir bereits recht gegeben! Das was du beschreibst hat mit Güte wirklich nichts zu tun, und das wollte ich auch niemals behaupten!
Pingback: links for 2010-08-24 | Too much information
Pingback: Linkliste | Links und Liberal
Finde ich nicht, überhaupt nicht.
Sorry, mein Beitrag gehört höher unter den von Ali…
Bisschen verzwickt, das mit den verschachtelten Kommentaren.
Finde ich aber schon. Diese Arroganz à la („IHR habt sowieso keine Ahnung“) trägt absolut nicht dazu bei, dass sich Kommunikationspartner auf Augenhöhe begegnen.
Pingback: Fragwürdig? « Frau Neunmalklugs Gedankenkram
Tja Heiko,
was mich ankotzt, und ich sage das so ehrlich, weil es dein ausdrücklicher Wunsch ist, ist in diesem Fall mal DEINE Überheblichkeit.
Anstatt die arme ältere Dame mit einem lachsen „Nein danke, das geht schon.“ abzuspeisen hättest du dir ruhig mal die Zeit nehmen können ihr deine gelebte Selbstständigkeit zu erläutern. Ich kann mir vorstellen, dass viele ältere Menschen in unserer immer schneller werdenden Zeit selber manchmal Probleme haben mitzukommen. Vielleich ging es ihr ja genauso, und vielleicht kann sie sich ja nicht im geringsten vorstellen wie sie mit einem Verlust des Sehvermögens überaupt zurecht kommen könnte. Ein „… das geht schon…“ ist für mich immer ein Grund nochmal nachzuhaken, weil es mich nie besonders überzeugt! Eventuell wäre eine kurze Erklärung, wie du die Tür lokalisierst für sie von solchem Interesse gewesen, dass sie am Abend noch hrem Enkel davon erzählt hätte. „Stell dir vor Bub, der junge Mann konnte die Tür finden nur durch sein Gehör! Wahnsinn!“
Und wenn mir jemand einen Platz anbietet obwohl 8 Stühle im Zimmer frei sind und ich nach einer längeren Autofahrt lieber stehe, dann sage ich das auch immer dazu, und gehe nicht davon aus, dass er sich das ja bestimmt denken kann.
Ich sage nicht: IHR habt keine Ahnung. Ich sage: WIR haben keine Ahnung.
Und ich sage: WIR sollen nicht URTEILEN!
Wir befinden uns miteinander schon auf Augenhöhe.
„Urteilt nicht über etwas, wovon ihr nichts verstehen könnt.“
So?
Ist das falsch?
Also ich finde, man kann es Menschen mit Behinderung irgendwie nicht recht machen. Bietet man Hilfe an, ist man ein heuchlerischer Arsch, tut man es nicht ist man überheblich. Treffen sich zufällig die Blicke, starrt man den behinderten an, sieht man grad wo anders hin bist du der doofe „extra weggucker“. Es gibt zig Beiträge welche jeweils Hü oder Hott wollen.
Ich forder hier einfach mal mehr Toleranz auf beiden Seiten ein, bin aber ganz sicher das es sowas nicht geben wird.
Menschen mit Behinderung sind für „Normalos“ immer etwas ungewöhnliches, womit man nicht recht umzugehen weiß da man hier selten Erfahrungen sammeln konnte (Hi, Alien).
Die Verhaltensforschung sagt hier glaube ich, dass das Hirn in einer solche Situation einen Vergleich sucht, und die Reaktion sich an diesem orientiert.
Ich sehe auf das Beispiel bezogen den blinden Jungen aus einem Praktikum , der Paprika 3x so schnell schneidet wie ich. Andere sehen sich selbst, wie sie nachts auf dem Weg zum Klo jeden Schrank mitnehmen. Die Reaktionen fallen dementsprechend anders aus.
Aber, laut Comment, verstehst du ja sogar die Dame. Daher ist es für mich schon unterste Schublade hier so über sie zu schreiben.
Zumal es von ihr sicherlich nicht geheuchelt war. Sie ist vielleicht in selben Situation und benötigt bei einigen dingen Hilfe. Und älter Menschen müssen diese Hilfe oft einfordern.
Für sie, für die „alte Schule“ generell, war dieses Verhalten eher eine Selbstverständlichkeit.
Nur weil du gerade einen Arschloch-Tag hattest, und dein verpiss dich Schild vergessen hast, ist das Verhalten der Dame noch lange nicht schlecht oder falsch.
Zumal es so bestimmt besser ist, als wenn dir irgendwelche Checker Sachen in den Weg legen „boah Krass altaaaa!“
Ich antworte hier mal drauf, weil’s langsam eng wird. Dieser Satz ist eine Unverschämtheit sondergleichen. Hier wird einfach mal pauschal die Fähigkeit aberkannt, sich in die Lage von anderen Menschen, in dem Fall Behinderten, hineinzuversetzen. So kann natürlich keine zum Nachdenken anregende Diskussion entstehen.
Es gibt einen feinen Unterschied zwischen dem respektvollen Austausch miteinander und dem (wertenden) Urteil! Wenn ich sage: Ihr sollt nicht urteilen, dann bedeutet das nicht, dass ich mich über irgendwen stelle, denn ich spreche aus ebendieser Gewissheit, dass ich selbst keine Ahnung davon habe ein Leben mit Behinderung zu führen und zweitens an allererster Stelle mir selbst verbiete, zu urteilen!
In dieser Diskussion wird offenbar, dass diejenigen, die am lautesten schreien, die schlechtesten Zuhörer (bzw Leser) sind.
Fortsetzung unten.
Und zu glauben, man könne sich in jemanden hineinversetzen, berechtigt einen zu urteilen? Ich sage Dir etwas: Das ist Arroganz!
Bei dem ersten Absatz musste ich jetzt aber gehörig lachen.
Natürlich verhalten sich die Menschen unterschiedlich. Sicher wird kaum ein Behinderter behaupten, man starre ihn an, nur weil sich gerade die Blicke kreuzen. Aber wenn man 20 Minuten angestarrt wird, dann nervt das ungemein. Ebenso die Extra-Weggucker, die konsequent stur in die andere Richtung gucken. Es sind eben die Extreme, die besonders negativ auffallen. Im Blogeintrag ging’s um die Oma, die ums Verrecken nicht die Klappe halten wollte.
Nur weil du glaubst, keine Ahnung zu haben, solltest du das nicht gleich anderen vorwerfen. Wir können den Menschen schließlich nicht in die Köpfe gucken. Also sei mit solchen Urteilen vorsichtig.
Scheinst es langsam zu begreifen. Nimm Dir noch mal ein paar Minuten zum Nachdenken.
Wie sollen wir uns sonst Urteile erlauben, wenn nicht durch unsere Erfahrungen mit anderen Menschen und vor allem durch unsere Fähigkeit, uns in andere hineinzuversetzen? Aufgrund deiner Postings erlaube ich mir z.B. das Urteil, dass du eine rechthaberische Klugscheißerin bist. Du hast dir auch ein Urteil über jene erlaubt, die glauben Urteile aufgrund ihrer Fähigkeit, sich in andere hineinversetzen zu können, fällen zu können, nämlich mit dem Vorwurf der Arroganz. So what? Die Welt dreht sich weiter. Ganz nebenbei ist es schwach von dir, von anderen einen Selbstversuch im Rollstuhl zu verlangen, nur um dann zu befinden: Ahnung habt ihr trotzdem nicht.
Mittlerweile wurde alles gesagt. Vielleicht noch nicht von jedem, aber ich klink mich jetzt aus. Ich glaub nämlich, dass wir mittlerweile an einem toten Punkt angekommen sind.
Lies mein letztes Posting dazu.
Wir sollen GARNICHT urteilen. Man muss nicht alles bewerten! Man kann auch respektvoll miteinander reden.
Hallo Heiko,
tut mir leid, aber irgendwie fühle ich mich von dir beschimpft.
Muss ich jetzt behindert sein um Behinderte zu verstehen?
Ehrlich gesagt, weiß man oft gar nicht wie man sich verhalten soll.
Ansprechen tue ich sowieso niemanden, der nicht in einer hilflosen Situation ist, behindert oder nicht behindert. Ebenso vermeide ich es Leute, die nicht der allgemeinen Schönheitsnorm entsprechen anzustarren.
Aber dein Artikel gibt mir nicht gerade Sicherheit behinderten Menschen zu begegnen, ohne dass sie in mir so eine Verhaltensunsicherheit oder gar ein schlechtes Gewissen hervorrufen, weil ich mich gerade gedanklich versuche in ihre Lage zu versetzen.
Was die alte Dame betrift, da vermute ich, dass sie auch einem Nichtbehinderten eventuell ganz schön auf den Keks gehen könnte. Es gibt halt eben solche und solche Menschen hüben wie drüben. Drüben sind sie dir vielleicht nur noch nicht begegnet.
LG Gisela
Trotzdem vielen Dank für das lehrreiche Gespräch.
Verstehe den Frust.
Umgekehrt wird aber auch kein tolles Leben draus. Bin mit meiner Freundin einmal auf der Straße spaziert, als uns ein Blinder entgegen kam. Er steuerte vor einem Supermarkt direkt auf ein Stehplakat zu. Ich dachte mir damals, der werde das schon gewöhnt sein und mit dem Stecken ertasten .
Nun ja, er ertastete es nicht, donnerte voll rein, fluchte wie ein Rohrspatz und hat sich dadurch sicher weder besser noch sicherer im Straßenverkehr gefühlt. Soll ich einem Blinden jetzt das nächste Mal sicherheitshalber zurufen „Vorsicht, da vorn kommt ein Plakat“ in der Gefahr ihn zu nerven oder zu entmündigen, oder darauf vertrauen, dass er es eh von selbst findet?
Es gibt da schlicht keine klaren Handlungsmöglichkeiten. Wie mans macht, kann es falsch sein.
Ich weiß weder, was genau mit einer Behinderung möglich ist, noch womit jetzt dieser konkrete Mensch Probleme im Alltag haben könnte, noch auf welche Unvorhergesehenheiten diese Person nun vorbereitet ist, und auf welche nicht.
Drum wäre meine Empfehlung, gegenüber zu empathischen oder hilfsbereiten Menschen geduldig zu bleiben – auch wenn es weh tut unterschätzt zu werden (hey, das Problem kennen auch Nicht-Blinde
). Es gibt immerhin wahrlich schlimmere Eigenschaften, denen man im täglichen Leben begegnet.
Meiner Meinung nach haben sich da zwei Menschen getroffen und keiner kann sich in den anderen hineinversetzen. Ihre aus deiner Sicht naive Frage, ob das wieder wegginge, zeigt dir doch, welches Verständnis sie von deiner Behinderung hat. Offenbar wenig. Also kann sie auch nicht riechen oder sich vorstellen, dass du dich im Alltag sehr gut zurecht findest. So wie es sich liest, hast du die Frau aber auch nicht darüber aufgeklärt, dass Blindheit nicht bedeutet, nur zuhause hocken zu müssen. Insofern wird sie solange Blinde mit ihrer Bettelei nach Dankbarkeit herabwürdigen, bis ihr einer sagt, was Sache ist.
Ich denke, man kann ganz gut sehen, ob jemand eventuell Hilfe benötigt, oder ob es auch alleine geht. Die Frage, ob man helfen kann ist denke ich selten verkehrt, solange man das Nein akzeptiert. Dann ist das m.E. genauso aufdringlich wie das Fragen nach der Uhrzeit.
Hallo, ich bin auch so eine böse Blinde die es wagt, sich gegen Grenzüberschreitung und auch Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt zu wehren
Das Problem ist die Grenzüberschreitung an sich: Ob nun meine Omma in die Kindererziehung reinredet oder noch mehr Essen auf den Teller legt, obwohl Enkel sagt ES REICHT, oder gütige junge Männer einfach den Kinderwagen einer Frau anpacken und ihn wegtragen oder nen Koffer tragen obwohl die Frau es NICHT will, alles ist verwerflich, ja ich benutze dieses Wort bewusst. Wenn jemand eine Grenze nicht einhält, sei es sexuell, gepäck- oder kinderwagenlogistisch oder Menschen mit Behinderung gegenüber, macht er einen Fehler. Die Kunst hierbei ist aber, dann auch zuzuhören, wenn das Gegenüber, egal ob mit oder ohne Behinderung, auf den Fehler hinweist, und einzugestehen, einen gemacht zu haben. Ich habe es auch schon umgekehrt erlebt, dass ich solchen Aufdrängern auch SAGEN konnte, dass sie welche sind, sie mich fragten warum, ich es ERKLÄREN konnte, und sie tatsächlich darüber nachdachten.
Und nochmal: WENN jemand Selbstbewusstsein hat und mit seiner Blindheit klarkommt, ist es Heiko, wer dem selbstmitleid unterstellt, IRRT.
DER ist nämlich tough und hat sein Leben verdammt gut im Griff. vielleicht anders, als andere s gern hätten…
Was ich aber echt erschreckend finde ist, dass halt schnell gesagt wird, dass er jammert, wenn er SEINE persönliche Grenze einfordert, naja ist ja auch einfacher, als sich mal damit auseinanderzusetzen, dass man selbst vielleicht falsch liegt….
