Blindheit in Ghana: „Eine Strafe Gottes“

Gruppenfoto: Maschenka Jennert in Ghana
Gruppenfoto: Maschenka Jennert in Ghana

Maschenka Jennert und ihr Verein “Augen auf Ghana” helfen blinden und sehbehinderten Menschen in Ghana. Im Gespräch mit mir beschreibt sie den Alltag blinder Menschen in dem afrikanischen Land, berichtet über das Schul- und Gesundheitssystem und erzählt, wie ihr Verein arbeitet.

Heiko Kunert: Wenn du und ich – wir sind beide blind – nicht in Deutschland, sondern in Ghana lebten, wie würde dann unser Alltag aussehen?

Maschenka Jennert: Wahrscheinlich wäre unser Alltag ziemlich langweilig, weil wir nichts zu tun hätten. Vielleicht wären wir zur Schule gegangen, aber nur die wenigsten blinden Menschen studieren. Ein Studium kostet in Ghana viel Geld, da stecken die Familien es natürlich lieber in ihre sehenden Kinder, weil diese eher einen Job bekommen. Mit etwas Glück hätten wir natürlich trotzdem studiert oder würden für die Ghana Blind Union arbeiten, aber wahrscheinlicher ist, dass wir betteln müssten. Es gibt allerdings auch ein paar Ausnahmen, so gibt es in Ghana zum Beispiel einen Nachrichtensprecher im Fernsehen und, soweit ich weiß, auch einen blinden Parlamentsabgeordneten.

Heiko Kunert: Was ist mit Kindern und Jugendlichen? Wie sieht die Beschulung blinder Menschen aus?

Maschenka Jennert: Es gibt in Ghana zwei Blindenschulen, die jeweils 360 Schüler aufnehmen können. Allerdings sind ungefähr 8.000 Kinder unter 15 Jahren blind oder sehbehindert. Wenige von ihnen werden integrativ beschult, die meisten sind zu Hause oder werden in ein Waisenhaus gegeben, im schlimmsten Fall ausgesetzt.

Heiko Kunert: In vielen ärmeren Ländern ist die Quote blinder und sehbehinderter Menschen sehr viel höher als bei uns. Grund ist oft ein unterfinanziertes Gesundheitssystem. Wie ist das in Ghana?

Maschenka Jennert: In Ghana gibt es eine Krankenversicherung, die im Jahr für einen Erwachsenen umgerechnet 8 Euro, für ein Kind 3 Euro kostet. Die Krankenversicherung deckt sogar viele Augenbehandlungen ab, aber viele Menschen in Ghana wissen das nicht und könnten sich die Transportkosten zum Augenarzt ohnehin nicht leisten. Gute Augenkliniken gibt es nur in Accra und Kumasi und eine in Akwatia.

Heiko Kunert: Du engagierst Dich schon seit vielen Jahren in Ghana. Wie bist du dazu gekommen und was fasziniert dich an diesem Land?

Maschenka Jennert: Ich habe im Rahmen meines Studiums 2006 ein Praktikum in der Akropong School for the Blind in Ghana gemacht und dabei festgestellt, dass es dort Schüler gab, die noch einen Sehrest hatten. Leider waren die Klassenzimmer so dunkel, dass ihnen ihr Sehrest dort nichts genützt hat. Außerdem waren dort Schüler, die zum Beispiel erblindet waren, weil sie Masern bekommen hatten, oder der graue Star nicht rechtzeitig entfernt worden war. An Ghana faszinieren mich die Menschen. Sie sind mir gegenüber sehr hilfsbereit. Außerdem gefällt mir die Musik. Und dann ist da noch die Ananas, die auf dem Feld reift und viel süßer schmeckt als bei uns.

Heiko Kunert: 2009 hast du einen Verein gegründet: Augen auf Ghana. Was genau tut ihr? Vielleicht kannst du uns von einigen eurer Projekte erzählen.

