Barrierefreiheit in Kliniken: Patienten-Initiative präsentiert Vorschläge

„Menschen mit Behinderung im Krankenhaus: Wie zugänglich sind Hamburger Kliniken?“ Der Verein „Die Patienten-Initiative“ hat in den sieben Hamburger Asklepios-Kliniken den Praxis-Test gemacht. Am gestrigen Freitag wurden die ersten Erkenntnisse in einer Foto-Ausstellung präsentiert. Ich selbst habe bei der Eröffnungsfeier in der Asklepios Klinik Barmbek von meinen persönlichen Erfahrungen als blinder Patient in Krankenhäusern berichtet.

Umgang mit behinderten Menschen: “Wie es ist und wie es sein soll”

“Vielfalt und Vorurteile: Wie tolerant ist Deutschland?” lautet das aktuelle Thema des Online-Projektes „Die Recherche“ der Süddeutschen Zeitung. Hierbei geht Redakteurin Sabrina Ebitsch auch der Frage nach, wie ein Fettnäpfchen-freier Umgang zwischen Menschen mit und ohne Behinderung aussehen könnte. In ihrer Einleitung zu dem sehr lesenswerten Dossier schreibt Ebitsch:

Mehr als sieben Millionen Menschen in Deutschland sind schwerbehindert, fast neun Prozent der gesamten Bevölkerung. Trotzdem und trotz wachsender Bemühungen um Inklusion haben die meisten Nichtbehinderten keinen oder nur wenig Kontakt mit Menschen mit Behinderung oder anderen Einschränkungen. Entsprechend unsicher ist der Durchschnittsdeutsche, wenn es dann doch dazu kommt – wenn beispielsweise der neue Kollege im Rollstuhl sitzt oder einen ein blinder Passant nach dem nächsten Supermarkt fragt. Um Peinlichkeiten für beide Seiten, die leider noch immer allzu häufig sind, zu vermeiden, berichten fünf Betroffene aus eigener Erfahrung, wie es ist und wie es sein soll.

In dem ausführlichen Artikel berichten Laura Gehlhaar aus der Perspektive der Rollstuhlfahrerin, Julia Probst über Gehörlosigkeit, Aleksander Knauerhase über Autismus und ein anonymes Mitglied der Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe über den richtigen Umgang mit stotternden Menschen. Ich selbst berichte über das Thema Blindheit.

Der Artikel ist wirklich toll geworden. Er bildet viele Aspekte ab, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger daher zu kommen. Auch ich habe durch ihn noch viel gelernt. Bleibt zu hoffen, dass er viele Leserinnen und Leser findet und fleißig im Web geteilt wird. Sie können damit gern beginnen. Und vielleicht mögen Sie ja auch hier in den Kommentaren oder per E-Mail darüber berichten, wie Ihnen der SZ-Beitrag gefallen hat, ob bei Ihnen nach der Lektüre Fragen offen geblieben sind oder welchen Aussagen Sie evtl. nicht zustimmen können.

Und dann empfehle ich Ihnen noch aller wärmstens die Blogs von Laura, Julia und Aleksander für den Fall, dass Sie tiefer in die Materie einsteigen möchten. Es lohnt sich.

Erstmals in Schauspielhaus und Altonaer Theater: Audiodeskription für blinde Menschen

Ich freu mich drauf: Wie schon in 2013 gibt es auch in diesem Jahr wieder Theater-Aufführungen mit akustischen Bildbeschreibungen für blinde und sehbehinderte Menschen in Hamburg. Im Deutschen Schauspielhaus gibt es Ibsens „John Gabriel Borkman“ (3. Und 20. Dezember 2014 und 11. Januar 2015). Im Altonaer Theater wird die Bestseller-Adaption „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ mit Audiodeskription präsentiert (28. Dezember 14 und 4. Januar 15). Details zu den Stücken, der Karten-Reservierung und der erstmals in Hamburger Theatern eingesetzten „MobileConnect“-Technologie finden Sie auf bsvh.org.

Eine Erfolgsgeschichte: Dialog im Dunkeln in Ruanda

Es ist eine Erfolgsgeschichte: Der Dialog im Dunkeln. In den vergangenen 25 Jahren wurde das Konzept in über 37 Ländern und 170 Städten weltweit umgesetzt. Und nun führen blinde Menschen das sehende Publikum auch in Ruanda in völlig abgedunkelten Räumen durch eine Ausstellung.