Du wirfst der Frau Überheblichkeit vor, weil sie das Nein nicht akzeptieren kann oder will. Woher kennst du die Motivation der Frau? Vielleicht mangelt es ihr einfach an Erfahrung, aus der sie die Vermutung schöpfen könnte, dass man als Blinder eben nicht permanent auf Hilfe angewiesen ist. Ihr daher gleich Böses zu unterstellen finde ich nicht in Ordnung, zumal sich ältere Leute manchmal schwer davon abhalten lassen, einem zu helfen. Vielleicht handelt es sich auch nur um einen Generationenkonflikt. Hier zumzunölen anstatt die Frau aufzuklären ist allerdings auch nicht ideal.
Ach ja, und auch ich kenne Behinderte die mich kollosssal nerven und stressen…. eben aufgrund ihrer Verbitterung oder der Erwartungshaltung: „Och, die Nichtbehinderten werden mir schon helfen“, und wie sie es einfordern… Ich denke es gilt wie überall die Devise: Wie man in den Wald hineinruft, SO schallt es heraus.
Bei uns in Bayern gibt es einen Satz, der eigentlich alles zum Thema Respekt und Toleranz aussagt: „Leben und leben lassen“. Wenn jeder (auf sich) und auch (auf) andere achtet, sollte das Thema des Ursprungsbeitrags doch eigentlich gar keines sein?! Ich habe auch schon gefragt, ob ich helfen kann und die verneinende Antwort respektiert. Genauso wünsche ich mir es für mich.
echt jetzt? nur weil ich behindert bin, soll ich mich erklären müssen? nee, ne?
stell dir vor, du wirst vielleicht nur 10x am tag gefragt „kann ich helfen?“ und du meinst jedes mal einen sermon a la „nein, das geht ganz wunderbar, ich kann die tür nämlich orten, dann hab ich ja noch meinen stock und vielleicht nen hund und überhaupt gibt es blindenschrift und blablablabla…!“ vom stapel lassen zu müssen?!
mir ist manchmal das „gute morgen“ vor dem dritten kaffee noch zu viel gespräch…
es gibt wieviele millionen behinderter menschen in deutschland? weltweit? und da soll es die aufgabe jedes einzelnen betroffenen sein, nicht-behinderte mitbürger über das leben mit handicap informativ aufzuklären, wenn die nicht verstehen wollen, daß „nein“ NEIN heißt?
ääääääh – JA, klar……!!!
Hi,
ich höre auch oft „Ich weiss nicht wann du Hilfe brauchst“. Meine Antwort ist immer die gleiche, wenn ich Hilfe brauche frage ich, wenn ich nicht frage brauche ich keine Hilfe. Wer nicht fragt wenn er Hilfe braucht ist selbst Schuld oder wird lernen zu fragen.
Was geht einen wildfremden Menschen denn an, wie man mit seinem Leben klar kommt? Vielleicht komme ich ja gar nicht gut klar mit meinem Leben, benötige oder will aber trotzdem keine Hilfe? Wir sollten mitnichten „alle dankbar sein“, dass es Menschen gibt, die Grenzen überschreiten, selbst wenn sie deutlich darauf hingewiesen werden. Das hat nichts mit Interesse an seinen Mitmenschen zu tun.
Man kann sich auch über nichts aufregen. Möglicherweise war die Frau senil. Lieber Ich finde es toll, wen du in der vollen Fußgängerzone nach Hilfe suchst und die Leute einfach so an dir vorbeigehen, obwohl sie dich genau gesehen und gehört haben. Deine Probleme will ich mal haben.
Interessanter Text. Hab was gelernt und werd drauf achten, nicht zu nervig zu sein.
Alles Gute
Ich habe bisher noch nie Mitleid mit Menschen gehabt, die in irgendeiner Art und Weise eine Behinderung aufweisen und ich verstehe vollkommen, wenn man von Menschen genervt wird, die denken, dass man allein aufgrund der Behinderung mit dem Leben nicht zurecht kommt.
Aber ne alte Oma als Prügelknaben zu nehmen find ich mindestens genauso verkehrt und nervt mich ebenfalls. Omis oder Opis sollte man mit Nachsicht behandeln, nicht weil sie ebenfalls auf ihre Art und Weise behindert sind, sondern weil sie bereits ein langes Leben gelebt und gemeistert haben und dies Respekt gebürt. Und wenn du wirklich mehr Akzeptanz einfordern möchtest, bin ich mir sehr sicher, dass du mit dieser Art von Kommunikation auf geschlossene Ohren oder Mitleid stößt. Vielleicht wird die Oma die nächste Person nicht mehr fragen, aber hast du die Oma mit deinen ruppigen Antworten überzeugt, dass Menschen mit Behinderung selbst fähig sind? Keine Ahnung und man wird es wohl auch nicht heraus finden.
Er ist nicht behindert, er ist nur blind.
Mir wird auch mind. 10 mal am Tag etwas angeboten, dass ich auch ganz allein schaffen würde:
- Willst du auch einen Kaffee?
- Soll ich dir was vom Bäcker mitbringen?
- Geht´s mit der Kiste?
- Ich übernehme die Getränke!
- usw.
Das natürlich nur aus reiner Höflichkeit. Würde ich das aber immer ablehnen, eventuell noch leicht genervt, wär´s damit vermutlich aber schnell wieder vorbei. Und das wär auch schade.
Nebenbei, von einem Sermon bis hin zur Futtermarke des Blindenhunds war keine Rede!
Hi,
sicherlich verstehe ich deinen Wunsch nach Selbstständigkeit und Unabhängigkeit, allerdings halte ich deinen Weg der Kommunikation für schwierig. Mir sind zumindest Menschen, die ihre Hilfe anbieten allemal lieber, als Menschen, welche sich um nichts mehr kümmern.
Pingback: Ich bin gehandicapt – bitte helfen sie mir NICHT… « Heldin im Chaos
an die „Sie meint es doch gut, sei nachsichtig zu ihr“-Fraktion… allmählich weiß ich nicht mehr wie man s euch erklären soll… Heiko hat NIE den Umstand an sich kritisiert, dass die Dame helfen wollte, sondern DEN Umstand, dass sie nicht begreifen wollte, dass die Hilfe im Moment NICHT ERWÜNSCHT ist!!!!!! Wenn einer höflich ist, dann ists heiko, ich hätte der Frau ganz andere Dinge an den Kopf geworfen, wie ich mich Emotionsbombe kenne…..
Wir sollen alte Leute mit Respekt behandeln? GERN, wenn sie es bei uns auch tun, ich finde da einen Satz sehr gut, der shcon tausende von Jahren alt ist: „WAS DU nicht willst, das man dir tu’, das füg auch keinem andern zu!“
Das ist mehr eine Sache der richtigen Wortwahl:
Mitleid habe ich nur Bruchteile von Momenten. Danach setzt mein Verstand ein und aus Mitleid wird Empathie. Mitleid zementiert den Unterschied (DU BIST BEHINDERT), während Empathie ihn abbaut. Mit einer Portion Selbstreflektion wird daraus eben nicht noch mehr Mitleid („ich könnte so nicht leben“) sondern eher Respekt vor der „Leistung“.
Ein toller Artikel, der mehr als treffend zeigt, wie sich das anfühlen kann….
Bei mir sieht man nichts, außer, wenn das Laufen mal wieder nciht so klappt, und wenn die Leute, aus was für Gründen auch immer, dann mitbekommen, was los ist, ist die Reaktion oft sehr unterschiedlich.
Aber bei manchen merkt man, dass sie einen nicht mehr als „Person xy“, die unter anderem auch körperliche Probleme hat, sondern nur noch als „die mit Behinderung“ ansieht.
Und bei manchen fühlt man das Mitleid. Bei dem Verachtung mitinbegriffen ist, im Gegensatz zu Mitgefühl.
So richtig ist mir das erst aufgefallen, als mir jemand bei einer Sache Hilfe angeboten hat, ganz selbstverständlich, ohne irgendein Hintergefühl, und als ich es ablehnte, das genauso selbstverständlich annahm. Später erfuhr ich, er arbeitet oft mit Behinderten, das hat man gemerkt.
Hilfe anbieten – ja, gerne. Hilfe aufzwingen, Mitleid haben – nein. Das degradiert das Gegenüber, es ist herabwürdigend.
Das Sie ein Nein nicht akzeptiert war/ist bestimmt nicht richtig aber so darüber zu reden.
Das finde Ich zum kotzen ehrlich gesagt.
Sie konnte sich nicht dahinein versetzen, na und!!!
Sie hat es gut gemeint, deine Grenzen überschritten, aber Sie so abzukanzeln hat genauso Ihre Grenze überschritten.
Jetzt wird Sie noch weniger Verständniss haben und aufbringen können, das muss Sie aber um beim nächstenmal die Grenze des anderen zu akzeptieren zu können.
Man hätte es Ihr einfach und schnell erklären können.
Das muss man natürlich wollen, und erst dann ändert sich vielleicht etwas und erst dann muss dich das Mitleid der anderen auch nicht mehr ankotzen.
Ich bin auch Behindert nicht körperlich aber ich leide an einer tödlichen Krankheit .
Sorry das Ich das sage Ich hoffe das Ich nie mal so denke über die Hilfe auch falsches Mitleid meiner Mitmenschen, vielleicht bin ich dazu aber auch nicht Behindert genug oder krank oder frustriert genug.
Einen schlechten Tag gehabt?
Das ist schade.
Mitleid ist meistens nicht so toll und keine echte Hilfe!
Es ist auch immer mühselig zu spekulieren und sicherlich hat man ein „nein“ zu akzeptieren, wenn es geäussert wird.
Dennoch kommen solche Situationen meistens mit älteren Menschen vor.
Ich denke aber auch man darf hinterher darüber nachdenken warum etwas gekommen ist wie es kam.
Gerade die älteren Menschen haben zu Zeiten gelebt in denen es Kriege gab.
Wie oft haben solche Menschen wohl gesagt sie brauchen keine Hilfe, obwohl sie diese vielleicht doch gerne gehabt oder wirklich gebraucht hätten, weil sie wussten, die anderen haben es genauso schwer?
Das soll nicht rechtfertigen, dass dieses „nein“ nicht beachtet wurde, aber es soll zeigen, dass da vielleicht ein Grund ist warum diese alte Dame so gehandelt hat.
Zudem fällt es fast jedem der nicht viel Kontakt zu Menschen mit Behinderung hat schwer sich wirklich in solche Menschen reinzuversestzen, da geht man eben erstmal von sich aus und dann s.o.
Mir sind auch schon Menschen begenet, wie diese alte Dame, seit ich mir sage, dass Sie es gut meinen und nur Gesellschaft suchen, komme ich besser damnit klar und kann mir auch mal die Zeit für einen Plausch nehmen. Früher war ich von solchen Menschen meistens genauso genervt. Wenn sie dann nach 2-3 Minuten aber lächelnd und froh um den Plausch wieder gehen bzw. ich dann gehe, finde ich es gar nicht mehr schlimm.
Es kommt aber auch auf meine Stimmung an. Es gibt Tage da nimmt man so etwas einfach hin, an anderen nervt es einen nur.
Ich will diese alte Dame nicht in Schutz nehmen, aber ich finde sie gehört auch nicht so an den Pranger gestellt und vor allem es gehört sich nicht Dinge zu unterstellen, die man nicht wirklich weiß.
Niemand und vielleicht nicht einmal diese Frau selbst weiß warum sie an diesem Tag so gehandelt hat, wie sie gehandelt hat.
Also das interessanteste am Artikel war für mich der Fakt, dass der Autor die Türen findet, indem er sie hört
Obwohl das für die meisten ziemlich offensichtlich sein muss, war es für mich dennoch komplett neu.
Bei mir in der Stadt gibt es eine Haltestelle an welcher etwa 8 verschiedene Trams fahren. Gleichzeitig sind dort auch immer wieder mal blinde Menschen und ich frage mich jedes Mal, wie die ohne zu sehen wissen, welche Tramnummer gerade vorbeifährt… Manchmal überlege ich mir, ob ich fragen soll, ob jemand Hilfe benötigt – andererseits denke ich mir, dass die Person ja schon fragen würde. Ausserdem möchte ich nicht angeblafft werden – ist mir auch schon passiert und ich bin mit Sicherheit nicht aufdringlich.
Am Angenehmsten war einmal ein junger blinder Mann welcher ganz selbstbewusst und sehr laut in die Runde gefragt hat, welche Nummer kommt und nachdem er in der Strassenbahn war hat er nochmals gefragt, ob ihm jemand zum Platz helfen könne. Da wussten alle, wie sie sich verhalten sollten
An Heikos Geschichte finde ich weniger ihr mehrmaliges Nachfragen schlimm (kann ja sein, dass er zu stolz ist o.ä.) sondern eher die Kommentare wie „so jung, wie schrecklich“. So etwas ist ja eher diskriminierend, da sie nicht wissen kann, ob es für dich wirklich schrecklich ist…
Ich habe jetzt nicht alle Kommentare durchgelesen und vielleicht wiederhole ich ja irgendeine vorangegangene Meinung, aber mir wurde in der Vergangenheit mal eingetrichert, dass man schon mal fragt „Darf“ ich helfen und nicht „Kann“ ich helfen. Das Wort „Kann“ klingt nach Pflicht und nicht nach freiwilliger Hilfe.
Ich kann durchaus die Wut nachvollziehen, dieses Gefühl für minderbemittelt eingeschätzt zu werden. Für viele bedeutet eine körperliche Behinderung gleichzeitig auch, dass derjenige geistig nicht auf der Höhe ist.