Maschenka Jennert: Wir gehen in Dörfer und Kleinstädte und klären die Menschen über Blindheit auf. Das tun wir in Zusammenarbeit mit Augenkliniken, die ein medizinisches Team zur Verfügung stellen. Viele Menschen in Ghana glauben, Blindheit sei eine Strafe Gottes und akzeptieren ihr Schicksal deshalb, anstatt erstmal eine Augenklinik aufzusuchen. Viele gehen auch zu einem Pastor, der ihnen Heilung durch Gebet verspricht. Wenn das nicht klappt, liegt es natürlich nicht am Pastor, sondern am nicht vorhandenen Glauben des Patienten. Aber es gibt auch Pastoren, die uns ihre Kirche zur Verfügung stellen. Dorthin kommen dann alle, die Hilfe wollen. Wir verteilen Lesebrillen, Sonnenbrillen und Augentropfen und bringen diejenigen, die eine Operation brauchen, nach Accra in eine Augenklinik. Einmal kam eine Frau zu einer Untersuchung, die in einer Kirche stattfand. Sie war schon etwas älter und brauchte eine Lesebrille. Wir hatten eine dabei, die zu ihr passte. Als sie ihre Bibel endlich wieder lesen konnte, tanzte sie vor Freude durchs Dorf. Dadurch wurden noch mehr Menschen ermutigt, sich untersuchen zu lassen.

Heiko Kunert: Eine ganz ähnliche Ausrichtung scheint die große Christoffel-Blindenmission zu haben. Wie unterscheidet sich eure Arbeit voneinander?

Maschenka Jennert: Wir sind viel kleiner und haben deshalb nicht die Möglichkeit, Augenärzte auszubilden. Ansonsten, denke ich, machen wir ganz ähnliche Arbeit.

Zur Person:

Maschenka Jennert ist 34 Jahre alt, hat die Blindenschule und später integrativ die Heinrich-Hertz-schule in Hamburg besucht und dann Sonderpädagogik studiert. Sie ist Musikerzieherin und sucht aktuell Arbeit. 2009 gründete sie den Verein “Augen auf Ghana”, der sich der Bekämpfung von Blindheit in Ghana widmet. In ihrer Freizeit singt sie in zwei Chören. Außerdem liest sie gern oder trifft Freunde.

Blinde können sehen, wenn man sie lässt: Hörenswertes Feature aus den USA

Mit der Berichterstattung über Blindheit ist das so eine Sache. Sie schwankt meist irgendwo zwischen Überhöhung und Mitleid. Häufig steht die Behinderung als rein medizinisches Phänomen im Mittelpunkt, nicht der Mensch, nicht die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Ausführlich habe ich hierüber bei Leidmedien.de geschrieben. Dass es auch anders geht, zeigt ein ganz hervorragendes Feature aus den USA. In der Senderreihe Invisibilia lief bereits im Januar eine Folge mit dem Titel „How To Become Batman“.

OK, der Titel klingt noch nicht sonderlich originell, der Inhalt und die Form der Sendung sind es aber allemal. In der Ankündigung zur Sendung heißt es:

Alix and Lulu examine the surprising effect our expectations can have on the people around us. Plus, the story of a blind man who says expectations have helped him see. Yes, see.

Im Zentrum steht Daniel Kish, der sich als blinder Mensch mit Hilfe von Klick-Lauten orientiert, Seine Umgebung erkundet, Fahrrad fährt. Das Feature zeigt, welch großen Einfluss die Erziehung auf die Entwicklung seiner Fähigkeiten hatte. Kish hatte das Glück, dass er sich als Kind allein und frei bewegen durfte, in Bäumen klettern, die Nachbarschaft erkunden durfte. Vielen blinden Kindern bleibt dies verwehrt, weil Eltern ängstlich sind, sie es ihren Kindern nicht zutrauen.

Ich selbst erinnere mich an Kinder, die mit zehn Jahren zu uns ins Internat für Blinde und Sehbehinderte kamen und die sich nicht einmal in geschlossenen Räumen eigenständig bewegen konnten, weil sie während ihrer gesamten Kindheit an der Hand der Eltern gegangen waren. Das sind zwar Extrembeispiele, dennoch: Behinderung ist nicht primär biologisch, sie ist ein gesellschaftliches Phänomen. Erwartungen unserer Eltern, unserer Mitmenschen prägen uns und unsere Fähigkeiten. Blinde Menschen können sehen – das sagt inzwischen sogar die Hirnforschung -, wenn man uns lässt.