Infotag in Hamburg: BSVH präsentiert Hilfsmittel für blinde und sehbehinderte Menschen

Am Samstag, 8. November 2014, 10 bis 17 Uhr, veranstalten wir vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) den Infotag „Rundblick“. Im Louis-Braille-Center, Holsteinischer Kamp 26 (U3 Hamburger Straße), präsentieren Aussteller nützliche Produkte aus ihrem Hilfsmittelangebot, die direkt vor Ort gekauft werden können – auch eine gute Gelegenheit, Geschenke für sehbehinderte Angehörige und Freunde mit Seheinschränkung zu finden. Die Messe rund um Haushalt, Freizeit, Gesundheit und Mobilität findet alljährlich im November statt. Die Aussteller-Liste finden Interessierte auf der Seite des BSVH.

Kinderbuch über Blindheit: „Toleranz und soziales Miteinander vermitteln“

Porträt von Judith Le Huray
Porträt von Judith Le Huray

In Judith Le Hurays neuestem Kinderbuch geht es um Blindheit. Im Gespräch mit mir erklärt die Autorin, was sie am Thema gereizt hat, wie sie sich vorbereitet hat und ob sie Angst hatte, in die Klischee-Falle zu tappen.

In Deinem neuesten Kinder- und Jugendroman “Die Kellerschnüffler” steht die Frage im Mittelpunkt, ob ein blinder Junge Mitglied einer sehenden Kinder-Clique sein kann. Was war Deine Intention für dieses Buch und was hat Dich an dem Thema Blindheit gereizt?

Judith Le Huray: Die Intention war zunächst, ein spannendes und humorvolles Buch zu schreiben, das Kinder gern lesen und gleichzeitig Lehrern als Klassenlektüre gefällt. Häufig gibt es bei Kinderkrimis eine besondere Figur, bei mir ist es der blinde Junge. Damit möchte ich nicht nur ein wenig vermitteln, wie Blinde die Welt erleben, sondern auch auf Intoleranz durch Gedankenlosigkeit hinweisen. Der blinde Samuel ist in der Geschichte übrigens nicht der einzige, der zunächst in eine Schublade gesteckt und abgelehnt wird. Ich will nicht behaupten, frei von Vorurteilen zu sein, aber die Diskriminierung von Menschen, die nicht in ein bestimmtes Raster passen, ist manchmal sehr erschreckend. Warum mich das Thema „Blindheit“ gereizt hat? Da der sehende Mensch sich sehr stark mit den Augen orientiert, wird der Verlust des Augenlichts als extremer Einschnitt empfunden. Meine eigenen schlechten Augen sind sicher mit ein Grund, warum mich das Thema interessiert, denn durch Information können auch Ängste bewältigt werden.

Du erzählst die Annäherung von den sehenden Kindern und dem blinden Jungen im Rahmen eines Abenteuerromans bzw. eines Krimis für Kinder. Warum hast Du gerade dieses Genre gewählt, und an welche Altersgruppe wendet sich Dein Buch?

Judith Le Huray: Das Buch wendet sich vor allem an Leser von neun bis elf Jahren. Als ich in dem Alter war, habe ich selbst sehr gerne Krimis und Abenteuerromane gelesen. Das ist schon einige Jahrzehnte her, aber auch heute noch lieben die Kinder spannende und abenteuerliche Bücher. Mit Spaß und Spannung möchte ich nebenbei Themen wie Toleranz und soziales Miteinander vermitteln, ohne sie den Kindern mit der moralischen Keule einzuhämmern.

Magst Du meinen Leserinnen und Lesern noch ein bisschen mehr über die Handlung der Kellerschnüffler erzählen?

Judith Le Huray: Sechs befreundete Jungen und Mädchen im Alter von zehn bis knapp 13 Jahren müssen aus unterschiedlichen Gründen zumindest einen Großteil ihrer Sommerferien zu Hause verbringen. Nun suchen sie nach Abwechslung und Abenteuer. Als sie dem merkwürdigen Jungen mit dem weißen Stock zum ersten Mal begegnen, wird er von ihnen gepiesackt und verspottet. Am nächsten Tag stürzt einer aus der Bande vom Fahrrad und ausgerechnet Samuel, der Junge mit dem komischen Blick, hilft ihm. Die beiden freunden sich an und trotz einiger Widersprüche wird Samuel in die Clique aufgenommen. Als nachts Fahrräder aus einigen Kellern des Stadtteils verschwinden, versuchen sich die Kinder als Detektive. Jedes der Kinder hat andere Stärken und Schwächen, und in der Dunkelheit des Kellers kann Samuel punkten.