Meine ganz persönliche Erfahrung mit einem blinden Menschen hat mich gelehrt, dass dieser viel sensiblere Sinne hat als ich Sehende. Und diese Person, die ich kenne, beneide ich um seine Sensibilität und Wahrnehmungsfähigkeit. Da kann sich so manch Sehender ein Beispiel dran nehmen.
Ich habe keine Erfahrungen mit (Seh-)behinderten und kann mir darum gut vorstellen wie unsicher man Betroffenen gegenübersteht.
Wie wäre es mit folgender Lösung: „Wollen Sie Hilfe? – Gut, sagen Sie sonst einfach Bescheid!“
Ob die Dame es „nur gut“ meinte oder sich im Gefühl einer vermeintlichen „guten Tat“ sonnen wollte weiss ich nicht, ich kenne sie schließlich nicht. So oder so – es ist gut (und nett und richtig) dass Sie gefragt hat.
Meiner Meinung nach kann man sich über ein Kommentar wie: „Wie schrecklich – so ein junger Mann“ aber zurecht aufregen. Ich finde die Reaktion menschlich. Man hätte sie aber für sich behalten können. Hat vielleicht was mit Respekt zu tun oder so (würden Sie zu einem Dicken in aller Öffentlichkeit „oh wie furchtbar, so jung und schon dick!“ sagen? Ich nicht).
Natürlich kann ich das Verständnis für die Taktlosigkeit der Dame aufbringen. Ich kann aber auch Verständnis für diverse Ordnungswidrigkeiten aufbringen, und okay sind sie dadurch trotzdem nicht. Außerdem sehe ich mich verpflichtet im selben Moment, in dem ich wegen der Hilflosigkeit der Mitmenschen ein Auge zudrücke, das andere wegen eventueller Hilflosigkeit der betroffenen Mitmenschen auch zu schließen.
Nun, als selbst betroffener Mensch hast du sicher das Recht darüber zu urteilen und auch zu kritisieren wie du den Umgang mit behinderten menschen empfindest.
Du solltest dir aber darüber im Klaren sein, dass du zu einer Randgruppe gehörst. Das du damit aufsehen erregst ist daher eher normal. In den meisten Fällen wirst du das nicht mal mitbekommen.
Genauso solltest du dir darüber im Klaren sein, dass du ohne die Hilfe anderer Menschen nicht leben könntest! Wer hat denn all diese technischen Hilfsmittel entwickelt, mit denen du heute im Leben einigermaßen klarkommst? Deshalb solltet du dankbar sein, das du überhaupt ein lebenswertes Leben füren kannst!
Ich kann deine kritik der alten Dame gegenüber nicht verstehen. Natürlich fühlst du dich nicht wohl dabei und das ist sicher auch normal. Aber trotzdem muss du dich damit abfinden das es so ist und das es wohl auch noch sehr lange so bleiben wird.
Sei dankbar für jeden Tag den du genießen kannst. Sei dankbar für jeden Menschen der dir Hilfe anbietet. Und sei aufgeschossen denen gegenüber die es nicht bessser wissen. Du musst mit deinem Schicksal noch sehr lange leben.
Sorry für die deutlichen Worte von mir, aber ich habe selbst eine behinderte Person in meinen privaten Umfeld und denke das ich mir diese Kritik erlauben kann.
Pingback: Top Posts — WordPress.com
Pingback: Umgang mit behinderten Menschen: Euer Mitleid kotzt mich an! | Stadtteil-news Vermischtes
@Frank: Warum so kompliziert?
Ich kenne _keinen_ Behinderten, der nicht um Hilfe fragt, wenn er sie braucht.
Das lernt man in der Schulung. Wenn einer nicht fragt, braucht er grundsätzlich keine Hilfe. Man kann aber kurz fragen: „Gehts, oder soll ich anpacken?“ Und dann, wenn die antwort kommt „geht schon“ – dann muss man machen lassen. Das ist Hilfe.
Alles andere ist, wie bereits gesagt, Nötigung und keine Hilfe.
Hi, Josephine hat mich hierher geleitet
Meine Erfahrung speziell mit alten Leuten ist, dass sie es wirklich nur gut meinen aber sie merken einfach nicht, wann es reicht. Selbst wenn man es ihnen sagt, sie wissen es definitiv immer besser.
Ich habe 2 Jahre in Marburg gelebt und dort festgestellt, dass Blinde toll zurecht kommen und wenn sie HIlfe brauchen, melden sie sich schon.
Mein bestes Erlebnis war bei einer Kinopremiere, da setzten sich 2 Blinde neben mich. Ich war echt erstaunt, als Sehende die sich da nie wirklich Gedanken drum gemacht hat, war das Neuland. Die beiden kannten ganz offensichtlich das Buch als Grundlage des Filmes und haben nix verpasst. Lediglich einmal fragte mich mein Sitznachbar, was gerade passiert sei denn die Stelle war im Film etwas anders als im Buch und leider gerade auch nix zu hören, was einleuchtend wäre. Aber danach kam er wieder wunderbar alleine klar und am Ende des Filmes haben wir noch darüber diskutiert, wie gut der Film war
Ich muss allerdings sagen, dass mir der Umgang mit behinderten Menschen manchmal etwas schwer fällt. Schon rein aus Reflex schaue ich sie an, so wie ich auch jeden anderen in Bus, Bahn und beim Einkaufen anschaue aber bei manchen bleibt der Blick halt doch einen Moment kleben und es ist mir unangenehm weil ich denke, dass die Leute das nicht mögen. Ich habe keine Ahnung ob es so ist aber ich versuche wegzuschauen was irgendwie noch auffälliger wirkt, so kommt es mir vor.
Nö.
„Nein, danke.“
Vielleicht noch ein „lieb gemeint, aber geht schon“ hinterher. Aber mehr muss definitiv nicht sein.
Man ist Fremden keine Rechenschaft schuldig. Und eine Erklärung, warum man keine Hilfe braucht ist nichts weniger als Rechenschaft ablegen. Und ja, das Beispiel mit der Frau passt hier perfekt.
Man muss nicht deutlicher werden. Man lehnt Hilfe ab und kann dann mit Recht erwarten, dass das genug ist.
Naja, ich kann schon verstehen, dass so eine Situation echt nervig sein kann. Aber böse Absicht würde auch ich der alten Dame nicht unterstellen. Ich glaube das ist wirklich eine Sache der Generationen. Alte Menschen, i. d. R. Frauen, sind oft einfach so.
Ich kenne das selbst von mir. Ich bin nicht behindert und für das folgende Beispiel ist es auch wichtig zu wissen, dass ich nicht schlank oder gar abgemagert bin, im Gegenteil. Trotzdem versucht mir meine Großmutter jedes Mal, wenn ich zu Besuch bin Essen aufzuschwatzen. Nicht nur einmal, zig mal. Meistens esse ich dann auch etwas, damit sie Ruhe gibt. Damit nicht genug, denn dann versucht sie mir etwas mit nach Hause zu geben. „du musst doch was essen, Kind!“ Als wäre ich nicht erwachsen und ich verdiene auch genug, um mir selbst essen zu kaufen. Es interessiert sie nicht, es ist immer das selbe Spiel. Und wenn ich schon dachte ich hätte mich erfolgreich durchgesetzt, finde ich auf dem Heimweg Essen in meiner Handtasche, dass sie mir heimlich rein getan hat.
Ich könnte jetzt auch argumentieren, dass sie nervt und überheblich ist, weil sie mir nicht zutraut für mich selbst zu sorgen. Tue ich aber nicht, ich lache einfach drüber.
Es gibt so viele Beispiele, z. B. die ältere Nachbarin, die ungefragt meine Mülltonnen nach der Leerung wieder rein holt, obwohl sie nicht darum gebeten wurde und es einem dann bei jeder Gelegenheit vorhält.
Du siehst, es geht auch nicht behinderten Menschen mehr als oft genug so.
Klar, mir passiert das natürlich nicht ganz so oft wie dir. Aber die Sache, vorallem mit älteren Damen, einfach mal mit Humor zu nehmen, erleichtert das Leben ungemein.
Ich glaube, bis zu einem bestimmten Punkt hast du das noch mit Humor genommen. Wann kam der Punkt, an dem es nervte? (Gut, die Dame hätte mich auch gereitzt).
Als Nichtbetroffene, die aber ab und zu mit einem blinden Freund oder einer querschnittsgelähmten Freundin unterwegs ist, kommt mir das nur zu bekannt vor. Wir lachen meist noch drüber.
Am besten fand ich ja bei meiner Hochzeit, als mein Großonkel – jenseits der 80 aber eigentlich von hoher Intelligenz – zu mir kam und flüsterte, ich könne doch meinem blinden Freund nicht noch einen Whisky einschenken (nach dem Motto: „Der weiß doch gar nicht, was oder wieviel er trinkt.“). Ich wäre vor Lachen fast kollabiert. Meine Antwort: „Der ist Student, der kann das ab.“
Ohhhhhh, da kann ich Dir aber ganz andere Sachen über laute Kommentare über Dicke erzählen – nicht weil ich sie absondere, sondern weil ich schon mehrfach welche gedrückt bekommen habe (reichte von fette Sau bis „wenn man so aussieht wie Sie, kriegt man im Puff keinen ab“).
Dabei bin ich zwar einiges zu schwer, aber von Reiner Calmund noch ein paar Ecken entfernt….
Aber da solche Kommentare ebenfalls ungehörige Scheiße sind (sorry für das braune Wort), gilt das natürlich auch für den Kommentar der Dame im Blogbeitrag.
Hallo! Bin über die „Heldin im Chaos“ auf deinen Artikel gestoßen und wollte sagen, dass ich nach Jahren des Grübelns endlich den Wutausbruch eines Münchner Rollifahrers verstanden habe. Bis eben hatte ich mich nämlich gewundert, warum jemand eine alte Dame anschreit. Wörtlich hieß es glaub ich damals: „Ich brauche keine Hilfe von Leuten, die schon mit einem Bein im Grab stehen.“ Wahrscheinlich ist dem Ausbruch des Herrn ein ähnliches Bemitleidungsritual voraus gegangen.
Die allgemeinen Ratschläge hier – du sollst das doch mit Humor nehmen – finde ich persönlich bescheuert. Ich kenne genug Situationen da möchte ich meine Mutter anbrüllen, sie soll mich doch nicht ständig bevormunden. Wenn ich mir das auch noch von Fremden gefallen lassen müsste, würde ich vermutlich die Beherrschung verlieren.
Alles Liebe,
Antonia
Volle Zustimmung. Kenne ich.
Willst du nicht doch was? Ach komm. Das nicht? Vielleicht das hier? Nein Danke, ich bin wunschlos glücklich. OK. — Aber wie wär’s hiermit? Nicht doch vielleicht? Na gut, OK, dann nehme ich das. Siehst du, ich wusste doch, dass du was willst.
Da machst du nix dran.
SEI DANKBAR! Ob du willst oder nicht!
*hüstel*
Erinnert an das ungeliebte Weihnachtsgeschenk, für das man dankbar sein musste, weil es von der Erbtante kam. Ja, einen Waschlappen habe ich mir schon immer gewünscht…
Du hast eine behinderte Person in deinem Umfeld?
Das hat so ziemlich jeder. Und der Satz „Deshalb solle(s)t du dankbar sein, das(s) du überhaupt ein lebenswertes Leben führen kannst“ ist ja mal unter aller Kanone. Wer klassifziert ein Leben? Wer bestimmt, was lebenswert ist und was nicht?
Im Übrigen wurde die am weitesten verbreitete Blindenschrift (Braille-Schrift) von einem Blinden erfunden und irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass ein sehender Mensch auf die Idee mit den hukeligen Bahnsteigbegrenzungen gekommen ist.
Was du da von dir gibst, sind schon keine „deutlichen Worte“ mehr, sondern scharf an der Grenze zur Diskriminierung.
Antonia
Hi,
zum Thema ist ja schon vieles gesagt worden. Was mich ankotzt: der Titel des Blogposts. Euer Mitleid kotzt mich an. Das ist doch genau das selbe Schubladendenken, das ‘uns’ vorgeworfen wird.
Ich glaube, solange selbst behinderte Menschen noch in ‘wir’ ind ‘ihr’ unterteilen (siehe auch der Dialog zwischen Ali und Anna-Karina: ‘Urteilt nicht über etwas, wovon ihr nichts verstehen könnt.’, was impliziert: ‘wir’ verstehen ‘euch’ sowieso nicht), wird ein auf gegenseitiger Wertschätzung beruhendes Miteinander nicht möglich sein. Von beiden Seiten.
Wir sind so gerne bereit, Leute für ihr Fehlverhalten zu entschuldigen. Verstehen und Verständnis haben, sind zwei verschiedene Dinge. Ob behindert oder nicht, ein Nein nicht akzeptieren, heisst den anderen nicht ernst nehmen und nicht respektieren. Alt hin oder her, Dame oder Herr. Mitleid ist immer etwas verachtendes. Dient so hart das klingt, nur dazu sich selber – da nicht darunter leidend – besser zu fühlen.
Und jemand dazu noch zum Leidenen wider Willen, wie in diesem Fall, zu machen, würd mich auch ankotzen.
Die Unmenge von stürmischen Kommentaren zeigt doch, dass hier von Heiko ein erstaunlich bedeutendes Sujet theamtisiert wurde.