Das NPR-Feature macht dies journalistisch hoch professionell und sehr unterhaltsam zum Thema. Warum hört man Vergleichbares eigentlich nie im Deutschen Radio? Dabei tappen die Macher nicht in die Falle, den Weg Daniel Kishs als alleinseligmachend zu verkaufen. Es wird auch die Frage gestellt, ob es nicht beinahe gewalttätig gegenüber blinden Kindern ist, wenn man von ihnen verlangt, dass sie so sein müssen wie sehende Kinder. Es kommt nicht nur Kish als Maßstab aller Dinge zu Wort, sondern auch andere blinde Menschen und Vertreter von Blinden-Organisationen. Großartig!

Das Feature kann auf npr.org nachgehört werden. Nehmen Sie sich die Stunde Zeit, und vielleicht denken Sie danach anders über Blindheit, Behinderung, den Menschen, die Welt.

Lieben Dank an Tina und Toby, die mich auf den Podcast aufmerksam gemacht haben!

Aufbruch zu neuem Denken: ARD Alpha über Inklusion

“Aufbruch zu neuem Denken – Herausforderung Inklusion”, unter dieser Überschrift stand gestern das alpha-Forum extra auf ARD Alpha. In der Sendung diskutierten die Diversitätssoziologin Prof. Dr. Elisabeth Wacker, der Präsident des Bayerischen Bezirkstags Josef Mederer und ich über Inklusion in Deutschland. Die Moderation hatte Zuhal Soyhan. Aktuell können Sie die Sendung in der BR-Mediathek ansehen oder hier nachlesen.

Bürgerschaftswahl 2015: Hamburgs Parteien über Schulische Inklusion

Die Parteien haben geantwortet. Wir vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) hatten ihnen zehn Fragen gestellt. Hier ihre Kernaussagen zum Thema Schulische Inklusion:

SPD: Die Ausbildung von Lehrkräften und Pädagogen soll auf die neuen Herausforderungen, insbesondere auf Inklusion zugeschnitten werden. Wir werden eine große Zahl von Schulbegleitern künftig direkt den Schulen zuweisen. Dort können sie flexibel eingesetzt werden und mehr Schülerinnen und Schülern helfen. So entlasten wir zugleich viele Eltern. Sie müssen nicht mehr wie bisher selbst Schulbegleitungen suchen. Zur Unterstützung der Inklusion in den Schulen soll künftig ein Expertenteam alle Schulen besuchen und Schulleitungen sowie Kollegien bei der Umsetzung der Inklusion beraten. Auch bei der Inklusion steht das Elternwahlrecht im Vordergrund. Eltern von Kindern mit Behinderung oder sonderpaedagogischen Förderbedarf sollen und können in Hamburg frei entscheiden, ob sie ihr Kind an einer Regel- oder Sonderschule anmelden. Deshalb werden wir die speziellen Sonderschulen erhalten, wenn es die Eltern wünschen.

CDU: Nach Auffassung der CDU müsste das Hamburger Inklusionsmodell in einer langsameren Umsetzung und unter Berücksichtigung qualitativer Verbesserungen neu gestartet werden. In Absprache mit den Schulaufsichtsbeamten, den Schulleitungen der Grund- und Stadtteilschulen sowie den Leitungen der ReBBZ und der Sonderschulen fordern wir die Einrichtung von wohnortnahen „Leuchtturmschulen“, die eigens für die Inklusion bestimmt sind. Dabei soll die Inklusion zunächst den Schulen als Aufgabe übertragen werden, die bereits wertvolle Erfahrungen insbesondere mit Integrationsklassen und eine positive Grundhaltung dafür mitbringen. Im zweiten Schritt erfolgt der sukzessive Ausbau des Netzes von Inklusionsschulen bis 2030. Pro Klasse sollten maximal vier Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf beschult werden. Die Sonderschulen und damit auch das Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte am Borgweg sollen als gleichwertige Alternative erhalten bleiben.

BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN: Wir wollen eine inklusive Schule. Eine Schule, in der alle von Vielfalt profitieren und die niemanden ausschließt. Dies gilt für jede Schulform. Deshalb fordern wir, dass sich zukünftig auch Gymnasien der Inklusion stellen. Einsparungen am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung sind zurückzunehmen. Wir möchten dafür sorgen, dass alle Kinder Schulbegleitung im benötigten Umfang erhalten. Wir fordern einen Inklusionsfonds, ausgestattet mit 15 Millionen Euro jährlich. Hier könnten kurzfristig die nötigsten Bedarfe an Ausstattung und Personal gedeckt werden. Auch bedeutet Inklusion für uns nicht nur Öffnung der allgemeinen Schulen für Schülerinnen und Schüler mit Behinderung. Auch der umgekehrte Weg einer Öffnung der bisherigen speziellen Schulen für Schülerinnen und Schule ohne Behinderung bzw. mit anderen Behinderungen ist für uns eine vorstellbare Variante der Inklusion.

FDP: Kinder mit Behinderung haben laut UN-Behindertenrechtskonvention das Recht, eine allgemeinbildende Schule zu besuchen. Dieses Recht gilt es angemessen und zum Nutzen der Kinder umzusetzen, ohne dass aus dem Recht zur Inklusion mangels Alternative eine Pflicht wird. Die FDP möchte die speziellen Sonderschulen deshalb erhalten und weiterhin so gut ausstatten, dass sie auch in Zukunft eine echte Alternative darstellen. Gleichwohl müssen sich auch allgemeinbildende Schulen für Kinder mit Behinderung öffnen. Aus unserer Sicht sollte es für Kinder mit speziellem Förderbedarf Schwerpunktschulen geben. Diese Schwerpunktschulen müssen so ausgestattet sein, dass sie den Bedürfnissen der Schüler vollumfänglich Rechnung tragen. Dazu gehört z.B. die vollständige Barrierefreiheit für Blinde und Sehbehinderte durch entsprechende bauliche Anpassungen, die Verfügbarkeit von speziellen Lehrmaterialien und entsprechend ausgebildeten Lehrkräften, Sonder- und Sozialpädagogen sowie Erziehern.

DIE LINKE: Mit dem Landesaktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich Hamburg ein umfangreiches Programm gegeben. Das Problem ist, dass der Landesaktionsplan finanziell nicht untersetzt ist. Nach Schätzungen der GEW Hamburg fehlen etwa 300 Stellen für die inklusive Schule. Der Senat hat sich durch die Schuldenbremse selbst Fesseln angelegt. Personalkosten sind in allen Ämtern und auf allen Ebenen zu sparen. Deshalb ist davon auszugehen, dass viele Aufgaben des Landesaktionsplans vorerst nicht realisiert werden. Die LINKE hat gegen die Schuldenbremse in Bund und Land gestimmt. Das Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte am Borgweg wird allein schon aus diesem Grund noch lange von Bedeutung sein.

AFD: Die AfD Hamburg sieht sich dem Grundsatz einer sachorientierten Inklusionspolitik verpflichtet. Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf benötigen meist eine gezielte und bedarfsgerechte individuelle Förderung. Diese ist nur an den speziell darauf ausgerichteten Förderschulen zielgruppengerecht leistbar. An einer allgemeinen Schule ist die oft benötigte intensive Betreuung nicht leistbar. Die AfD Hamburg lehnt deshalb die generelle Inklusion aller Schüler mit sonderpädagogischem Bedarf an allgemeinen Schulen ab. Stattdessen wird die Beibehaltung der Förderschule befürwortet.

In den vorigen Blog-Posts habe ich die Antworten zu den Themen Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und Nachteilsausgleiche und Blindengeld zusammengefasst. Alle Fragen und Antworten finden Sie vollständig auf der Wahl-Sonderseite des BSVH.