Ich weiß, dass Du intensiv zum Thema Blindheit recherchiert hast. Wir haben uns dadurch kennengelernt, dass ich Dir viele Fragen hierzu beantwortet habe. Wie hast Du Dich daneben auf das Thema Blindheit vorbereitet?

Judith Le Huray: Ich war in einer Blinden- und Sehbehindertenschule, habe eine Ausstellung des Blindenverbands besucht und mich dort mit Blinden unterhalten, jede Menge Videos angeschaut und Romane oder auch Ratgeber gelesen.

Wie bist Du mit dem möglichen Widerspruch von realistischer Darstellung von Blindheit einerseits und der erzählerisch notwendigen Pointierung andererseits umgegangen – sprich: Hattest Du Angst in die Klischee-Falle zu tappen?

Judith Le Huray: Wenn ich ehrlich bin weiß ich nicht, welche Klischees es in Bezug auf Blinde gibt und es kann gut sein, ich bin in die Falle getappt. Trotzdem hoffe ich, ein einigermaßen realistisches Bild zu vermitteln und den Lesern ein bisschen die Situation von Blinden nahebringen zu können, ohne dabei den Abenteuerroman mit Informationen oder gar Problemen zu überfrachten und die Kinder damit zu langweilen.

Über Judith Le Huray

Judith le Huray wurde 1954 geboren und ist in Stuttgart aufgewachsen, seit vielen Jahren wohnt sie mit Mann und Hund am Fuß der Schwäbischen Alb. Schon als Kind war sie eine Leseratte und mit sechs Jahren wollte sie Schriftstellerin werden. Das dauerte jedoch einige Jahrzehnte, denn zunächst arbeitete sie als Erzieherin im Kindergarten und -heim, machte – „völlig talentfrei“, wie sie sagt – eine Schneiderlehre und leitete als Tanzpädagogin zwei Jahrzehnte lang ein eigenes Studio. 2009 hat Judith le Huray endlich ihren Traum wahr und das Schreiben von Kinder- und Jugendbüchern zu ihrem Beruf gemacht, seit 2011 hauptberuflich. Besonders gern verfasst sie witzige und spannende Bücher, die als Klassenlektüre geeignet sind. Wenn sie nicht im Garten oder am Schreibtisch an neuen Geschichten bastelt, ist sie bei einer ihrer vielen Lesungen oder sie geht mit ihrer Hündin Gassi.

Textauszug aus „Die Kellerschnüffler“

Buchcover von "Die Kellerschnüffler"
Buchcover von “Die Kellerschnüffler”

„Sag mal, Samuel, ist das nicht schrecklich, wenn es immer so dunkel ist?“, fragt Karo. Zum einen, weil es sie interessiert, zum anderen, weil reden die Angst vertreibt.

„Na ja, vor allem am Anfang war es schlimm. Ich hatte ständig Albträume. Und dann hat meine Mutter sich so wahnsinnige Sorgen gemacht und mich von vorne bis hinten betüddelt, als wenn man mir das Gehirn amputiert hätte. Aber mit der Zeit lernt man eine Menge kennen, was man als Guckie viel zu wenig beachtet. Wie sich etwas anfühlt, wie es riecht, wie sich ein Haus anhört oder ein Baum oder ein Müllcontainer, wenn man daran vorbeigeht. Trotzdem werde ich nie alles können so wie ihr und brauche oft Hilfe. Aber dafür kann ich einiges, was ihr nicht so gut könnt.“

„Stimmt“, sagt Moritz leise. „Trotzdem will ich sehen können.“

Eine längere Leseprobe im PDF-Format finden Sie auf der Website des Hase-und-Igel-Verlags. Das Buch “Die Kellerschnüffler” können Sie direkt auf der Seite der Autorin bestellen.

Sonntag auf der Bühne: Gestrandet in Bombay

Vielleicht ist es die letzte Chance, unser aktuelles Stück live zu erleben. Die Blinden Passagiere stehen an diesem Sonntag, 26. Oktober 2014, endlich wieder in Hamburg auf der Bühne, nach krankheitsbedingter Pause nun auch wieder mit mir als Capitano. „Gestrandet in Bombay – Die See-Revue mit Schlagern der 50er Jahre“ beginnt um 15 Uhr. Veranstaltungsort ist der Hamburgsaal (Haus U) im Berufsförderungswerk Hamburg. Eingeladen wurden wir vom Freundeskreis Pflegeheim Farmsen. Karten kosten im Vorverkauf 10 Euro, vor Ort 12 Euro. Erhältlich sind die Tickets im Weinshop im EKT (Berner Heerweg 173) und im Seniorenzentrum Pflegen und Wohnen (August-Krogmann-Str. 100).

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