Erst einmal dnke ich: Ein Autor ist nicht verpflichtet zu leidenschaftsloser Objektivität, genauso wenig sind es natürlich die Kommentatoren. Ich halte es für vollkommen legitim einen spontanen Gefühlsausbruch zu veröffentlichen. Ein hitziges Streitgespräch hat kaum je geschadet.
Wie sich offenbart hat, ist das Thema brisanter als erwartet.
Viele Kommentatoren haben weniger auf die geschilderte Aufdringlichkeit der ungebetenen Hilfestellung geantwortet, als auf die unklare Konstellation von Leuten mit Behinderungen und denen ohne im Generellen. Ich denke, das ist der Punkt.
Es ist ja nun nicht neu, oder etwa selten oder nicht alltäglich, dass Menschen Behinderungen haben. Seit es die Menschheit gibt, haben nicht alle von ihnen die vollständige Kontrolle über alle Sinne und Funktionen des Körpers. Das ist normal und gehört zum Menschsein dazu.
Doch aus diversen Gründen ist das offensichtlich längst nicht allen Leuten bewußt. Wir leben in gewisser Wiese in unterschiedlichen Universen. Die einen sind nicht wirklich in die Welt der anderen integriert. Das ist beidseitig gemeint.
In Deutschland gibt es nur sehr wenig integrative Schulen. Wer blind ist, spastische Lähmungen hat, einen Rollstuhl benutzt, gehörlos ist, wird genötigt, sich in besondere Lehranstalten zu begeben. Der Kontakt zu Gleichaltrigen ohne die jeweilige Sinnes- oder Funktionssabwesenheit wird also erschwert. Wir wachsen nicht selbstverständlich miteinander auf. Wir werden von früh auf in überflüssige Kategorien eingeordnet.
Jetzt wird vielleicht jemand antworten: „Ja aber Blinde können doch keine Schwarzschrift lesen“, oder „Die Gebärdensprache versteht aber doch ein Hörender gar nicht“ oder „Aber Spastiker sind immer so langsam“ oder „Wie soll denn ein Querschnittsgelähmter am Sportunterricht teilnehmen?“
Und ich sage: „Warum können Sehende eigentlich nicht Braille lernen? Oder Hörende Gebärdensprache? Wieso ist das Lormen nicht ein allgemeinenes Schulfach? Wer schon mal von den Paralympics gehört hat, weiß auch, dass eine Körperbehinderung eben kein Hinderungsgrund ist, Medaillen zu gewinnen. Wenn Sportrollstühle nicht so teuer wären, würden viele Fussgänger Rollstuhlbasketball spielen.
In Spanien sind die Schulen übrigens integrativ und da kann dann ein Mann mit Down-Syndrom auch mal ein Hochschulstudium abschließen.
Wir haben einfach nicht gelernt, einen Teil des Normalen als normal zu betrachten. Das gilt natürlich ebenso für Leute mit Behinderungen, wie für diejenigen ohne. Auch jemand im Rollstuhl kann gedankenlos einem Blinden ein. „Da drüben müssen wir hin“ sagen. Und Blinde spielen auch mal Theater in Räumlichkeiten, die im Rollstuhl unmöglich zu entern sind.
Weil wir nicht automatisch die Situation anderer einschätzen können, machen wir Fehler. Es gehört zu unserer Sozialisation. Wenn wir miteinander aufwachsen würden, wäre das anders. Dann könnten wir einschätzen, ob jemand einfach ganz normal behindert ist und routiniert tut, was er eben gerade macht. Weil der Weg jemandem offensichtlich vertraut ist, weil eine Beschriftung in Großschrift und in Braille zur Verfügung steht, weil es Rampen und Fahrstühle gibt und weil sich eine Tür ohne viel Muskelkraft öffnen läßt. Seit es SMS gibt, muss man für einen Gehörlosen auch nicht ständig die Telefongespräche übernehmen.
Braucht es denn wirklich so viel Sensibilität, um zu bemerken, ob jemand sich dann doch einmal in einer Notlage befindet und ein wenig Unterstützung benötigen könnte?
Wenn ein Blinder geradewegs durch die offene Abzäunung auf eine Baugrube zusteuert, kann es nicht schaden zu rufen: „Entschuldigung, sie sind da etwas vom rechten Weg abgekommen.“ Wenn ein Rollstuhlfahrer fluchend vor den Stufen zum Kinoeingang steht, darf der Fussgänger fragen, ob Unterstürzung gefragt ist. Und wenn dem E-Rolli mitten auf der Kreuzung der Saft ausgegangen ist hilft eine Schiebetour zur Steckdose.
Es wird immer Mißverständnisse geben, doch entspannte Normalität im Umgang miteinander, könnte uns vieles erleichtern. Solange wir, wenn auch nur unbewusst, anehmen, dass Menschen, die sich anders bewegen, die anders oder gar nicht sprechen, die anders aussehen, nicht zu den ganz gewöhnlichen alltäglichen Leuten gehören, werden wir uns nicht entspannt verhalten können. Solange werden wir auch Hemmungen ihnen gegenüber haben. Und wir werden uns einbilden, dieses anders sein, wie wir es empfinden, sei ganz fürchtbar schrecklich für die betreffende Person.
Ich habe das Glück, wenn ich es mal so nennen darf, das Fremde regelmäßig meine Behinderungen für die befristete Folge von Sportunfällen halten. Ich bin eben so ein Typ. Sogar der Ophtalmologe, der es wirklich besser weiß, dreht mir gedankenlos die Testergebnisse auf dem Bildschirm hin, die ich nicht wirklich erkennen kann. Und der Sanitätshausfachangestellte, der die Diagnose kennt und mir eben den Rollstuhl vermessen hat, wünscht gute Besserung, obwohl er weiß, das wird nichts mehr.
Aber weil ich für Nichtbehinderte so gesund aussehe, sind sie im Allgemeinen auch wesentlich entspannter mit Hilfsangeboten: „Brauchen Sie Unterstützung oder geht das so?“ Für sie gehöre ich nämlich zu ihnen, zu den Nichtbehinderten und daher gibt es diese Schwellenangst nicht. Wenn wir dann ins Gepräch kommen, höre ich schon auch oft dieses: „Oh, wie furchtbar.“
So bemerkenswert individuelle Besonderheiten und Begabungen auch sind, sie sollten die Normalität im Umgang miteinander nicht aushebeln. Ich bin ziemlich sicher, da wird sich in den nächsten Generationen einiges zum Positiven verändern.
Ich finde die Reaktionen gegenüber der Frau ok, man kann sie ja daraufhinweisen, dass man keine Hilfe braucht.
Nicht ok finde ich jetzt hier so über sie herzuziehen und ihr zu unterstellen, dass sie es nicht gut gemeint hat.
Bei uns geht immer ein junger blinder Mann spazieren, die Straße unterhalb des Hauses. Ein Mal sah ich ihn in der STraße oberhalb, er lief immer hin und her, vollkommen planlos.
Da bin ich hin und hab gefragt ob ich ihm helfen kann, er meinte ja, ich solle ihn bitte an die Kreuzung von 2 bestimmten Straßen bringen, dann finde er schon weiter. Ich war auch zunächst unsicher ob ich ihn ansprechen soll.
Ich hoffe, er hat sich nachher nicht auch beschwert, dass immer so dämliche Passanten kommen und einen anlabern…
Etwas mehr Toleranz auch Deinerseits wäre nett. Vielleicht bist Du eines Tages auch froh, wenn Du mal wirklich Hilfe brauchst. Ich finde fragen besser als denken ist doch mir egal, der soll halt schauen wie er zurecht kommt.
P.S.:
Ich handelte weder aus Mitleid noch aus Überheblichkeit.
Der Dame Überheblichkeit zu unterstellen ist nicht nett, denn wahrscheinlich war es nur absolute Unsicherheit.
Es ging doch verdammt noch mal nicht um das Hilfe anbieten. Sondern dass er die Hilfe nicht brauchte und abgelehnt hat. Er wurde dann aber NOCHMAL gefragt. Und da die Dame dann immernoch Langeweile (wenn schon keine Überheblichkeit) hatte hat sie ihn auch noch bemitleided.
Er hätte sich garantiert nicht beschwert, hätte sie nach dem ersten Mal noch einen guten Tag gewünscht.
Dein „wenn du mal wirklich Hilfe brauchst“ ist unter aller Kanone. Alleine der Vergleich zwischen penetrantem ungefragten Nerven vs. bitte um Hilfe ist ziemlich…
Lesekompetenz: Überbewertet.
Gerade das Gerede von „junger Mann“ und „ach wie schlimm“ scheint ja eher Oma-typisch zu sein (weil zu deren Jugendzeiten ein Behinderter halt ein „Dorftrottel“ gewesen wäre). Ebenso wie die Anrede „Fräulein“ für unverheiratete Frauen
Sehr beeindruckend übrigens, wie selbstbewußt Sie hier den Schluß ziehen, daß sie eine abwertende Meinung hat. Da ist es geradezu bemerkenswert gnädig, nur „das Gefühl“ zu haben, Sie müßten sich für Ihre Behinderung rechtfertigen („… und dann hat sie auch noch eine Rechtfertigung verlangt …“ wäre noch kerniger gewesen). Schön, daß auch Sie noch einen Rest an Zweifel haben, vielleicht hinterfragen Sie damit gleich noch den Ausdruck „euer Mitleid“ – ziemlich überhebliches Schubladendenken.
Was mich „ankotzt“ sind Leute, die nur einen Blick für ihre eigenen Unzulänglichkeiten haben. Alte Leute sind eben manchmal etwas wunderlich, das ist nicht ungewöhnlich.
Ich finde es sehr amüsant, wie manche Leute ständig ihre Eigenständigkeit betonen, aber dann doch in vielen Situationen Hilfe brauchen. Eine Sehbehinderung ist immer eine starke Einschränkung. So kann man als Blinder selber nur sehr schwer sehen wenn jemand Hilfe braucht, und z.B. einer unsicher wirkenden alten Dame über die Straße helfen.
Es mag ein Vorurteil sein, aber viele Behinderte sind vor allem auf sich fixiert, auf eine möglichst große Selbstständigkeit. Da erscheint es wohl höchst lästig und deprimierend, wenn ständig Hilfe angeboten wird.
Auch ich, als nichtbehinderter Mensch, wurde von älteren Menschen angesprochen, z.B. von einer dementen Frau im Supermarkt, die nicht wusste welcher Tag war und was sie für das Wochenende kaufen sollte. Sie lief ziemlich ziellos umher.
Klar, das ist manchmal lästig, aber ich versuche da immer freundlich zu bleiben und so gut es geht zu helfen.
Heiko, als Behinderter siehst wohl gewisse „Taktlosigkeiten“ direkt als Angriff auf deine Persönlichkeit, hmm? Wie wärs, wenn du stattdessen mal an deinem Umgang mit älteren Menschen arbeitest? Es geht nicht immer nur um dich, und je eher du das begreifst, umso besser.
@Florian: Wenn Du Dir unsicher bist, ob Du helfen kannst, dann frag einfach. Die meisten behinderten Menschen sind keine verbitterten, unfreundlichen Unmenschen.;-) Und wenn ein behinderter Mensch einfach nur dasteht oder zielstrebig seinen Weg geht, dann kannst Du erstmal davon ausgehen, dass alles klar ist. Wenn ein blinder Mensch immer hin – und herläuft weil er z. B. einen Eingang nicht findet, freut er sich wahrscheinlich, wenn Du ihn ansprichst.
Ich versuche das immer freundlich zu sagen. Ich glaube nicht, dass in diesem konkreten Fall mehr Bestimmtheit genützt hätte. In den meisten Fällen wird ja auch ein „Nein, danke“ akzeptiert, manchmal führt es sogar zu einem für beide Seiten interessanten Gespräch.
@Frank: Sich gegenseitig zu helfen, ist prima. Mir ging es in meinem Post darum, dass man dies möglichst ohne Mitleidsbekundungen wie „Schrecklich, Sie sind ganz blind“ o.Ä. tut und ein „Nein, danke“ akzeptiert.
@Alex Zu Punkt 1: absolut richtig. Schwierigkeiten im Umgang zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen gibt es immer wieder auf beiden Seiten. Unfreundlichkeit ist immer ärgerlich, insbesondere auf eine freundliche Frage hin.
@Weirdo: Ich erkläre häufiger auch Dinge, z. B. wie die Signalampel funktioniert, wenn mir jemand über die Straße helfen will o.Ä. Manchmal werde ich auch von Passanten angesprochen, die gezielt fragen, woher ich weiß, dass grün ist. Aber manchmal habe ich dazu keine Lust, oder bin von einem „Ihnen geht es schlechter als mir“ so angenervt, dass ich keine Lust mehr habe, mich zu erklären. Und das muss auch OK sein.
Klar, wahrscheinlich lesen nicht sehr viele Menschen, die so denken, dieses Blog. Andererseits zeigt die Diskussion hier durchaus, dass das Thema kontrovers gesehen wird.
@Politgirl: Ähnliches höre ich auch häufig von sehbehinderten Menschen. Da man ihnen ihre Behinderung nicht ansieht, kriegen sie z. B. „kannst Du nicht lesen?“ zu hören, wenn sie fragen, wann die nächste U-Bahn kommt. Das ist absolut respektlos und unfreundlich.
@Rene: Diese Errungenschaften gehen, meiner Meinung nach, nicht maßgeblich auf Mitleid zurück, sondern auf engagierte behinderte Menschen, die für ihre Grundrechte und für gesellschaftliche Teilhabe gekämpft haben.