Bürgerschaftswahl 2015: Hamburgs Parteien über Nachteilsausgleiche und Blindengeld

Die Parteien haben geantwortet. Wir vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) hatten ihnen zehn Fragen gestellt. Hier ihre Kernaussagen zum Thema Nachteilsausgleiche und Blindengeld:

SPD: Die Fortentwicklung der Eingliederungshilfe geschieht unter den Gesichtspunkten Personenzentrierung und Selbstbestimmung. Menschen mit Behinderung sollen in jeder Situation über ihre Belange möglichst eigenständig und autonom entscheiden können. Das Bundesleistungsgesetz wird derzeit auf Bundesebene erarbeitet. Hamburg hat sich bereits im Bundesrat dazu sehr engagiert eingebracht und ist an der Ausarbeitung des Gesetzes prominent beteiligt. Im Rahmen der Gesetzgebung wird auch die Entwicklung eines Bundesteilhabegeldes zu beraten sein. Bis dahin beabsichtigen wir keine Änderung beim Hamburger Nachteilsausgleich vorzunehmen.

CDU: Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist das Blindengeld in Hamburg überdurchschnittlich hoch. Veränderungen der Regelungen zum Blindengeld sind nicht geplant. Wir unterstützen nachdrücklich die Einführung eines Bundesteilhabegesetzes, mit dem die Leistungen der Eingliederungshilfe aus dem System der „Fürsorge“ herausgelöst und zu einem modernen Teilhaberecht weiterentwickelt werden sollen. Ziel ist eine Leistung, die sich am persönlichen Bedarf orientiert, unabhängig von Institutionen oder vom Wohnort der Betroffenen. Dabei sollen auch die bisherigen Vermögens- und Einkommensgrenzen überprüft werden.

BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN: Das Landesblindengeld wollen wir für blinde und stark sehbehinderte Menschen erhalten. Allerdings setzen wir uns dafür ein, dass ein bundesweites einheitliches Teilhabegeld als Nachteilsausgleich eingeführt wird. Das grüne Teilhabegeld ist gestaffelt nach Grad der Teilhabeeinschränkung und soll (mit Ausnahme von anfallenden Heimkosten) nicht auf Leistungen der Eingliederungshilfe angerechnet werden und unabhängig von Einkommen und Vermögen gezahlt werden. Taubblinde sollen ebenfalls von dem Teilhabegeld profitieren.

FDP: Die FDP bekennt sich zum Erhalt des Blindengeldes in Hamburg. Für den Nachteilsausgleich von Menschen mit Behinderungen setzt sich die FDP grundsätzlich für eine stärkere Nutzung und Verbreitung des persönlichen Budgets ein, da Leistungen zum Nachteilsausgleich individuell an den jeweiligen Empfänger angepasst werden können und damit die persönlichen Lebensumstände jedes einzelnen besser berücksichtigt werden können, als bei der pauschalen Auszahlung eines Festbetrages. Die FDP zieht daher die Nutzung des persönlichen Budgets der Einführung weiterer Kategorien, wie Taubblindengeld oder Sehbehindertengeld, vor.

DIE LINKE: Die LINKE setzt sich seit Jahren dafür ein, dass das Bundesleistungsgesetz geändert wird. Die Leistungen der Eingliederungshilfe sollen unabhängig von den Einkommens-und Vermögensverhältnissen der Menschen mit Behinderung und ihrer Familien erbracht werden. Ein ergänzender Ausgleichsbeitrag soll dazu dienen, behinderungsbedingte, in der Leistungsbemessung der Eingliederungshilfe nicht weiter spezifizierte Bedarfe zu decken. Die LINKE wird sich in der nächsten Legislatur für eine gesetzliche Regelung einsetzen, damit stark sehbehinderte, taubblinde Menschen einen Nachteilsausgleich erhalten.

Im vorigen Blog-Post habe ich die Antworten zum Thema Barrierefreiheit im öffentlichen Raum zusammengefasst. Alle Fragen und Antworten finden Sie vollständig auf der Wahl-Sonderseite des BSVH.