@Claudia: Danke für den Hinweis auf die schlecht lesbare Schrift. Ich mache mich mal schlau, wie ich das ändern kann.
@OliverG: Verstehe den Gedankengang. Klar, das Verhalten meiner Mitmenschen hat immer einen persönlichen Grund. Nur macht es eben auch etwas mit meinen Emotionen.
Ich verstehe den Autor recht gut.
An meiner Haltestelle steigt morgens ein blinder älterer Herr ein. Weil dort mehrere Bahnen nacheinander fahren, fragt er in die Runde, ob die eingefahrene Bahn die Linie 3 sei, bekommt seine Antwort, dankt und steigt ein. So einfach kann es sein… weder ich noch meine Freundin würden auf die Idee kommen, ihn beim Arm zu fassen und in die Bahn zu zerren… Und auch sonst helfen wir Leuten, die es signalisieren: die Mutti mit Kinderwagen, die sich suchend umschaut, auch ältere Herrschaften mit Koffer, die auf dem Bahnhof vor dem kaputten Gepäcklaufband stehen, suchen meist irgendwie Blickkontakt mit kräftigeren Leuten… wenn jemand sagt „Nein, danke“, wünsche ich einen schönen Tag und gehe weiter. So einfach isses, Leute.
@vallartina
Hilfsbereitschaft wird aufdringlich, wenn ein „Nein, Danke“ ignoriert wird. Erst dann. Und von mir aus sollen Menschen ihr „persönliches Recht auf Mitleid“ haben. Dann soll sie Mitleid fühlen, aber doch nicht zu mir „schrecklich, so ein Junger Mann“ sagen.
@David: Ich würde den Begriff Einschränkung wohl selbst nicht benutzen. Eigentlich sind es immer äußere Umstände, die mich einschränken, und nicht die Behinderung selbst. Zugespitzt formuliert: Wäre die Umwelt so auf blinde Menschen eingestellt wie auf sehende Menschen, dann wäre ich nicht behindert. Wenn wir alle weiter miteinander sprechen, dann ist ein Großteil der alltäglichen Einschränkungen schon mal weg.
@Arno Nühm: Nein, das denke ich nicht. Sichter gib es Menschen, die für bestimmte Dinge Hilfe brauchen. Und sicher gibt es viele Menschen, die diese Hilfe auf Augenhöhe leisten. Ich glaube aber, dass sich Mitleid und Gleichberechtigung ausschließen. Das ist aber natürlich auch eine Frage der Begriffsdefinition.
@Esther Ich würde Dir Deine Fragen beantworten. Und wenn ich gerade keine Zeit hätte, würden wir uns für ein späteres Gespräch verabreden.
@VonFernSeher: Ich empfinde es nicht als Übergriff, wenn mich jemand anspricht. Im Gegenteil: Ich bin ein kommunikativer Mensch. Ich empfinde es als unhöflich, wenn ein „Nein, danke“ ignoriert wird und ich mit „schrecklich, so ein junger Mann“ bemitleidet werde.
@Horst: Ich glaube schon, dass Blogposts zumindest zum Nachdenken anregen können. Wenn sie nicht einmal das täten, könnten wir dies ganze Internet gleich dichtmachen.
@Maith: Ich möchte nicht ausschließen, dass es bei einigen behinderten Menschen – ganau wie bei Nichtbehinderten – Eitelkeit und Stolz gibt. Viele von uns müssen sich ständig behaupten. Sie müssen in der Uni oder im Job möglichst besser sein als ihre nichtbehinderte Konkurrenz, um überhaupt eine Berufschance zu bekommen. Sie haben lange und hart dafür trainiert, selbstständig und mobil zu sein. Da kann es sein, dass manche Betroffene auch ein wenig frustriert sind, wenn diese Leistung nicht gesehen wird.
@Simon Kuo: Wir vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg haben vor Jahren mal eine Wanderausstellung mit Blinden-Witzen gemacht. Viele nichtbehinderte Menschen fanden das geschmacklos. Blinde Menschen selbst können größtenteils darüber lachen – selbstverständlich nicht, wenn sie frisch mit der eigenen Behinderung konfrontiert sind. Für mich ist bei der Beantwortung der Frage eher entscheidend, ob man mit den Betroffenen lacht oder über sie: Ersteres finde ich einen großen menschlichen Fortschritt, Letzteres eher arm.
@anon: Ich kann Deine Beobachtung so nicht bestätigen. Ich erfahre sehr häufig Hilfsbereitschaft, gerade auch von jungen Erwachsenen, die doch so einen schlechten Ruf genießen. Ich glaube eher, dass es – gaaanz langsam – normaler wird, dass man Umgang mit Behinderten hat. Wir sind nicht mehr nur in Heimen. Wir laufen durch die Stadt. Wir gehen in Regelschulen oder sind der Arbeitskollege aus dem Nachbarbüro. Da ist Deutschland längst nicht so weit wie andere Länder. Aber es wird. Und je alltäglicher der Kontakt zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen wird, desto unverkrampfter wird auch unser Miteinander.
@Kristy: Der behinderte Mensch ist schon dafür verantwortlich, auch mal um Hilfe zu bitten. Ich z. B. habe das damals im Mobilitätstraining eingetrichtert bekommen: „Frag, wenn Du nicht weiter weißt!“ Wenn Du das Gefühl hast, ein behinderter Mensch ist unsicher oder überfordert, dann sprich ihn an, frage, ob Du helfen kannst. Entweder freut er sich und sagt ja, oder er freut sich und sagt nein. Und wenn er sich nicht freut und nein sagt, dann nimm es nicht persönlich.
@FS: Sie haben sicher Recht, dass ich hier nicht wie im PR-Lehrbuch gehandelt habe. Aber bitte glauben Sie mir, dass ich das immer wieder tue. Das dokumentieren im Übrigen auch viele Beiträge in diesem Blog. Und bitte gestehen Sie mir zu, dass auch ich einmal ein paar Minuten habe, in denen ich nicht die Kraft habe, meine Mitmenschen in der Face-to-Face-Situation aufzuklären. Dieses Recht nimmt sich wahrscheinlich jeder PR-Fachmann heraus. Darf ich das aufgrund meiner Behinderung nicht?
Ich habe nur ca 40% der Kommentare gelesen und daher möglicherweise das eine oder andere nicht gesehen, was ich dann hier noch einmal tippe…
Ich werde – bisher und hoffentlich noch lange – nicht müde, zu predigen, daß man bitte nicht an dem Mitmenschen vorbeigeht, -sieht und -hört, der unsere Hilfe benötigt. Helfen kann man nur, wenn man eine möglicherweise hilfsbedürftige Person als solche erkennt und ihr die Hilfe anbietet, damit sie sie annehmen kann.
Und nun kommt ins Spiel, was meine Oma folgendermaßen formulierte:
Die Höflichkeit bietet es an, und die Höflichkeit lehnt es ab.
Genau das habe ich oft genug erlebt – nicht gerade von sehbehinderten Menschen, aber von geh- und stehbehinderten Menschen. Ob im Zug oder in der Straßenbahn, oft genug habe ich meinen Platz einem alten und sichtlich nicht mehr so stabil stehenden Menschen angeboten, und das Angebot wurde abgelehnt. Ich bin stehengeblieben und habe gesagt, „der Platz steht Ihnen zu.“ Und in neun von zehn Gelegenheiten war der alte Mensch insgeheim dankbar, sitzen zu können. Nur die Erziehung, und man möchte ja niemandem zur Last fallen… übrigens auch nicht die jungen Mütter mit Kinderwagen, die sich auf den Treppen abmühen und immer dankbar sind für eine kräftige Hand – die Dinger sind nämlich sauschwer. Klar, „es geht schon“, aber es ist beschwerlich und eigentlich eine Aufgabe für zwei. Aber: niemandem zur Last fallen…
Und das führt mich zu meiner nächsten Beobachtung. Ich habe mehrere Jahre in Marburg gelebt, wo bekanntlich die BliStA ansässig ist (oder zumindest war) und dafür sorgt, daß sehbehinderte oder blinde Menschen alles lernen, was sie brauchen, um autonom leben zu können. Und die BliStA-Schüler waren oftmals sehr eifrig in dieser Disziplin – und leider auch oft ein wenig schroff bis agressiv gegen freundliche Menschen, die ihnen Hilfe anbieten wollten.
Zum Mitleid: kann man das den Menschen vorwerfen? Es ist nicht zwangsläufig mit Überheblichkeit verbunden, wie es in den Kommentaren immer mal wieder behauptet wurde. Aber mit Unwissenheit: ein Hörender kann sich nicht vorstellen, gehörlos zu sein, und wird es sich furchtbar vorstellen. Mehr noch die Vorstellung, nicht sehen zu können: wer sich die Augen verbindet oder bei Stromausfall nach Kerze und Streichholz sucht, ist schrecklich hilflos. So erklärt sich das Mitleid, und die fast schon impertinente Hilfswilligkeit der beschriebenen bejahrten Dame mag noch dazu motiviert sein in ihrer eigenen Sorge, eines Tages auf Hilfe angewiesen zu sein und die nicht zu finden. Sie möchte es so machen, wie sie es anzutreffen hofft, wenn sie jemanden braucht: daß sie nicht um Hilfe betteln muß, sondern auf hilfsbereite Menschen trifft, die auch auf sie zugehen und nicht erst gebeten werden wollen.
Insofern wären tatsächlich ein paar erklärende Worte an die alte Frau sicherlich die bessere Reaktion gewesen, als sich hier wortreich über sie auszulassen. Woher soll sie wissen, welche nichtvisuellen Möglichkeiten ihr Gegenüber hat, sich zu orientieren – ja, woher soll sie wissen, DASS er über solche Möglichkeiten verfügt? Sie wird sich also über den unfreundlichen jungen Mann (?) ärgern, der ihr gut gemeintes Angebot so schroff abgelehnt hat, und wird einfach nichts verstehen. Du kannst von den Menschen nicht erwarten, daß sie allein aus deiner Ausstrahlung verstehen, was du von ihnen willst oder nicht willst.
Und solange unsre Höflichkeitsregeln verlangen, daß man ablehnt, was man liebend gern annehmen möchte, wird mancher Mitmensch auch quasi nötigen, um zu helfen.
In manchen Gegenden Deutschlands gilt es übrigens immer noch als scharf abwertendes Urteil, wenn von jemandem gesagt wird, er nötige nicht genug. Aus genau dem beschriebenen Grund: es ist dort unhöflich, ein Angebot sofort anzunehmen – und es ist unhöflich, ja geizig, ein Angebot nicht vier-, fünf-, sechsmal zu wiederholen, also zu nötigen.
Wenn du verstanden werden willst, mußt du mit deinem Gegenüber reden, und zwar so, wie dein Gegenüber es verstehen kann. Sonst erwartest du von einem Pinguin, zu fliegen…
Dazu reicht es möglicherweise schon, nicht „es geht schon“ zu sagen, sondern „ich kann mich gut orientieren, auch wenn ich nicht sehen kann.“ Denn „es geht schon“ drückt nicht aus, „ich würde mich über Hilfe nicht freuen.“
Oder aber du bleibst wortkarg – aber dann wundere dich auch nicht, wenn du mißverstanden wirst.
@FS Ach ja, wir waren ja beim Du.;-) Ich danke Dir für die Anregung. Etwas, das in die Richtung geht, ist folgende Broschüre des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes: http://www.dbsv.org/fileadmin/publikationen/20_265_Testwarenkorb/DBSV_Brosch_NichtSo.pdf
@Jürgen: Nein, das ist zumindest von mir nicht gewollt. Behandeln Sie auch weiter behinderte Menschen so wie nichtbehinderte und bleiben Sie dabei locker. Das ist das Beste, was Sie tun können.
@bjoern l: Ich habe ihr gesagt, dass ich gern stehen möchte.
@Gisela
: Ich wollte Dich nicht verunsichern. Du scheinst Dich doch total super zu verhalten. Verunsichern oder besser zum Nachdenken bringen wollte ich eher Menschen, die so handeln wie die Dame im Beispiel – und die Blog-Leser, die Menschen wie die ältere Dame kennen.
@Tom : Zu Ihrem konkreten Beispiel. Wenn man als blinder Mensch den Stock so benutzt, wie man es im Training gelernt hat, dann sollte man so ein Schild bemerken, außer wenn es so hoch ist, dass der Stock darunter beim Pendeln verschwindet.
@tsss: Zur Richtigstellung: Ich war nicht ruppig zu der Frau, sondern nur in obigem Post. Das mag man scheinheilig nennen. Aber ich wollte gerade nicht die eine Frau an den Pranger stellen, sondern lediglich an diesem einen Beispiel verdeutlichen, welche Verhaltensweisen ich unangemessen finde.
@Admin: Gerade viele der technischen Errungenschaften gehen auf Selbstbetroffene zurück, die sich ihr Leben und das anderer blinder Menschen erleichtern wollten.
@Blogolade: Ich selbst werde auch immer beobachtet: Wie macht der das mit dem Stock? Wie findet er die U-Bahn-Tür? Wie sehen seine blinden Augen aus? Gerade Kinder sind da sehr offen und ehrlich. Klar, wer wird schon gern angestarrt? Aber zumindest ich nehme das meinen sehenden Mitmenschen nicht übel. Ich falle halt auf. Vielleicht wird das irgendwann abnehmen, wenn unsere Kinder es von Schulzeiten an gewöhnt sind, dass sie behinderte Mitschüler haben. Dann sind wir irgendwann nicht mehr so besonders.