Bürgerschaftswahl 2015: Hamburgs Parteien über Barrierefreiheit im öffentlichen Raum

Die Parteien haben geantwortet. Wir vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) hatten ihnen zehn Fragen gestellt. Hier ihre Kernaussagen zum Thema Barrierefreiheit im öffentlichen Raum:

SPD: Wir wollen, dass die Hamburger U- und S-Bahnstationen bis Anfang der zwanziger Jahre barrierefrei sind. Zur Umsetzung der Barrierefreiheit werden wir die notwendigen finanziellen Mittel bereitstellen. Wir beginnen mit den hochausgelasteten Metrobuslinien im Rahmen des Programms zum Ausbau der Kapazität unserer Busse (Busbeschleunigung), zahlreiche Haltestellen wurden bereits barrierefrei umgerüstet. Neben der S-Bahn setzen wir uns dafür ein, dass es zukünftig auch in der U-Bahn Ansagen zur Ausstiegsseite gibt.

CDU: Die CDU wird sich deshalb auch weiterhin für den barrierefreien Ausbau von U- und S-Bahnhöfen in ganz Hamburg einsetzen. Hierzu gehören auch entsprechend barrierefrei zugängliche Fahrgastinformationen in und außerhalb der Fahrzeuge. Wir sprechen uns zudem für den Bau einer Niederflurstadtbahn aus, die ebenerdig und dadurch automatisch barrierefrei ist.

BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN: Monetäre Begründungen können kein Argument für ein Abweichen der Normen und Empfehlungen sein. Damit wirklich alle Menschen den öffentlichen Nahverkehr nutzen können, setzen wir uns dafür ein, auch die Bushaltestellen unter dem Inklusionsaspekt barrierefrei zu gestalten. Zur Zielfindung der Sehbehinderten sollten z.B. alle Fahrzeuge mit Außenlautsprechern ausgestattet werden und Linie sowie Zielbahnhof von Bus, Bahn und Schiff ausrufen.

FDP: Eine frühzeitige Beteiligung von Interessenvertretungen wie bspw. den Seniorenbeiräten oder dem Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. muss bei Baumaßnahmen im öffentlichen Raum obligatorisch sein. Dies gewährleistet die Berücksichtigung von Normen und Empfehlungen in der ersten Phase der Planungen und ermöglicht die zielgerichtete Umsetzung ihrer Forderungen, ohne erhebliche Mehrkosten zu verursachen.

DIE LINKE: Barrierefreiheit wird durch „angemessene Vorkehrungen“ ermöglicht, damit sind alle Maßnahmen gemeint, welche die Teilhabe behinderter Menschen ermöglichen, indem Hindernisse beseitigt werden. Die LINKE Hamburg vertritt in ihrem Wahlprogramm die Forderung, dass mangelnde angemessene Vorkehrungen als Diskriminierung im Gleichstellungsgesetz verankert werden sollen. Dann können sie nämlich auch eingeklagt und rechtlich geahndet werden.

Alle Fragen und Antworten finden Sie vollständig auf der Wahl-Sonderseite des BSVH.

Flitterwochen: Auf den Azoren im Januar

Einer der schönsten Orte, die ich bisher besucht habe: Die bezaubernde Anna und ich waren flittern, auf São Miguel. São Miguel ist die größte Insel der Azoren, rund 1.500 Kilometer westlich vom portugiesischen Festland, mitten im Atlantik. Ein Ort voller herrlicher Eindrücke: Sei es das Bad in heißen Quellen, die es überall auf der Vulkaninsel gibt (in Parks, im Meer, im Wald), sei es die beeindruckende Pflanzen-Vielfalt – aufgrund des feuchten, gemäßigten Klimas wächst dort beinahe alles -, seien es die kleinen frischen Bananen, Ananas oder Gemüse von der Insel, die süßen, cremigen Puddings und Kuchen, die beeindruckende Ruhe, die Mischung aus Wald- und Ozeanluft, die Rufe der Möwen im Gebirgsnebel, die Vielfalt von Walen, Delfinen und anderen Atlantik-Bewohnern, der überwältigende Terra-Nostra-Park in Furnas, der schwarze Strand von Mosteiros, das Treiben in Ponta Delgada, die zurückhaltende Art der Insel-Bewohner … Ich bin immer noch ganz begeistert.

Einige akustische Schnappschüsse finden Sie in meiner Azoren-Playlist auf Audioboom.com. Und hier nun einige von Annas – ich habe mir sagen lassen, wunderschönen – Fotos aus dem Urlaub:

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Kommunikation statt Barrieren

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