@leocat/Kathrin: Das „Schrecklich, so ein junger Mann“ hat schon genervt. So etwas zu sagen, ist schon sehr distanzlos. Und ich frag mich dann halt: „Gott, wieviele Menschen denken wohl so?“
Ach so… sind die blinde so, Wolfram?… Das tut mir natürlich leid, dass du (Oder sie) angefaucht wurden, SO gehts natürlich auch nicht, wobei ich aber auch grantig werde wenn jemand z.b. einfach meinen Stock anfasst, oder versucht, meinen Blindenhund im GBeschirr zum spielen zu animieren… aber behinderte, seid bitte verständnisvoll, auch wenn ihr in Lebensgefahr gebracht werdet, nehmt dankbar den Kuhmist an, der euch vorgeworfen wird… auch wenn ihr dabei gefahr lauft, aufs Bahngleis zu fallen… Also in solchen Situationen wirst du auch erleben wie kratzbürstig ich wirklich sein kann…
Hilfe ablehnen hat nicht imer etwas mit Höflichkeit zu tun, stell dir vor, manchmal braucht man einfach keine…. Wobei ich mich aber nicht schäme, z.b. an Bahnsteigen, wenn ich mit Stock unterwegs bin und draußen Schnee liegt, nen Menschen zu fragen, ob er mich bis zur Treppe mitnimmt. Also ich schäme mich nicht, Hilfe zu brauchen, aber man wird in dieser Gesellschaft manchmal FAST dazu genötigt, weil einige Menschen das nicht situationsabhängig sehen, sondern dann SOFORT annehmen „Ach die die Blinde kriegt ihr Leben bestimmt nicht allein hin, nicht nur jetzt am Bahnsteig, sondern generell“
Entschuldigt bitte meine Tippfehler…. bin gerade sehr emotional, auch, weil genau DIE Leute, die Heiko vorwerfen sich in seiner Persönlichkeit angegriffen zu fühlen, eigentlich genau DAS Problem haben, sonst würden sie ja nicht sooooo heftig reagieren… und dann nicht verstehen, dass man sich in seiner Persönlichkeit angegriffen fühlen DARF wenn persönliche Grenzen nicht akzeptiert werden… und bei uns (Entschuldigt diese Pauschalisierung) sind es eben nicht nur aufdringliche Omas und Schwiegermamas, sondern auch fremde… und ES NERVT
Und noch mal ein Impuls für all die jenigen die denken: Insgeheim wollen wir die Hilfe ja doch: Ist denen wohl mal der Gedanke gekommen, dass es auch Menschen geben KÖNNTE die immer den Weg des geringsten Widerstands gehen und die Hilfe halt annehmen damit endlich ruhe ist?…. wahrscheinlich nicht…
@Admin: deine Aussagen finde ich ehrlich gesagt SEHR grenzwertig, das, was ich grade wirklich auf der Zunge habe, schlucke ich lieber wieder denn das wäre auch sehr grenzwertig und ich möchte ehrlich gesagt auf anderem Wege agieren als du. Darum bleibe ich bei den Fakten: Die Blindenschrift wurde von einem spät erblindeten Jungen vor ein paar Jahrhunderten entwickelt, damit die Bedingungen für lesen, schreiben, LERNEN einfach überhaupt erst entstehen. Heutzutage werden Bahnsteigmarkierungen zwar von Sehenden gebaut, aber es ist auf die Aufklärung der Blindenvereine zurückzuführen, und auf die Impulse aus Blindenvereinen, dass überhaupt die Idee dazu entsteht. Pc’s für blinde Menschen werden übrigens auch von blinden Menschen entwickelt, auch Soft- und hardwares dafür. Also, eeeerstmal informieren, bevor mit „Tatsachen“ um sich geworfen wird, ddas ist immer die beste Art, das Leben zu meistern.
Nein, nicht „die Blinden“ sind so, das habe ich nicht geschrieben. Schüler der BliStA sind Lernende, ähnlich wie Fahrschüler bewegen sie sich in einem Verkehrsraum, in dem ihnen oft der Überblick fehlt. Das erfordert höchste Konzentration, und wenn da jemand querschießt, ist die Konzentration weg. Außerdem arbeiten sie gerade schwer daran, sich Autonomie zu erkämpfen, und das heißt: ohne Hilfe klarzukommen, soweit irgend möglich.
Angefaucht wurden übrigens andere; ich hatte das Glück, auf einen sehr netten Menschen zu stoßen, der mir ein wenig erklärt hat, warum man in Marburg einem blinden Menschen nicht unbedingt Hilfe anbieten soll – außer wenn er grad vor einen Bus rennt, aber das ist eher Rettung als Hilfe. Der Bäcker auf der Biegenstraße hatte offenbar keinen so netten Menschen getroffen; er stellte immer wieder eine Werbetafel mitten auf den Bürgersteig, und regelmäßig hat sich da einer blaue Knie gelaufen… bis mal ein Blinder das Ding in einem Wutanfall völlig zerlegt hat. Was ich voll und ganz verstehe.
Dir an den Stock zu fassen ist so ungefähr wie jamandem den Finger in die Nase stecken. Das geht nicht. genausowenig wie den Hund von der Arbeit ablenken. Eine Bekannte aus dem Kanton Bern hatte einen – nebenbei lammfrommen – Schäferhund als Blindenhund; den durfte selbst ohne Geschirr niemand anfassen: „sonst kommt er womöglich irgendwann mal bei der Arbeit auf die Idee, lieber Freunde auf der andren Straßenseite zu begrüßen“, sagte sie. Das scheint mir zwar bei einem gut ausgebildeten Blindenhund ziemlich unwahrscheinlich, aber selbstverständlich habe ich den Hund nie auch nur angesprochen.
In meinem Beruf habe ich überwiegend mit alten Menschen zu tun, mit Menschen, deren körperliche und geistige Fähigkeiten oft nachlassen. Und ich weiß, daß „Helfen“ oft keine Hilfe ist. Der Demenzkranke muß seinen Ablauf selbst geordnet kriegen, seine grauen Zellen benutzen, damit sie nicht noch schneller degenerieren. Die alte Frau muß den tee selbst aufgießen, obwohl viel Wasser danebengeht und alles „ewig“ dauert und ich es viel schneller und trockener hätte machen können. Es geht nicht nach meinem Rhythmus – aber sie kriegt ihr Leben hin, in ihrem Tempo.
Wenn ich einen blinden Menschen in der Bahn stehen sehe, obwohl Sitzplätze frei sind, frage ich ihn übrigens auch, ob er vielleicht sitzen möchte. Er kann ja nicht wissen, daß drei Meter weiter ein freier Sitzplatz ist. Aber wenn er sagt, er steht lieber, ist das doch sein gutes Recht…
Um auf dein Beispiel mit den Demenzkranken zurückzukommen: Diese Krankheit ist leider oft so schlimm, dass die Leute eben _nicht_ mehr ihr Leben hinkriegen. Man darf nicht immer alles so pauschalisieren.
Oft müssen Demenzkranke in ein Pflegeheim oder sogar müssen gar entmündigt werden. Klar, je länger man selber alles selber macht, umso langsamer baut man ab… aber irgendwann ist trotzdem ein Punkt erreicht, bei dem es ohne Hilfe nicht mehr geht.
Auch darfst du nicht unterstellen, dass die von Heiko genannte alte Frau (oder irgend jemand anders) irgendwelche Rechte einschränken bzw. den Blinden bevormunden will. „Zuvorkommenheit“ ist hier das Zauberwort. Wie du ja schon so richtig erwähnt hast, haben die Menschen teilweise recht unterschiedliche Vorstellungen von Höflichkeit.
Da kann man noch so sehr in einem Blog „rumkotzen“ wie Heiko, es nützt nichts. Es ist einfach nur eine gemeine Unterstellung, die jedem, der ungefragt Hilfe anbietet, überhebliches Mitleid unterstellt.
Man kann nur sehr schwer die Welt ändern, aber sehr wohl sich selbst… und wie man mit seiner Umwelt umgeht.
Was meint ihr, wie oft ich schon auf meine ungewöhnliche Körpergröße (2m) angesprochen wurde? Vor allem ältere Menschen verwundert diese stark.
Klar, es nervt manchmal, wenn man zum x-ten mal gefragt wird wie groß man ist, aber eigentlich mache ich mir nichts daraus.
Sicher alle, die wissen, was dir aufgrund deiner Blindheit entgeht und du auch nie anders erleben wirst. Du kommst mit Deiner Situation gut klar. Prima. Den Sehenden entgeht natürlich das an Sensorik, was Dich befähigt, Dein Leben selbständig zu leben. Ich weiß nicht, wie man sein Leben mit Blindheit bewältigt, wie man farblich koordiniert sich kleidet, oder ob es einen absolut nicht interessiert, wie man in der Außenwirkung auftritt. Ich hab keine Ahnung, wie man Hundehaufen ausweicht, nicht in die nächste Modderpfütze rennt und ob man überhaupt die Schönheit in z.B. der Natur genießen kann und vor allem, woran man diese „erlebt“.
Mitleid, oder auch Mitgefühl, ist, sich in jemanden anders hineinversetzen zu können, mit ihm mitzufühlen. Es ist bedauerlich, daß das einen so jungen Mann wie dich ankotzt. Ich wünsche mir mehr empathisch veranlagte Leute in der Gegenwart, die uneigennützig Hilfe anbieten, damit man nicht immer in der Bittstellerposition ist. Die einfach anbieten, die schweren Einkaufstüten bis zur Haustür zu tragen, das schwere Teil mit auf’s Autodach zu hieven oder den Kinderwagen die Treppe raufzutragen.
Zu unterstellen, daß die Oma Dich nur ihrer Selbstbefriedigung wegen ansprach, halte ich für arrogant und nicht sonderlich empathisch. Aber Deine Sensorik ist vermutlich auf diesem Sektor eben nicht so ausgeprägt. Schade.
@Kristin: Ich versuche mal, Deine konkreten Fragen zu beantworten. Wenn irgendwas unklar bleibt, freue ich mich immer über Nachfragen.
Kleidung: Ich selbst bin erst mit sieben Jahren erblindet, habe also noch eine Vgrundlegende Vorstellung von Farben.Außerdem lernt man auch als blinder Mensch im Kunst-Unterricht Wissen über Farbe (Stichwort: Farbenlehre). Somit weiß man schon mal theoretisch, welche Farben harmonieren, welche sich beißen. Dann gibt es ein sog. Farberkennungsgerät, ein Hilfsmittel, das man an die Kleidung hält und das dann die Farbe ansagt. Desweiteren lassen sich viele blinde Menschen beim Kleidungskauf beraten ( von Verkäufern, Freunden oder Partnern).
Hundehaufen und Matsch: Wenn man den weißen Stock vor sich hin und her schwingt, merkt man das unangenehme Hindernis manchmal. Wenn nicht, tritt man rein.;-)
Schönheit der Natur: Schließe doch mal am Meer , im Wald oder an einem Bergsee die Augen und konzentriere Dich darauf, was Du riechst, hörst, vielleicht sogar schmeckst und auf der Haut spürst. Du wirst begeistert sein. Ich jedenfalls liebe die Natur. Jeder Strand fühlt sich anders an, Landschaften klingen unterschiedlich. Die vielen Düfte in Wald und Feld können einen geradezu berauschen. Für mich ist die Welt wunderschön.
Du schreibst, dass Mitleid sich hineinversetzen bedeute. Aber genau das hat die Dame im Beispiel ja nicht getan. Sie ist einfach davon ausgegangen, dass mein Schicksal schrecklich sei und hat das auch noch mir gegenüber bekundet. Mich hat nicht gestört, dass mich die Dame gefragt hat, ob sie mir beim Einsteigen behilflich sein kann. Fürs sich-hineinversetzen braucht man Wissen und keine Vorurteile. Wer etwas wissen will, kann mich sehr gerne fragen. Ich jedenfalls habe mich gefreut, dass Du Deine Fragen in Deinem Kommentar gestellt hast.
@Nelly: Der Titel ist provokativ. Wäre er ausgewogener, hätten wahrscheinlich nicht weit mehr als 10.000 Leser den Weg hierher gefunden. Ich meine mit dem „Euer“ aber ja nicht alle nichtbehinderten Menschen, sondern nur diejenigen, die sich vermeintlich mitleidend verhalten.
@Beowulf: Ich weiß nicht, wie oft andere Kommentatoren und ich das noch schreiben sollen. Es geht nicht darum, dass das Anbieten von Hilfe lästig ist. Ganz im Gegenteil: Hilfsbereitschaft macht diese Gesellschaft lebenswerter. Es geht um respektloses Bemitleiden und um das Nichtakzeptieren eines „Nein, Danke“.
Du verstehst wohl noch immer nicht wie gewisse alte Menschen ticken.
Auch gilt das „Nein, Danke“ in beide Richtungen. Man kann zwar das andere Verhalten der Menschen im Ausland als Respekt interpretieren… aber auch als Desinteresse. Man kann nur schwer in die Köpfe anderer Menschen schauen.
Es ist dieses Pauschalisieren und Polemisieren, was deinen Blog-Beitrag so überflüssig macht. Da werden Generationskonflikte und halbseidene Betrachtungen der Mentalitäten unterschiedlicher Nationen durcheinander gewürfelt, nur damit man sich wieder mal in der Opferrolle bestätigt fühlt. Mich kotzt dein Selbstmitleid an. Bist du etwa nicht Manns genug um dich gegen eine Omi durchzusetzen?
Wahnsinn. Ein Dschungel von Kommentaren und Meinungen!
Ich glaube das die Dame wirklich nur helfen wollte. Allerdings finde ich es auch ‘Echt Ätzend’ wenn man Nein Danke sagt und einem immer noch die Hilfe aufgedrängt wird.
Aber immer noch besser als nur aus der Ferne zu beobachten und hinterrücks zu tuscheln.
Menschen sind schon manchmal komisch.
Ich wurde schon einige Male als Simulantin betitelt. Als ich versehentlich Leute anrempelte und mich entschuldigte, auf meine Plakette zeigte.
Letzte Woche noch, meinte ein Mann, sowas kann sich ja jeder anstecken.
Alles klar. Ich steck mir die Blindenplakette nur zum Spass an !
Wenn man noch nich so alt ist und schon blind oder fast blind ist, dann hat man öfter solche Reaktionen wie ach so schrecklich und noch so jung. Das erlebe ich auch öfter.
Vor kurzem hatte ich mit einem jungen Mann im Rollstuhl eine Diskussion über Behinderung. Er fand Blindheit auch viel schlimmer als seine Behinderung. Ich war im Gegensatz froh , nur wenig zu sehen, aber dafür noch laufen zu können.
Alles hat sein für und wieder.
Es ist einfach eine schwierige Sache, aber so vorgetragene Hilfe ist wirklich grenzwertig, keine Frage.
Pingback: On the blind side
Grüß euch, Ich kann die in Heiko’s Artikel geschilderte Situation sehr gut nachempfinden, da ich sie selbst tag täglich erlebe. „Sie hat’s nur gut gemeint“ „sie braucht vielleicht selbst Hilfe“ „Sie kann sich halt nicht vorstellen, wie der arme, bemitleidenswerte blinde junge Mann die Tür der Bahn findet“ Solche Aussagen halte ich absolut nicht aus. Man stelle sich als nicht behinderter Mensch vor: Jemand kommt an, und möchte einem auf der Straße einen Flyer in die Hand drücken, eine Zeitschrift verkaufen. „Nein danke“ eine Reaktion, wenn man keine Zeitschrift kaufen möchte, bzw. keinen Flyer in die Hand gedrückt bekommen möchte. Von einem „Nein danke“ erwartet man, dass es vom gegenüber akzeptiert wird, und man danach in Ruhe gelassen wird. Wenn der Zeitschriftenverkäufer aber hartnäckig ist, lässt er Sie nicht mit einem „Nein danke“ entkommen, sondern setzt sich darüber hinweg, belagert bzw. belästigt Sie weiter. Wie gefällt Ihnen das? Das „Nein danke“ einfach nicht akzeptiert, respektlos übergangen, einfach niedergemacht. Kaufen Sie doch diese Zeitschrift, stehen doch so tolle Sachen drin, kostet ja nur 3 Euro, Umweltschohnendes Papier… Blablabla. Aber nee, wieso glauben Sie, Sie werden den mit einem „Nein danke“ einfach los? Sie müssen ihm schon erklären, dass sie jetzt gerade in diesem Moment nicht in der Lage sind, diese Zeitschrift zu kaufen, weil sie eigentlich nur am Weg zum Kaffee bei Freunden sind, aber leider halt deshalb keine Geldtasche dabei haben, weil beim Kaffee bei Ihren Freunden brauchen Sie ja keine Geldtasche, und weil Sie ja jetzt kein Geld dabei haben, können Sie Ihm nichts abkaufen. Wen interessiert das? Nein =nein, wer das nicht versteht soll es im Duden nachschlagen und das danke hinten dran, ist halt die Höflichkeitsform dazu.
Deto bei angebotener Hilfe: „Nein danke, ich komme schon klar“ Für mich, wenn ich morgens um 6 unterwegs zum Frühdienst bin, eine wahnsinns langer Satz. Der muss reichen! Auch ich habe schon älteren Personen in der Straßenbahn Sitzplätze angeboten, weil die, sogar für eine blinde völlig offensichtlich sich beim Stehen geplagt haben. Aber wenn mein Angebot abgelehnt wurde, dann ist es nicht mein Problem. Im Gegenteil, ich kann sitzen bleiben und der erwachsene Mensch, der selbst und eigenverantwortlich mit einem aus meiner Sicht schlechten Stehvermögen in der Straßenbahn stehen möchte, soll dies doch bitte um Himmels Willen tun! Ich urteile über das Stehvermögen eines Anderen, vielleicht empfindet der jenige es nicht so. Ich denke mir, ich wäre froh über einen sitzplatz, wenn ich mich beim Stehen so anstrenge, aber er empfindet es vielleicht anders, oder hat weiß Gott welche anderen Motive, den von mir angebotenen Sitzplatz abzulehnen. Ist nicht mein Problem, weil ich die Antwort des Anderen so akzeptiere, wie ich sie bekomme und mich nicht weiter aufdränge. Wozu auch, ich weiß ja, wie man sich dabei fühlt.
Daher denke ich auch: viele, die solche Situationen nicht kennen, bzw. die Tragweite dessen, wenn man immer damit konfrontiert wird, absolut nicht einschätzen können, den Frust der sich bei einer solch respektlosen Ignoranz aufbaut, die sollten darüber mal nachdenken, wie sie sich selbst dabei fühlen würden, über die Wertschätzung eines Gegenübers, bevor Sprüche wie: „War ja nur gut gemeint“ vom Stapel gelassen werden.
Ich meins auch gut, wenn ich jemandem Hilfe anbiete, wenn sie abgelehnt wird, brauche ich mich dabei nicht schlecht zu fühlen – wozu? Wieso muss ich da noch nachbohren? Wieso muss ich da aufdringlich werden, nur weil ich mir nicht vorstellen kann, dass jemand mit einer Behinderung dies oder jenes alleine bewältigen kann?
Ich wurde erst unlängst von einer angeblich helfenden Hand, ohne Vorwarnung, in der fahrenden Straßenbahn am Rucksack gepackt und mit eienr Wucht auf einen Sitzplatz geschleudert. Das waren nicht nur höllische Schmerzen, nachdem der Schock nachließ, sondern ich habe auch meine Haltestelle verpasst, weil ich nicht gleich aufstehen konnte. Weil ich es gewagt habe, diesen mir angebotenen Sitzplatz mit einem „Nein danke, bin grad 5 Stunden im Zug gesessen. Außerdem fahre ich ja nur zwei Stationen“ abzulehnen. Warum soll ich für zwei Stationen sitzen, wenn ich grad eine ewig lange sitzende Zugfahrt hinter mir habe? Also eine Flut an Rechtfertigungen sogar, warum ich nicht sitzen möchte, scheiß egal, das wurde nicht respektiert.
Ich freue mich über angebotene Hilfe, wenn ich sie benötige, und ich freue mich, wenn jemand akzeptiert, dass ich gerade keine Hilfe benötige. Ich hasse es, wenn über meinen Kopf hinweg entschieden wird, dass ich gerade jetzt Hilfe benötige, ich auf diese Art entmündigt werde, weil diese helfenden Hände vorrübergehend an einer Hörbehinderung leiden, die meine Worte nicht zu ihnen durchdringen lässt, und ich dann mal kräftig angepackt werde und irgendwo lande, wo ich absolut nicht mehr weiter weiß, weil ich grad schön rund um gedreht wurde.
Dann muss ich erst wieder jemanden um Hilfe fragen. Toll!
Lange Rede, kurzer Sinn: Richtig helfen: die Person, die aus Ihrer Sicht Hilfe benötigen könnte direkt ansprechen, und die gegebene Antwort akzeptieren. Dazu brauch ich keine Erfahrung mit behinderten Menschen, dazu reicht der Hausverstand!
Lieben Gruß
Sehr interessanter Beitrag!
Schöne Seite. Gute „Tips/Verhaltensweisen“ (ich bin nicht behindert)
ABER: die Schriftart deiner Seite ist definif zu klein, tu ich mich als Sehender schon schwer! (ja ich weiss, man kann auch zoomen)
grüße tobi
Hallo.
Ich bringe mal einen anderen Aspekt in die Runde.
Meiner Meinung nach ist ein Problem auch bei allen andern Menschen, sich nicht in den anderen hinein versetzen zu können.
Ich sehe doch nur meinen Standpunkt und meine Wahrheit.
Wenn ich die andere Wahrheit erleben und begreifen möchte, muß ich daran Teil haben.
Also vielleicht sitze ich demnächst mal neben jemanden. Ob der nun eine Beeinträchtigung hat, ist dabei nicht wichtig.
Da könnte ich ihn ja fragen, wie sein Tag war, was er so für Hobbys hat oder so.
Vielleicht kann ich ja in diesem Moment irgend etwas von ihm lernen.
Zum Beispiel, wie es sich anhört, wenn irgendwo eine Tür aufgeht oder wenn viele Unbekannte reden.
Möglicherweise höre ich das nächste Mal auch genauer hin und nehme meine Umgebung ganz anders wahr.
Ich wünsche dir, Heiko und allen anderen viel Spaß, Erfolg und ganz viel Energie.
Ciao Claus
Hey du, ich bin gerade auf deinen Block gestoßen und habe deinen Kommentar zu der alten Dame mit der Ubahn und so gelesen. Ich muss sagen ich finde es schade, dass du es so siehst. So „abwertend“, wenn dir jemand helfen will. Ich selbst frage auch oft, ob ich jemandem helfen kann. Egal ob er nun blind ist, ob er alt ist, ob er im Rollstuhl sitzt. Ich finde das sollte man einfach so machen. Man sollte respektvoll im Umgang mit anderen Menschen in der Gesellschaft sein, ganz egal ob sie „gesund“ sind oder eine Behinderung haben oder sonst irgendwie den Anschein machen, als wenn sie Hilfe bräuchten. Auch einer Mutter mit einem Kind biete ich oftmals meinen Sitzplatz an. Was wäre das denn für eine Welt, in der man sich komplett ignorieren und nur an sich selbst denken würde? Sei doch lieber froh, dass andere Menschen dich wahrnehmen. Du sagst zwar, du wärst genervt, du möchtest nach einem Tag im Büro auch gerne mal stehen. Das kann aber doch ein anderer nicht wissen. Das hat nichts mit „nur weil ich eine Behinderung habe soll ich mich erklären oder rechtfertigen“ zu tun, das hat mit Kommunikation im Allgemeinen zu tun, um Missverständnisse zu vermeiden. Seh doch nicht alles so eng und reduziere alles auf „Ich habe eine Behinderung, deswegen darf ich dinge anders und kritischer sehen und alle anderen meinen es ja gar nicht gut mit mir“…
Also muss muss man sich allen dahergelaufenen Leuten komplett erklären? Wo kommen wir denn da hin? Hab gehört da soll es sowas wie Privatsphäre geben… Schließlich sollten Menschen mit einer Behinderung ja auch selbst wissen wann sie Hilfe brauchen oder wann sie sie in Anspruch nehmen wollen (Menschen mit geistiger Behinderung schließe ich nicht zwingend ein hier – will hier nicht noch mehr „MeckerBasis“ liefern). Und wenn nicht… Dann halt nicht!
Bin genau deiner Meinung Heiko
Hilfreiche Tipps für Sehende zum Umgang mit Blinden gibt der Ratgeber des DBSV „Nicht so – sondern so“, zum Runterladen auf http://www.helfen.dbsv.org
Hallo Herr Kunert,
ich wollte fragen, ob ich Ihre Erfahrung mit dieser Dame am Bahnsteig in meiner Klasse vorlesen darf. Ich unterrichte gerade das Thema „Leben mit Behinderungen“ in einer 5. Klasse und würde gerne Ihren Bericht als Aufhänger nutzen, um mit den Schülern den Umgang mit behinderten Menschen zu erarbeiten…
@ Benjamin Folkerts: Sehr gern! Ihnen und Ihrer Klasse eine spannende Diskussion!
Hallo Zusammen!
Ich kann verstehen wie sich Herr Kuhnert in dieser Situation gefühlt hat. Mit geht es mehrmals am Tag genauso. Ich kann auch verstehen wieso manche Menschen mit Behinderung auf die Frage: „Kann ich ihnen helfen“ pampig reagieren. Ich sitze im Rollstuhl. Ich erlebe sehr oft das wild fremde Menschen in der Anbsicht mir zu helfen ohne das es einen Grund dafür gibt, plötzlich in meinem Rücksack wühlen, mir meinen Einkaufswagen weg nehmen, mich von einer Tätigkeit weg stoßen oder mir beim Einsteigen in die U-Bahn oder den Bus einen kräftigen Stoß in den Rücken geben. Diese Menschen fragen nicht. Sie schauen nicht danach ob eine Hilfsbediftigkeit oder Stelbständigkeit vor liegt. Sie handeln nicht weil eine Hilfsbedürftigkeit vor liegt. Sie handeln weil sie einen Behinderten sehen. Wenn sie fragen und man „nein danke geht schon“ sagt, ignorieren sie es und helfen trotzdem. Wenn man „ja bitte gern“ sagt, helfen sie nicht nur in der benötigten Situation. Sie kleben an einem wie eine Klette und man wird diese Helfer gar nicht mehr los. Die Unfreundlichkeit mancher Behinderten ist ein Resultat von Aufdringlichkeit, Nötigung und Spießrutenlaufen. Um sich vor diesen Zwanghelfern zu schützen gibt es für manche Menschen mit Behinderung keine andere Alternative als unfreundlich zu sein. Das ist ein Selbstschutz, weil nie jemand ein greift wenn sie bedrängt und genötigt werden. Sehr oft werden Behinderte auch beschimpft wenn sie ihre Selbständigkeit einfordern und ihre Alltagsaktivitäten, wie gesunde Menschen auch, ohne fremde Hilfe erledigen möchten. Selbstverständlich ist das nicht. Die Gesellschaft erwartet von Menschen mit sichtbarer Behinderung das sie NICHT mit ihrer Behinderung zurecht kommen und unselbständig und hilfsbedürftig sind. Tatsächlich wird aber jeder Behinderte der ein Mobilitäts- und Selbständigkeitstraining durchlaufen hat, so lange trainiert, bis er von fremder Hilfe weitestgehend unabhängig und in seinem Alltag selbständig ist. Dies steht im krassen Gegensatz zu dem was die Gesellschaft von einem Behinderten erwartet. Menschen die kein Mobilitäts- und kein Selbständigkeitstraining durchlaufen haben, werden durch ihre Umgebung zu abhängigen und hilfsbedürftigen Menschen gemacht. Zu viel helfen jedoch nimmt Lebensqualität. Seölbständigkeit gibt Lebensqualität. Ich kenne mehere solcher armen Menschen. Deshalb finde ich eine gesellschaftliche Aufklärung wie Herr Kuhnert sie anstrebt nicht nur äußerst wichtig, sondern sogar obligatorisch. Wir alle sollten dazu beitragen das nur dort geholfen wird, wo Hilfe benötigt wird und erwünscht ist und das Behinderte ermutigt werden, denen die aufdringlich werden, freundlich ihre Meinung zu sagen. Nur durch Aufklärung können wir die Gesellschaft ändern und die Menschen dazu bringen, uns Menschen mit Behinderung so zu akzeptieren wie wir wirklich sind. Nämlich genauso verschieden wie gesunde Menschen. Der eine kann mehr und der andere kann weniger. Doch eines haben Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam. Sie versuchen das Beste aus ihrer Situation zu machen und auch dort zurecht zu kommen, wo sie an ihre Grenzen stoßen. Wir alle lieben das Leben, so wie es gerade ist. Diese Botschaft gilt es zu vermitteln und zwar überall auf der Welt.
Gruß Christinchen
Ich hatte gerade eine ähnliche Situation nur das ich die „alte Dame“ war.
Folgende Situation:
Ich wenn ich zur Uni fahre dann befindet sich ab und zu ein blinder Kommolitone mit im Bus. Um von der Bushaltestelle zur Uni zu kommen muss man eine teilweise recht stark befahrene Straße ohne Ampel überqueren. Er macht eigentlich einen recht sicheren Eindruck, aber neulich ist mir aufgefallen, dass er sehr lange an der Bushaltestelle stand und horchte ob Autos kommen. Ich war damals schon fast beim Eingang der Uni (die Bushaltestelle ist eine ganze Weile auf dem Weg zum Eingang einsehbar) und bin dann nicht zurück gegangen und habe mich damals schon gefragt ob ich ihm nicht hätte über die Straße helfen sollen. Heute war wieder die selbe Situation, wir stiegen aus dem Bus aus und die Straße war recht befahren. Diesmal bin ich an ihn herangetreten und habe „Hallo, soll ich dir über die Straße helfen?“ gefragt. Als Antwort bekam ich dann ein ziemlich patziges „Kennen wir uns, du Clown?!“. Ich antwortete dann nur „Ok, dann nicht.“ und bin über die Straße gegangen. Er stand dann wieder eine ganze Zeit da und hat gewartet.
Ich hatte ihn schon ein paar mal gesehen wie er von anderen Studenten in der Uni geführt wurde und hatte mir nun bei meinem Hilfsangebot nichts weiter gedacht. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass ich ihm die Hilfe auftränge. Aber man kann doch eigentlich beim erstmal noch mit einem freundlichen „Nein, Danke. Ich komme schon klar.“ antworten. Bin ich da in irgendein Fettnäpfchen getreten oder hatte er einfach nur nen schlechten Tag?
Ich finde sowas schreckt einen dann auch immer davon ab jemand anders seine Hilfe anzubieten und wenn ich wieder einen Blinden sehe der über die Straße will, dann muss ich sicherlich an mein Erlebnis heute Morgen denken.
Was meinen Sie zu seiner Reaktion?
Hallo Sebastian,
ich kann mir gut vorstellen das Dich die Reaktion des blinden Mitstudenten üerascht und vieleicht sogar verletzt hat. Aber ich kann sie nachvollziehen. Nur weil ich nicht von selber darum bitte, da ich problemlos ohne fremde Hilfe zurecht komme, werde ich auf Grund meines Rollis pausenlos von (sorry) besserwisserischen Fußgängern (wieder sorry) mit Helfersyndrom gefragt ob ich Hilfe brauche. Sehr oft sogar in Situation in denen ich nichtstuend rum stehe und auf die grüne Ampel oder eine Freundin warte. Oft werde ich sogar gar nicht gefragt, sondern bekommte gesagt „Warum lassen sie sich denn nicht dabei helfen?“ oder „Lassen sie das sein ich mach das schon!“. Du warst bestimmt nicht der erste hilfsbereite Mensch, dem dieser blinde Mann an diesem Morgen begegnet ist. Wenn man nie normal sein darf, wenn man nie normale Dinge können darf ohne das sich ständig jemand genötigt fühlt sich ein zu mischen, dann kann es passieren das man schon mal mürrisch reagiert. Du als Gesunder siehst das vieleicht anders. Du hast es nur gut gemeint. Du wolltest nur helfen. Ich hingegen wäre froh wenn man mit meinem Rollstuhl nicht Hilfsbedürftigkeit und Alltagsprobleme asozieren würde. Ich habe nicht das Bedürfnis wieder laufen zu können. Aber ich habe eine große Sehnsucht danach nur einmal einen einzigen Tag unter Menschen gegen zu können, ohne das man mich bei jeder Begegnung an quatscht und mir bei ganz normalen Dingen, die jeder alleine kann, helfen möchte. Wenn mich jemand in einer Situation in der ich absolut souverän auftrete fragt, ob er mir helfen kann, dann sage ich, „Ja, mit nicht fragen und einen Behinderten in Ruhe lassen wenn er keine sichtbaren Pobleme hat!“. Für manch einen hört sich meine Antwort vieleicht frech oder patzig an, aber für uns Betroffene gibt es nichts erholungsameres als nicht angesprochen und in Ruhe gelassen zu werden. So wie es in unserem gesunden Leben einmal war.
Schöne Grüße Christinchen
@Christinchen
Klar mich würde es auch stören wenn ich irgendwo stehen würde und dauernt angesprochen werden würde. Mir geht es ja auch nicht darum das er meine Hilfe abgelehnt hat. Ich denke aber ein Blinder mit Blindenstock am Rand einer befahrenen Straße und auf Autos horchend ist das klassische „sichtbare Problem“. Woran soll man denn erkennen, ob er sich über Hilfe freut oder angepisst reagiert?
Wenn du z.B. in den Bus oder die (U-)Bahn willst und es aber wegen einer Stufe nicht klappt und du auch nach ein paar Versuchen nicht reinkommst. Würdest du dann auch so reagieren wenn jemand fragt ob er dir helfen kann, selbst wenn du es alleine weiter probieren willst? Natürlich kannst du die Hilfe ablehnen aber ich denke der Ton macht da die Musik. Weil im Zweifel ist der den du dann gerade eine schlecht gelaunte Antwort gegeben hast, der der beim nächsten mal einem anderen Behinderten nicht hilft, obwohl er vielleicht Hilfe benötigt.
Ich würde mir wünschen wenn man als Hilfe anbietende Person auch mit soviel Respekt behandelt wird, so dass man wenigstens beim ersten Nachfragen nicht gleich dumm angemacht wird.
Grüße Sebastian
@Sebastian,

Du fragst woran soll man denn erkennen, ob ein Behinderter sich über Hilfe freut oder angepisst reagiert? Ganz einfach, in dem man wartet bis der Behinderte Dich an spricht und um Hilfe bittet.
Das machst Du doch auch bei Gesunden so. Für den blinden Mann gab es wahrscheinlich gar keine hilfsbedürftige Situation. Er tat das was er immer macht. Warten auf eine passende Gelegenheit die Straße zu überqueren. Er war ja nicht alleine. Hätte er Probleme dabei gehabt, hätte er doch Passanten, die an ihm vorbei liefen, angesprochen oder Fahrgäste im Bus gefragt. Ich bin mir ziemlich sicher das dieser blinde Mann nur für Dich hilfsbedürftig aus sah. Für ihn selber gab es keine prekäre Situation. Er tat ja das was er immer an dieser Stelle macht. Nämlich an einem für ihn bekannten Überweg eine Straße überqueren. Du hast diese Situation für Dich bestimmt als hilfsbedürftig eingestuft, weil dieser blinde Mann sich keine Hilfe geholt hatte, obwohl er Gelegenheiten nicht nutzen konnte, in denen Du als Nichtblinder schon längst rüber gegangen wärst. Doch ein Blinder sieht die Lücke zum Überqueren nicht und deshalb überquert er die Straße anders als Du. Sein Zögern ist nur für Dich ein Ausdruck von Überforderung. Für ihn gehört das Zögern zu seiner Alltagskompetenz.
Wir Deutschen müssen lernen uns nicht ein zu mischen, auch wenn es uns in den Fingern juckt. Wenn Du etwas tust das Dir schwer fällt, Dich aber nicht ins Straucheln bringt, bittest Du doch auch nur dann um Hilfe, wenn Du der Meinung bist das dies nötig ist. Die Zuschauer lassen Deinen Alleingang zu, weil sie sich sagen, der Sebastian weiß was er tut und wird sich schon melden wenn er Hilfe braucht. Doch sobald man eine Behinderung hat die die Gesellschaft mit Hilfsbedürftigkeit und Abhängigkeit asoziiert, erlebt man Tag täglich, daß fremde Menschen für einen diese Entscheidung ab nehmen. Menschen glauben das man in Schwierigkeiten ist, nur weil weil man etwas alleine macht oder es anders aus sieht als sie es gewohnt sind. Ich weiß Du hattest Dein Angebot gut gemeint und jetzt bist Du verunsichert. Vieleicht versuchst Du es mal mit Vertrauen. Vertraue in die Fähigeiten eines blinden Mannes der seinen Weg zur Uni wahrscheinlich schon im Schlaf kennt. Auch wenn er innerhalb der Uni ab und zu geführt wird, Möchte er nur Hilfe haben, wird er selber darum bittet. Irgend wann wäre ihm das Warten an der Straßenüberquerung zu lange geworden. Spätestens dann hätte er sich von alleine Hilfe geholt.
Dir einen schönen Abend, Gruß Christinchen
Ok ich kann nun erahnen wieso er die ggf. lange Wartezeit (Ausfallstraße an Rande eines Wohngebierts, quasi keine Passanten sonst, Bus alle 30min nur) der schnellen Überquerung vorzieht, aber ich finde seine Antwort trotzdem immernoch ziemlich daneben. Er hätte sich auch die 30 Sekunden Zeit nehmen können, die ich ja auch bereit war zu opfern, und die ganze Sache erklären können. Damit hätte er zu der Aufklärung beigetragen das behinderte Menschen keine Hilfe wollen außer sie Fragen danach und ich hätte mich nicht geärgert das ich überhaupt meine Hilfe angeboten habe.
@Sebastian,
Das daraus das Gefühl erwächst einfach nur in Ruhe gelassen zu werden und Reaktionen enstehen die darauf abziehlen einen Anredner so schnell wie möglich wieder los zu werden, und zwar ohne Diskussion, mußt Du auch verstehen. Heiko Kuhnert beschrieb ja auf eine sehr schöne Weise, daß es nicht die Regel ist das ein Anredner mit einem freundlichen Nein Danke zufrieden zu stellen ist. Man muß sich in den meisten Fällen für sein Nein Danke rechtfertigen und dem Anfager groß und breit erklären wieso weshalb warum man ohne Hilfe weiter machen möchte. Nur dazu hat man nicht immer die Kraft und die Geduld. Niemand, möchte das ihm auf Schritt und Tritt die Selbständigkeit genommen wird. Auch Du nicht. 
solche Antworten sind nicht nett. Da stimme ich Dir zu. Es ist aber ganz bestimmt nicht so das Behinderte keine Hilfe wollen. Aber sie wollen nur dann Hilfe wenn sie sichtbar in Not sind oder darum bitten. Wir wollen das unsere Selbständigkeit und Unabhängigkeit, die wir in der Reha oder autodidaktisch antrainiert haben, genauso selbstverständlich akzeptiert wird, wie bei einem gesunden Menschen, der wir früher einmal waren. Das Leben eines Behinderten ändert sich ja nicht nur körperlich. Er wird auch gesellschaftlich herab gestuft. Ihm wird die Teihabe am normalen Alltagsleben nicht mehr zugetraut . Und zwar nicht nur einmal, sondern unzählige mal, Tag für Tag. Pausenlos. Manchmal fragen Menschen wie Du sogar im Sekundentakt. Den einen wimmelt man ab und schon ist der nächste da.
Ich hoffe ich konnte Deinen Ärger in Verständnis umwandeln.
Schöne Grüße, Christinchen